Review
von c.funke
Going To Pieces
(Ascot Elite)
Der folgende Film ist ein Bericht über das Phänomen der Horrorfilme, die mit Beginn der 1980er Jahre die Leinwände eroberten. Obwohl von Kritikern und Eltern gleichermaßen geschmäht (in Deutschland auch noch von der FSK... Anmerkung des Autoren), haben diese Filme eine ganze Zuschauer - Generation zum Fürchten gebracht und sie haben die amerikanische Kino – Landschaft dauerhaft verändert.
Diesem einleitenden Text lässt sich wenig hinzufügen. Die vorliegende, für einen amerikanischen Kabel – Sender produzierte Dokumentation widmet sich dem Slasher – Film. Bin ich, da ich einer Zuschauer – Generation angehöre, die mit diesen Filmen großgeworden bin, ein Mitglied der Slasher – Generation? Wirkt sich das dauerhaft auf meine geistige Gesundheit aus? Somit ist es für mich sehr interessant, wenn sich eine Dokumentation mit diesem Genre näher befasst.
Going to Pieces – Die ultimative Tour durch ein blutiges Genre (so der vollständige Titel dieser Dokumentation) ist das Regiedebüt des Schauspielers Jeff Mc Queen, welcher als Darsteller in dem Girliefilm Girls United Again auffiel (macht einen das anfälliger für Slasherfilme???)!!!
Die Dokumentation basiert auf das Sachbuch gleichen namens, welches 2002 in den Staaten erschien. Hier beleuchtete der Autor Adam Rockoff filmwissenschaftlich die Fragen die solch ein Genre aufwerfen. Es werden hier typische Merkmale wie die Frage nach dem Killer, die Waffenwahl oder die Opfer gestellt, die auch in dieser Dokumentation seitens der Fachleute beleuchtet werden. Hier wird natürlich auch ein Hauptaugenmerk der Produzenten auf die Wirtschaftlichkeit dieses Genres geworfen, denn wäre diese Art des Filmes nicht so lukrativ gewesen, es wäre fraglich, ob sich der Slasher solch eines großen Nachschubs an neuen Filmen erfreuen könnte. Trotz der großen Beliebtheit erlahmte das Interesse der Zuschauer an den immer relativ identischen Geschichten, so dass die Slasher – Welle Mitte der 80er Jahre einschlief. Erst Wes Craven gelang etwa 10 Jahre später mit Scream eine gelungene Reanimation, indem er die bekannten Formeln ironisch spiegelte, und damit alte Strukturen aufbrach. Going to Pieces lässt die Meister dieser Filmgattung zu Wort kommen. Dabei kommen die Väter des Genres (Carpenter, Craven, Cunningham) genau so zu Wort, wie ihre geistigen Söhne (Rob Zombie, Eli Roth oder James Wang).
Ein Kapitel widmet sich dem Schaffen Tom Savinis, in welchem er über seine geistigen Einflüsse und die traumatischen Erfahrungen im Vietnamkrieg berichtet.
Produzenten verschiedener Filme (Debra Hill, Halloween) berichten über ihre Erfahrungen, Kosten und Einspielergebnisse, Komponisten über ihren Stil (Harry Manfredini, Score zu Freitag der 13.).
Ein weiterer Abschnitt dieser Dokumentation ist die amüsante Beleuchtung der verschiedenen Karrieren heute bekannter Prominenter, die in Slasher – Filmen ihren Start hatten. Man denke nur an Johnny Depp in Nightmare on Elm Street, Kevin Bacon in Friday the 13th, Patricia Arquette in Nightmare 3 oder Renee Zellweger und Matthew Mc Conaughey in Texas Chainsaw Massacre: The Next Generation.
Des weiteren stellt man sich hier die Frage, wohin sich der moderne Horrorfilm bewegen wird, ist doch deutlich, dass es an neuen Ideen mangelt, aber die Darstellung der Gewalt bisher ungeahnte Höhen erreicht hat (Hostel, Hills Have Eyes, Saw), und damit wirtschaftlich erfolgreich gearbeitet werden kann.
Die DVD aus dem Hause Ascot Elite glänzt durch eine schöne und stilvolle Aufmachung, Sound und Bild sind für eine Dokumentation angenehme gelungen. Als Bonusmaterial liegt dieser Version, es handelt sich hier um die Verleihfassung, nur ein selbstlaufender Trailer zu dem Thriller Unknown bei plus einer Programmschau anderer aktueller Titel. Erst die Kaufversion beinhaltet dann Deleted scenes, Audiokommentare und ein Quiz als Extramaterial.
Going to Pieces ist eine interessante Betrachtung eines geächteten Genres, welche von Fans für Fans gedreht wurde. Ähnlich der Dokumentation American Nightmare ist es hier wichtig, um alle Bezüge zu verstehen, dass man sich im genannten Genre auskennt. Da ein roter Faden nicht wirklich vorhanden ist, sondern verschiedene Persönlichkeiten ihre Anekdoten und Geschichten zu verschiedenen Themen preisgeben, ist dies fast nur für Freunde des Horrorgenres interessant. Die dürfen sich dann aber an bekannten und beliebten Szenen erfreuen, interessante und informative Hintergründe erfahren und sich sehr gut amüsieren.
CFS