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Phantastische Filme waren eh stets Roger Cormans Gebiet und nach dem „Star Wars“-Erfolg hämmerte er sein Konkurrenzprodukt im gleichen Jahr wie dessen offizielles Sequel raus.
„Battle beyond the Stars“ alias „Sador – Herrscher im Weltraum“ ist dann für eine Corman-Produktion recht teuer, aber immer noch weit unter dem Budget einer Studioproduktion, ideentechnisch ist natürlich ebenfalls Raubbau angesagt. „Star Wars“ ist das erste Vorbild und da Han Solo als Spacecowboy eh beliebter als Jedi Luke Skywalker war, borgt Corman hier gleich noch bei „Die glorreichen Sieben“, dem Westernremake von „Die sieben Samurai“. Anstelle von Mexikanern gibt es hier eine friedliebende Weltallkommune.
Blöd nur, dass wertvolle Rohstoffe dort zu holen sind, die Weltallschurke Sador (John Saxon) einfordert. Allerdings ist er so nett, erstmal kurz abzuhauen um andere Geschäfte zu regeln, damit Jüngling Shad (Richard Thomas) losdüsen kann und Söldner organisieren. Dabei lernt der Zuschauer dann noch, wie blöd doch liberale Weicheier sind, selbst der denkende Bordcomputer von Shads antiker Mühle von Raumschiff erinnert sich noch an die guten alten Tage, in denen man den Feind vom Himmel pustete statt davonzufliegen oder gar mit ihm zu reden. Glücklicherweise lässt sich der Held irgendwann bekehren.

Zuvor sackt Shad dann aber noch sechs neue Kameraden ein, das Vorbild soll ja erkennbar sein: Die Tochter eines Weltraumbastlers, einen Leguanmann, eine All-Amazone, einen Spacecowboy, einen gealterten Gentlemankiller und ein aus mehreren Entitäten bestehendes Wesen…
Sicher: Ernsthafte Konkurrenz zu Lucas’ alter Trilogie hat Corman hier nicht fabriziert, aber es ist schon interessant zu sehen, auf welch illustre Weise die Kreativität hier Amok lief. Angefangen bei den eigenwilligen Söldnern mit ihren Macken und phantasievollen Outfits (das Highlight ist sicher die Whiskeyspendergürtelschnalle des Cowboy) bis hin zu den abstrusen Drehbucheinfällen (die Szene mit Sadors neu anoperiertem Arm ist ein Brüller vor dem Herren). Ja, Ideen gab es viele und egal, wie abgedreht ein Einfall auch gewesen sein mag: Alle wurden mit spürbarem Elan in den Film integriert, da kann man den Machern ihre Begeisterung nicht absprechen.

Einer, der mit vollem Elan dabei war, war der damals noch recht junge James Cameron, der Teil des Effektteams war. Sicher können die FX nicht mit dem großen Bruder „Star Wars“ mithalten, oft erkennt man das Zusammenkopieren verschiedener Elemente deutlich, doch das gibt „Sador“ nicht nur einen cheesy Charme, sondern man kann nicht umhin die Kreativität der Modelltricks zu bewundern: Immerhin hat man hier eine Vielzahl verschiedener Raumschiffe gestaltet und sich für jeden Charakter ein passendes Allvehikel überlegt, wenngleich die Raumschlachten etwas spektakulärer sein könnten.
Als B-Movie kann es sich „Sador“ dann erlauben hämischer und gemein zu sein als sein familienfreundlicheres Vorbild. Bei den Kostümen der Amazone Saint-Exmin (Sybil Danning) haben die Schneider viel Kopfbedeckung und wenig Oberbekleidung zusammengeschnippelt, bleiben aber gerade noch im jugendfreien Rahmen, und es wird immerhin angedeutet, dass die Fieslinge mit gekidnappten Mädels mehr vorhaben als diese nur auf dem Todesstern einzusperren. Außerdem pusten die Schurken als erste Amtshandlung das friedliebende Hippie-Begrüßungskomitee weg. Als böser Anti-„Star Wars“-Kommentar ist das Ganze aber nur teilweise gemeint, denn mit solchen Gemeinheiten hat Corman natürlich auch ein paar Exploitationschauwerte an Bord.

Dass man all diese kreativen Wildwüchse nur schwer in einem Film unterbekommt, sieht man dann auch am dünnen Script. Episodisch trifft Shad in Filmhälfte eins einen Söldner nach dem anderen, ein kurzes Gespräch erfolgt, an dessen Ende immer ein neuer Verbündeter da ist, in Hälfte zwei wird dann ein Belagerungsklischee nach dem anderen durchspielt und Freund Zufall ist immer mit dabei: Die Fieslinge benutzen Frequenzen als Waffe? Gut, dass die Sidekicks des Leguanmannes keine Ohren haben. Erschreckend beiläufig werden dann noch ein paar Heldentode gestorben, aber hier geht es ja auch nicht um Dramatik, sondern Entertainment.
Grinsebacke Richard Thomas ist dann auch nicht unbedingt das charismatischste Pferd im Stall, schlägt sich aber immerhin solala, gegen Akteure wie Robert Vaughn, Darlanne Fluegel und George Peppard sieht er dann aber recht blass aus – obwohl auch keiner von denen zu Höchstform aufläuft. John Saxon schafft es hingegen charismatisch rüberzukommen, trotz der hemmungslos übergroßen, aufgeschminkten Narbe im Gesicht, während Sybil Danning klar nur des Aussehens wegen gecastet wurde.

Ist „Sador“ ein guter Film? Naja. Ist er sehenswert? Das auf jeden Fall: Man kann sich prächtig über die offensichtlichen „Star Wars“-Anleihen freuen (statt Alderan wird ein anderer Planet als Waffendemonstration pulverisiert, Sadors Schiff ist eine Mischung aus Todesstern und Sternenzerstörer), noch prächtiger über die durchgedrehten Ideen amüsieren und an den charmanten Tricks freuen. Da stören das mäßige Script und eher blasse Darsteller kaum.

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