Eine nette Dokumentation von Horrorfans und -machern für Horrorfans und -macher. Das bekommt man hier geboten, nicht mehr und nicht weniger. Der „Macher“-Anteil spielt dabei eine untergeordnete Rolle und beschränkt sich auf ein paar Geschichten der Regisseure zur Herstellung ihrer Werke sowie die Erklärung einiger Effekte. Das ist informativ und für viele neu, was man über die vorgestellten Filme nicht sagen kann. Bis auf ein paar Genre-Beiträge aus den frühen 80ern hab ich alle gesehen. Aber auch hier hatte zumindest ich Glück, bisher Unbekanntes in Erfahrung zu bringen, z.B. den Skandal um „Silent Night, Deadly Night“. (Tipp an alle Fans von bösen Weihnachtsmännern: „Deadly Games“ – Frankreich, 1990 – abchecken).
Der Rest mutet wie eine Zusammenfassung des us-amerikanischen Mainstream-Horrorkinos an, was ich jedoch nicht als störend empfand. Als Kenner fühlt man sich gleich wie zuhause, und die zahlreichen Kommentare von namhaften Regisseuren (u.a. John Carpenter und Wes Craven), Make-Up-Spezialisten (z.B. Tom Savini) und sonstigen Involvierten lassen keine Langeweile aufkommen. Zusätzlich werden die blutigen Höhepunkte und Auflösungen vieler Streifen gezeigt, was man kritisieren könnte wenn man einige davon noch nicht kennt. Allerdings bin ich der Meinung dass nach „Halloween“ und „Freitag der 13.“ fast nur noch kopiert wurde und viele Slasher überflüssig sind, was auch am immer gleichen Aufbau derartiger Filme liegt. Insofern stört es mich nicht, dass mir „Going to Pieces“ durch das Zeigen der besten Szenen die Lust genommen hat, einige unbekannte Vertreter anzusehen. Mag sein dass ich dadurch einen guten Film verpasse, aber ich halte es für wahrscheinlicher, nur Durchschnitt präsentiert zu bekommen. Schließlich gehöre ich auch nicht zu den Fans, die sich solche Filme nur wegen der Effekte oder den Regeln des Slashergenres reinziehen. Bei Horrorfilmen will ich eine spannende Handlung in nostalgischer Atmosphäre, weshalb ich in dieser Hinsicht vor allem die 70er und 80er mag.
An dieser Stelle muss ich den einzigen, aber gewichtigen Kritikpunkt ansprechen: die 70er werden so gut wie gar nicht gewürdigt, speziell das italienische Horrorkino. Mario Bava und Dario Argento werden nur kurz erwähnt, Giallos (abgesehen von „Bay of Blood“) als Vorreiter des Slasherfilms überhaupt nicht. Schon 1964 (Blutige Seide) gab es maskierte Serienmörder, die vorzugsweise jungen, zeigefreudigen Frauen mit Messern und anderen Haushaltswaren nachstellen, sodass mit Michael und Jason nicht wirklich ein neues Genre begründet wurde (höchstens das der meisten Fortsetzungen). Freddy war mir schon immer egal, die „Scream“-Reihe sehe ich nicht als Weiterentwicklung des Horrorgenres an, und die aktuellen Folter-/Terrorfilme find ich größtenteils belanglos. Liegt vielleicht daran dass ich mir solche Filme wie gesagt nicht wegen der Effekte oder Härte anschaue. „Hostel“ war mit seiner unterschwelligen Gesellschaftskritik (emotionale Verrohung im materiellen Wohlstand) völlig ausreichend, und warum die französischen Genre-Beiträge so beliebt sind, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Und zum Thema „Remakes von Horror-Klassikern“ werde ich mich an dieser Stelle nicht äußern. Ihr könnt sicher erraten, wie ich diesbezüglich denke. Und das hat nichts mit meiner Vorliebe für das italienische Kino der 70er und 80er zu tun, denn es gibt auch heute noch gute, eigenständige Horrorfilme, u.a. „Eyes of Crystal“ aus dem Jahre 2004. Trotzdem komme ich zu dem Schluss dass das Horrorgenre seit Ende der 80er mehr oder weniger tot ist und seit damals zu 95% altbekannte Themen und Inhalte mit erhöhtem Härtefaktor recyclet werden (was Neues boten eigentlich nur die Geisterfilme aus Fernost). An der hier vorliegenden, äußerst unterhaltsamen Doku ändert das aber nichts, sodass ich guten Gewissens 8 von 10 Punkten geben kann.