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Ende der Siebziger Jahre war Star Wars in aller Munde und die Trittbrettfahrer nicht weit. Besonders die italienische Filmindustrie bediente sich gerne an gängigen Hollywoodtrends und brachte im Zuge der Hysterie um George Lucas’ Weltraummärchen diverse Plagiate hervor, die heute zumeist in Vergessenheit geraten sind. Der bekannteste Vertreter dieser Gattung dürfte Star Crash von Luigi Cozzi sein, der sich immerhin damit rühmen durfte, namhafte Schauspieler wie Christopher Plummer, Joe Spinell, den späteren Serienstar David Hasselhoff und Caroline Munro im schwarzen Lederbikini in seinem Cast begrüßen zu dürfen. Knappe Damenbekleidung ist auch in Alfonso Brescias Star Odyssee vorhanden, aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Konnte man Cozzi immerhin, ohne ihm per se Qualität zu unterstellen, noch Ideenreichtum und Liebe zum Detail nachsagen, ist Brescias Version eine lieblos heruntergekurbelte und vor Einfallslosigkeit geradezu gelähmte Filmruine, die nicht einmal als Trashfilm unterhalten kann.

Die Handlung beginnt wie folgt: Irgendwo im tiefsten Weltall trifft sich eine Gruppe von Planetenherrschern zu einer Auktion, bei der ganze Systeme inklusive wehrloser Bevölkerung unter den Hammer kommen. Darunter auch Mutter Erde, die natürlich ausgerechnet, so wörtlich, vom „brutalsten Kerl des Universums“ erworben wird. Dieser macht sich sogleich auf, die dort ansässige Menschheit zu versklaven, aber eine Gruppe wackerer, von Schnurbärten des Grauens gezeichneter Kämpfer, stellt sich der Bedrohung entgegen.

Zumindest ist das ihr offizielles Vorhaben, denn alles, was nach der ersten Lagebesprechung folgt, ist eine reichlich zusammenhanglose Szenenabfolge, in der unter anderem ein verliebtes Roboterpaar namens Till und Tilly auftauchen, die aussehen wie ein Entenpärchen vom Planeten Zylon, sich dementsprechend watschelnd bewegen und keinerlei Funktion haben außer ihren Mitstreitern mit abstrusem Liebesgesabbel auf die Eier zu gehen.

Dann wäre da noch Roberto Dell'Acqua, der neben anspruchsvollen Rollen in Woodoo, Geisterstadt der Zombies und Zombie 3 (jeweils als Zombie!) vielen von uns als „Soßenteufel“ aus Sie nannten ihn Mücke in Erinnerung geblieben sein dürfte. Diese Rolle breitet der Gute hier über den gesamten Film aus, indem er immer wieder aus dem Bild heraus und wieder hinein hüpft und zudem einen äußerst beweglichen Kampfstil an den Tag legt – was bei den eher behelfsmäßig choreographierten Actionszenen aber nichts heißen mag.

Der Rest ist schnell erzählt: Die Kulissen wirken so futuristisch wie eine 70er Jahre Tapete (wahlweise der Vorgarten des Produzenten, der städtische Schrottplatz oder die Flure des Studios), die Kostüme sind zum Brüllen (der Held mit dem klangvollen Namen Dirk Laramie rennt mit einer Art Spiderman-Sweatshirt rum und ein anderer trägt ein Ganzkörperkondom, das besonders vorteilhaft dessen Plauze betont), den Darstellern ist die Spielfreude genauso ins Gesicht geschrieben wie ihre Schnäuzer (bei einem sogar buchstäblich) und der Film selbst schleppt sich bis zum im Nichts verpuffenden Ende pomadig von Szene zu Szene, als sei die Crew bloß ein paar mal während der Drehpause des neuesten Bud-Spencer-Films zusammengekommen. Von den seltsamen Lichtschwertimitaten (Leuchtstoffröhren?) und den gruseligen Prinz-Adam-Gedächtnisfrisuren der feindlichen Androiden (!) mal ganz zu schweigen.

Selbst für die härtesten Fans des italienischen Trashfilms ist Space Odyssey eine zähe bis nervtötende Angelegenheit, die ohne Unterstützung von Bier und einer Handvoll Gleichgesinnter kaum am Stück zu ertragen ist. An einer Stelle des Films heißt es: „Es ist keine Frau, es ist ein Wesen von enormer Intelligenz“. Lieber Leser, sei auch du intelligent und lass diesen Haufen Zelluloidmüll beim nächsten Stöbern auf der Altfilmdeponie besser links liegen. Achtundachtzig Minuten Lebenszeit lassen sich deutlich sinnvoller nutzen. Tapezieren oder so.

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