Review

Mittlerweile dürfte etwa jeder vierte bis fünfte von mir gesichtete Film ein Slasher sein, - zumindest im weitesten Sinne, wobei die Grenzen ja recht fließend sind.
Dass sich da, beispielsweise unter Arbeitskollegen, die sich viel lieber mit „Star Trek“ oder Fellini-Schinken beschäftigen, zumindest in filmtechnischer Hinsicht weniger Gesprächsstoff bietet, legt oft die Vermutung nahe, mit seinen cineastischen Vorlieben ein Außenseiter zu sein.
Die Doku „Going to Pieces“ beweist jedoch das Gegenteil.
Allerdings mit zwiespältigem Eindruck: Sie lässt mich einerseits heimisch fühlen, bietet mir auf der anderen Seite aber auch kaum neue Erkenntnisse.

Beruhend auf dem Sachbuch von Adam Rockoff streift man, chronologisch nach entsprechenden Erscheinungsjahren, die wesentlichen Stationen (hauptsächlich amerikanischer) Slasher und interviewt dabei namhafte Genregrößen wie Wes Craven, Sean Cunningham oder John Carpenter. Bringt aber auch Aussagen von Genre-Fachleuten oder ehemaligen Crewmitgliedern wie Effekte-Guru Tom Savini oder Schauspielerin Felissa Rose, die im ersten Teil vom grottigen „Camp des Grauens“ die Hauptrolle spielte.

So kommt man von „Augen der Angst“ und „Psycho“, die als Wegbereiter für spätere Genregrößen bezeichnet werden, zum Klassiker „Halloween“, hangelt sich von „Freitag der 13.“ über den weniger einflussreichen „Prom Night“ bishin zu „Ab in die Ewigkeit“, „Graduation Day“ und „Maniac“, bis man schließlich „Scream“ als Mega-Revival des Slashers lobt, um mit recht aktuellen Beiträgen wie „Haus der 1000 Leichen“ abzuschließen.
Selbst „Hostel“, „Grudge“ und „Saw“ wurden kurz untergebracht, obgleich sie eigentlich nicht dem Subgenre angehören.

Und da ist auch schon der erste Kritikpunkt. Natürlich kann man es den Fans nicht immer recht machen, aber grottige Beiträge wie „Highschool des Grauen“ haben hier kaum etwas zu suchen, während außeramerikanische Einflüsse wie die von Bava und Argento lediglich gestreift werden und eine weitaus größere Beachtung verdient hätten.

Der zweite Kritikpunkt richtet sich an die gewählten Ausschnitte der Filme. Hier spult man zahlreiche Tötungsszenen nacheinander ab, wobei mir da einige Momente neu vorkamen, obgleich ich die Filme schon sah (Pluspunkt „Uncut“). Nur, man verrät dabei teilweise komplette Auflösungen, wie welcher Killer zur Strecke gebracht wird und bringt in einer Tour Spoiler ohne Vorwarnung. Hätte ich „Camp des Grauens/Sleepaway Camp“ nicht schon gesehen, wäre mir der aufgrund des hier vorweggenommenen Plot Twists erspart geblieben.
Gleiches gilt für „Ab in die Ewigkeit“, den ich bis dato noch gar nicht sah.

Dass man dem Ablauf außer der unabänderlichen Chronologie kaum einen roten Faden entnehmen kann, stört dabei allerdings weniger. So zeigt Tom Savini, wie er den einen oder anderen Effekt zustande brachte, erklärt Carpenter die Umstände beim Dreh zu „Halloween“ und Wes Craven erzählt, wie er zu „Nightmare“ inspiriert wurde.
Zudem erfährt man jede Menge marktwirtschaftliche Hintergründe (auf Dauer etwas zu stark gewichtet), ferner, was „Stille Nacht, Horror Nacht“ seinerzeit für einen Wirbel auslöste und welche populären Darsteller unter anderem durch frühe Auftritte in Slasher hervorstachen.

Unterhaltsam gestaltet sich das allemal, nur rast man an einigen Stationen zu schnell vorbei und hätte sich dem ein oder anderen Punkt etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht, also eine insgesamt längere Laufzeit als die gegebenen 88 Minuten.
So hat man den Eindruck, dass besonders die Werke der vorhandenen Gesprächspartner oft zu stark gewichtet werden, während fast gleichermaßen bedeutsame Streifen wie „Black Christmas“ völlig außer Acht gelassen werden.

Jedoch, warum ich gerne Slasher konsumiere hat mir persönlich zwar keine neuen Erkenntnisse vermittelt, aber die Lust auf einen typischen 80er Beitrag deutlich geschürt.
Es sollte nur erstmal keiner sein, dessen komplette Auflösung hier schon vorweggenommen wurde…
6,5 von 10

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