"Old McFarrell had a Farm..."
Ein Western im Zeitalter von "Star Wars", "Terminator" und "Herr der Ringe". Geht das überhaupt? Es geht! Schon Sam Raimi (Spiderman) bewieß mit "Schneller als der Tod", dass Western-Filme mit bekannten Gesichtern durchaus eine Chance haben. Der eher auf Komödien spezialisierte Regisseur Les Mayfield (Der Diamanten Cop) schickte den damals noch unbekannten Iren Colin Farrell (S.W.A.T.) als berüchtigter Wild West - Robin Hood Jesse James in den Kampf gegen böse Eisenbahnbauer...
Nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs kehren Jesse James (Colin Farrell), sein Bruder Frank (Gabriel Macht) und ihr Kumpel Cole Younger (Scoot Caan) in ihre Heimat Missouri zurück. Hier wollen sie ein friedliches Leben als Farmer führen. Doch der mächtige Eisenbahn-Tycoon Rains (Harris Yulin) will die größte Eisenbahnlinie der Welt bauen. Diese soll ausgerechnet durch das Land der Farmer führen. Wer nicht freiwillig verkauft, wird von Rains' Handlangern mit Gewalt von Grund und Boden vertrieben. Als Mama James (Kathy Bates) durch ein von Rains' Männern gelegtes Feuer stirbt, schwören ihre Söhne blutige Rache. Mit Überfällen wollen sie den Stahlross-Magnaten in die Knie zwingen. Aber der hat bereits seine Männer auf Jesse und seine Gang angesetzt...
Die lokalen Helden werden hier mal nicht von Knittergesichtern a'la Costner & Eastwood verkörpert, sondern durch Hollywoods Jungstars, womit man "American Outlaws" auch in gewisser Weise mit "Young Guns" vergleichen kann. Hier darf halt die nächste Generation ran. Und diese wird von Colin Farrell angeführt, der einen ordentlichen Job macht und einen passablen Cowboy abgibt. Ihm zur Seite stehen Scott Caan (Der Staatsfeind Nr. 1) und Gabriel Macht (Der Einsatz), die zwar etwas weniger charismatisch wie Farrell wirken, aber dennoch in Ordnung gehen. Ali Larter (Final Destination) ist als Love Interest ebenfalls zufriedenstellend. Auf der Seite der Schurken haben wir Timothy Dalton (007 - Lizenz zum Töten) und Harris Yulin (Training Day), wobei Daltons Charakter Jesse und seine Leute auch irgendwie respektiert. Nach den beiden Bond-Filmen ist Dalton eher in kleineren Produktionen zu beobachten, wo er auch nicht überall punkten kann. Hier ist es aber glücklicherweise anders. In Nebenparts bekommt man dann noch Kathy Bates (Dolores) und Ronny Cox (Total Recall) zu Gesicht.
Da wir uns hier in einem Western befinden, wird hier noch mit Revolver und Winchester geballert, und ab und zu mal ein Dynamit-Stängchen verwendet. In bester John Woo-Manier mäht hier Farrell beidhändig schießend schon in der Eröffnungsszene die Gegner nieder, was ein wenig unrealistisch erscheinen mag. Ansonsten können sich die Action- und Ballerszenen blicken lassen, auch wenn durch die 12er Freigabe der Härtegrad verringert wird. Hier und da fliegt dann auch mal eine Hütte in die Luft und der Befreiungs-Showdown ist auch schön geraten. Doch was wäre ein Film über eine Outlaw-Bande, ohne interne Zankereien? So ist man sich nicht nur beim Namen der Gang uneinig. Darum spazieren die Outlaws auch blöderweise in eine offensichtliche Falle des Feindes. Die Kulissen und Landschaftsaufnahmen geben auch tolle Western-Atmosphäre wider, und die Kostüme wurden auch gut gewählt. Ein wenig störend ist das Verfälschen von historischen Tatsachen. Denn im Gegensatz zum Film - Jesse James steckten sich der reale Jesse James und seine Bande die Beute selber in die Taschen und verteilten sie nicht an ihre ärmeren Mitmenschen. Allerdings würde das ja auch die Filmcharaktere wieder etwas unsympatischer wirken lassen, da es ja angeblich nicht "politisch korrekt" wäre. Deshalb müssen Farrell & Co. hier eher auf den Pfaden Robin Hoods als auf denen ihrer historischen Vorbilder wandeln. Auch waren diese nicht so korrekte und nette Spaßvögel, sondern gingen auch über (unbewaffnete bzw. unschuldige) Leichen, wobei sie während den Übefällen zudem vermummt waren und keineswegs ihre Frazen der breiten Öffentlichkeit präsentierten. Auf historische Korrektheit wird heutzutage allerdings kaum mehr Wert gelegt. Mag dies den Spaß etwas mindern, so kann man darüber dennoch hinwegsehen und "American Outlaws" als einfachen Western ansehen.
Alles in allem macht das "American Outlaws" zu einem brauchbaren Western-Spaß mit gut aufgelegten Darstellern und schöner Wild West - Atmosphäre inmitten einer Filmlandschaft die mittlerweile größtenteils aus Actionstreifen mit nerviger Bullet-Time und Rap-Mucke sowie oftmals enttäuschenden Comic-Verfilmungen und lukrativen Schnellschüssen besteht.
"So lasst uns die Pferde satteln und gen Sonnenuntergang reiten.... Yeha!"