Fesselnder Film Noir Ableger aus den 70ern mit einem mal wieder famosen Jack Nicholson in der Hauptrolle.
Jake Gittes (Jack Nicholson) ist Privatdetektiv im Los Angeles der 30er Jahre. Ein zynischer, desillusionierter Typ, der sein Geld damit verdient, untreuen Ehepartner hinterher zu schnüffeln und seinen Klienten teilweise sogar rät, über derartige Verfehlungen ihrer Angetrauten hinwegzusehen. Hinzu kommt eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und einige lockere Sprüche – damit dürfte Jake Gittes als prägende Figur für diverse Cops und Privatdetektive in Filmen der 80er und 90er gedient haben (Anklänge findet man z.B. klar bei Joe Hallenbeck in „Last Boy Scout“).
Als ihn die Ehefrau des Ingenieurs Hollis Mulwray (Darrell Zwerling) auffordert ihren untreuen Gatten zu ertappen, erscheint das wie ein Routineauftrag. Die Ergebnisse werden in die Presse gebracht, doch Jake stört es nicht, dass der Mann so bloßgestellt wird – bis die erste Hammerwendung des Scripts kommt. Jake muss erfahren, dass seine Auftraggeberin nicht Hollis’ Frau ist, als dessen Gattin Evelyn (Faye Dunaway) aufkreuzt und ihn verklagen will. Ab hier ist klar: Nichts ist mehr sicher, niemandem darf man wirklich trauen.
Hollis wird kurz nach dieser Nachricht tot aufgefunden, die Polizei geht von einem Selbstmord aus. Doch Jake glaubt, dass mehr dahinter steckt und beginnt mit einer Ermittlungen. Bald merkt er, dass er gar nicht falsch liegt, denn man bedroht ihn…
Der von Robert Towne geschriebene „Chinatown“ ist ein echtes Meisterwerk, was die Story angeht. Langsam entdeckt Gittes immer mehr Details, die alle mit dem Fall zu tun haben – um auf eine simple Familientragödie zu stoßen, die fast noch wichtiger ist als die komplexen Betrügereien, die mit dem Tode Mulwrays zu tun haben. Mit langsamem Tempo und unglaublicher Intensität beschreiben Towne und Regisseur Roman Polanski, wie Gittes immer tiefer in einen unglaublichen Sumpf aus Verbrechen und Korruption vorstößt.
Zudem erweist sich „Chinatown“ als zutiefst zynischer Film: Gittes stößt mit seiner Suche nach der Wahrheit bei niemandem auf Gegenliebe, aber auch er selbst arbeitet nur ungern mit der Polizei zusammen. Doch das Finale ist so schwarz und pessimistisch, dass es selbst den abgebrühten Privatschnüffler herunterzieht, der sonst immer mit so souveränen und dreisten Aktionen durchs Leben kam (z.B. sich mit geklauter Visitenkarte Zutritt zum Wasserreservoir verschafft). Das Ende des Films ist ungewöhnlich und bitter, Gittes hat weder so richtig gewonnen noch so richtig verloren, doch leider ist die Situation nicht für alle so glimpflich ausgegangen wie für ihn – und wie schlimm die Sache für andere noch werden könnte, wird angedeutet.
Eine kleine Schwäche hat „Chinatown“ dann leider doch, denn gegen Ende könnten ein paar Details (z.B. was es genau mit dem Aufkauf des Landes auf Rentnernamen auf sich hat) mehr Erklärung vertragen. Da wünscht man sich als Zuschauer mehr Klarheit, auch wenn man die Geschichte so versteht. Doch dieses Manko verblasst gegenüber der komplexen Story und der Atmosphäre, die Polanski schafft: Stets wirkt die Sonne nicht heiter, sondern sengend und bedrohlich, stets wirken selbst die idyllischsten Schauplätze düster, stets macht sich der abgrundtiefe Zynismus des Films bemerkbar. Ein wunderbares Beispiel ist die Szene, in der Gittes Hilfe bei einem Klienten sucht, der ihn freudig begrüßt, während die ertappte untreue Ehefrau eisig daneben steht – mit einem riesigen Veilchen im Gesicht.
Jack Nicholson erbringt eine mal wieder famose Leistung als mit allen Wassern gewaschener Schnüffler, wobei sein Grinsen natürlich wunderbar zu dem selbstbewusst-sarkastischen Charakter passt. Faye Dunaway ist ebenfalls gut, John Huston erbringt eine wunderbar fiese Performance und Polanski hat selbst eine kleine Rolle als Fiesling übernommen.
Sieht man sich „Chinatown“ an, dann wird klar, warum der Film so oft als Beispiel für perfektes Drehbuchschreiben verwendet wird, denn Polanskis Werk kommt fesselnd und zu jeder Sekunde spannend daher. Nur gegen Ende wären ein paar Erklärungen mehr nett gewesen, dann hätte es auch zur absoluten Königsklasse eines „L.A. Confidential“ gereicht.