Review
von Alex Kiensch
Mit edlen Bildern, einer verzwickten Story und grandiosen Darstellern sicherte sich "Chinatown" souverän einen Platz unter den besten Kriminalfilmen aller Zeiten. Dabei klingt alles zunächst altbekannt: Jake (überragend von Jack Nicholson verkörpert) übernimmt den Fall einer Klientin, die ihn auf ihren Mann, den reichen und berühmten Chef der Wasserwerke von L.A., ansetzt. Er soll beweisen, dass ihr Gatte fremdgeht. Jake findet die Beweise und der Fall scheint erledigt - bis plötzlich eine Frau in seinem Büro auftaucht, die behauptet, die wahre Ehefrau des Beschuldigten zu sein, und ein Mord geschieht.
Der Rest ist so verzwickt und genial kombiniert, dass es schon die ganze Konzentration des Zuschauers braucht, um allen Wendungen, Tricks und Raffinessen in der Story folgen zu können. Hier geht es um alles, was einen packenden Krimi ausmacht: Politik, Wirtschaftskriminalität, Eifersucht, Geldgier und schließlich sogar um Inzest. Nicholson spielt ohne große Probleme alle seine Schauspielkollegen an die Wand - so überlegen cool und selbstbewusst, dabei aber stets einen Hauch von Verletzlichkeit durchschimmern lassend, das ist eine Leistung, die wohl nur ihm gelingen kann. Was nicht heißt, dass die anderen Darsteller nicht überzeugen: Faye Dunaway begeistert als lange Zeit undurchsichtige Klientin, deren Zerbrechlichkeit sich erst im schockierenden Finale erweist.
Hinzu kommt die gediegene, über alle Zweifel erhabene Inszenierung: Lange Kamerafahrten durch mehrere Räume oder eine lange Straße hinunter, immer den sich unterhaltenden Figuren hinterher, lassen eine heimtückische Atmosphäre der Ruhe und Routine entstehen, während sich eine Story entwickelt, in der es bald um Leben und Tod geht. Zugegebenermaßen hat es Regisseur Roman Polanski mit der Ruhe vielleicht etwas übertrieben - es dauert allzu lange, bis die Geschichte an Geschwindigkeit zunimmt. Dann allerdings treibt sie mit komplizierten Verwicklungen, mysteriösen Spuren, Bösewichtern von allen Seiten, deren Ziele lange nicht zu durchschauen sind, und der berühmten zerschlitzten Nase von Nicholson die Spannung in die Höhe, bis Polanski schließlich in einem bitteren Finale den Zuschauer daran erinnert, wie dreckig und ungerecht es in der Realität zugehen kann.
Dieser Mix aus klassischem Film noir und bösartig sarkastischem Thriller (man denke nur an die Frau des anfänglichen Klienten, der Jake ihre Affären nachgewiesen hatte, und die gegen Ende des Films mit zerschlagenem und verheultem Gesicht nur kurz durchs Bild huscht) macht "Chinatown" zu einem unvergesslichen Klassiker für jeden Krimi-Fan.