Spurensicherung: Mit Pülverchen und Pinsel auf der Jagd nach Fingerabdrücken, Haare auf dem Fußboden suchen, Fußabdrücke nehmen. Klingt ziemlich öde, vor allem wenn man sich das ganze 40 Minuten untätig mit anschauen soll? Ist es aber keineswegs!
CSI Las Vegas gehört mit abstand zu den besten Krimi-Serien des neuen Jahrtausends und auch nach mittlerweile 10 Staffeln ist noch kein Ende in Sicht. Im Gegenteil.
In den USA von Anfang an ein Hit mit Quoten von zeitweise fast 27 Millionen Zuschauern kam die Serie rund ein Jahr nach ihrem Start auch nach Deutschland und landete im Abendprogramm von Vox, wenngleich anfangs noch mit mäßigem Erfolg.
Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein und ich will sie einmal grob umreißen.
Da hätten wir Gilbert „Gil“ Grissom (William Petersen), den Chef der Nachtschicht des Labors für Kriminalistik der Polizei von Las Vegas. Ein kluger Kopf der in so ziemlich jedem Thema bewandert ist, Kakerlaken in Schokolade liebt und gerne neuen Mitarbeitern das Blut absaugt um damit Fälle nachzustellen.
Die ehemalige Stripperin Catherine Willows (Marg Helgenberger) ist Grissoms Stellvertreterin und hat, wie man im späteren Serienverlauf erfährt, nicht nur ein verruchte Vergangenheit sondern auch eine turbulente Familiengeschichte zu bieten.
Warrick Brown (Gary Dourdan) gehört zu den jungen Wilden und hat ein Händchen fürs Glücksspiel das ihn in der ersten Staffel öfters in Schwierigkeiten bringt und er deswegen gleich zu beginn sogar den Tod eines Menschen verschuldet.
Nick Stokes (George Eads) ist sozusagen der „Cowboy“, was im späteren Serienverlauf und vor allem im Tarantino Zweiteiler „Grabesstille“ noch zur Geltung kommt, und entstammt einer gut situierten Familie. Er und Warrick bekriegen sich insbesondere in der ersten Staffel regelrecht mit dem lösen von Fällen, was manchmal schon etwas anstrengend wird. Glücklicherweise entwickeln sich die beiden Charaktere entsprechend weiter und werden etwas reifer.
Sara Sidle (Jorja Fox) ist eine ehemalige Kollegin Grissoms aus San Francisco, die nach dem Tod eines Team-Mitglieds nach Las Vegas versetzt wird. Zu beginn sind die neuen Kollegen ihr gegenüber recht skeptisch, gar feindselig. Doch dies legt sich mit der Zeit und auch sie findet sich ins Team ein.
Jim Brass (Paul Guilfoyle) muss als Chef des Kriminallabors unfreiwillig seinen Hut nehmen, woraufhin Grissom dessen Platz übernimmt. Brass wird ins Morddezernat versetzt und arbeitet fortan mit den Leuten zusammen die zuvor noch für ihn gearbeitet haben. Wie man später erfährt hat er eine Tochter die Drogenabhängig ist und als Prostituierte arbeitet.
Greg Sanders (Eric Szmanda) ist zu beginn der Serie noch einfacher Laborant und bearbeitet Blut-, Speichel- und sonstige Proben die die „richtigen“ Ermittler ihm bringen. Er sehnt sich aber danach wie seine Kollegen auf Außeneinsätze zu gehen und fälle zu untersuchen, anstatt diese nur durch das Mikroskop für andere zu analysieren.
Dr. Albert Robbins (Robert David Hall) ist zu beginn einer von mehreren Gerichtsmedizinern in der Serie, bevor er später diesen Posten alleine inne hat. Seine Aufgabe ist es Beweismittel aus den Opfern zu sichern und die Todesursache festzustellen. Robbins leidet unter einer Gehbehinderung und ist auf Krücken angewiesen. Aber nicht deswegen sondern wegen seines enormen Erfahrungsschatzes bringen ihm alle anderen höchsten Respekt entgegen.
Ein Hinweis hierzu: Robert David Hall ist tatsächlich gehbehindert. Nach einem Autounfall mussten seine beiden Beine amputiert werden, was auch beispielsweise in Starship Troopers zu sehen ist wo er einen Kurzauftritt hat.
Von den Darstellern dürfte William Petersen neben Helgenbauer und Guilfoyle mit der am geläufigste sein. Noch bevor Das Schweigen der Lämmer das Licht der Filmwelt erblickte gab es 1986 Blutmond, welcher später mit Edward Norton als Roter Drache neuverfilmt wurde, in dem der junge Petersen die Hauptrolle des Profilers Will Graham spielt. Es folgten kleinere Rollen in einigen mehr oder weniger bekannteren Filmen: Blaze of Glory, Fear - Wenn Liebe Angst macht, Die 12 Geschworenen, Skulls - Alle Macht der Welt. Aber erst mit 47 Jahren gelang ihm mit CSI im Jahr 2000 der Durchbruch und machte ihn nicht nur über Nacht bekannt sondern zeitweise sogar zum bestbezahlten Seriendarsteller der Welt.
Marg Helgenberger dürften einige aus größeren und kleineren Rollen in Tommyknockers, Bad Boys, Species 1 und 2, Fire Down Below, Erin Brockovich oder den noch etwas jüngeren Mr. Brooks - der Mörder in Dir kennen.
Bereits genannter Paul Guilfoyle gehört zu der art Schauspieler deren Gesicht man zwar kennt aber es nicht einordnen kann oder der Name einem nichts sagt. Eben die, die für gewöhnlich nur ihre drei Sätze aufsagt und dann verschwindet. So mag es zwar sein das er Filme wie Beverly Hills Cop 2, Wall Street, L.A. Confidential, Air Force One, Amistad oder Verhandlungssache in seiner Vita stehen hat und ihn trotzdem kaum einer damit verbinden würde.
Die nennenswerten Auftritt des restlichen Hauptcasts halten sich dagegen stark in grenzen. Gary Dourdan kennt man aus Alien 4, Jorja Fox spielte in mehreren Staffeln von Emergency Room eine Nebenrolle und in Christopher Nolans Memento. Das war es dann aber auch schon.
Alle agieren zwar gut, wirken in den ersten Folgen aber auch noch ein wenig Hölzern. Dies gilt auch für den später herausragenden Petersen. Man merkt einfach dass das Spiel der Darsteller mit Figuren und Kollegen noch dabei ist sich zu bilden.
Die Qualität der einzelnen Episoden ist bereits in Staffel 1 durchweg gut, sowohl darstellerisch als auch erzähltechnisch. Auch sind einige der Fälle mit späteren verwoben oder werden in anderen Staffeln wieder aufgegriffen. So beispielsweise die um den Serienkiller der seine Opfer so umbringt das es aussieht als hätten sie Selbstmord begangen. Er beschäftigt das Team in einigen Episoden der ersten beiden Staffeln.
Wie baut sich so eine CSI-Folge auf:
Es gibt zwei Todesfälle (ob Unfall oder Mord ist am Anfang natürlich noch nicht ersichtlich) und die CSIs teilen sich in zwei Gruppen auf die unabhängig voneinander den fall bearbeiten. Manchmal stellt sich aber auch heraus dass die einzelnen Ereignisse irgendwo eine Verbindung haben.
Es werden Spuren gesichert, später Zeugen befragt wodurch nicht nur Wahrheit und Lüge sondern auch einige ganz neue Aspekte ans Licht kommen
Grundsätzlich ist jede Episode Neu und Spannend, was vor allem an den vielen Wendungen in den Handlungen zugrunde liegt. Opfer werden zu Tätern, Eltern die ihr entführtes Kind beklagen stecken am Ende selbst mit drin oder eindeutige Morde entpuppen sich als eine aberwitzige Anhäufung von Zufällen. Bei letzterem kommt auch die gewisse Note schwarzen Humors, die der Serie ebenfalls etwas ganz eigenes gibt, zu gute.
Ein Highlight das die Serie so außergewöhnlich macht ist die direkte und detaillierte Darstellung. In Zeitlupe verfolgt der Zuschauer beispielsweise eine Pistolenkugel die sich ihren Weg durch die Haut des Opfers bis hinein in dessen Körper bohrt. Dieses Stilmittel gibt dem Zuschauer das mitten-drin-Gefühl. Er braucht sich nicht vorstellen wie die Kugel geflogen sein könnte, es wird ihm gezeigt. Ob es sich letztlich tatsächlich so ereignet hat wird man am Ende gewahr.
Fazit:
Spannende, abwechslungsreiche und außergewöhnliche Geschichten sowie gute Darsteller, wenngleich mit Luft nach oben. Wem diese erste Staffel noch nicht so zusagt, sei es optisch oder darstellerisch, der sollte aber nicht die Flinte ins Korn werfen und mal bei einer späteren Staffel einen Blick riskieren. Die Charaktere und insbesondere der Look der Serie wandeln sich mit der Zeit.
Staffel 1: 8/10