Es erscheint fast so, als würde Puppen-Fanatiker Charles Band ein Remake zu „Natural Born Killers“ dahinklatschen und weil er´s nicht ohne kann, eine Mörderpuppe mit unterbringen.
Regie führte allerdings Mark Jones und auch der hat mit der „Leprechaun“ – Reihe bereits ein wenig Erfahrung in Sachen Puppen sammeln können.
Jene Puppe Dummy sorgt schließlich für die lichten Momente, während der restliche Plot lediglich darum bemüht ist, ein zahnloses Plagiat zu Oliver Stones Road Movie zu erstellen.
Angelina, ihr stummer Bruder Norbert und Bauchrednerpuppe Dummy sind auf der Flucht vor der Polizei und wollen eigentlich in Vegas Karriere machen. Doch auf der Strecke kreuzen zahlreiche Opfer ihren Weg, bis eine junge Frau entführt wird, die für Nachwuchs des „magischen“ Geschwisterpaares sorgen soll…
Wenn es das alles nicht schon in sehr ähnlicher Form gäbe, könnte man direkt von einer tollen Idee sprechen, doch seit „Bonnie & Clyde“ sind bereits zu viele Mörderpaare über die Highways getourt.
Hier erscheint das alles recht konzeptlos, wenn ab und an Schwarzweiß-Passagen eingebunden werden, die Kamera zwar variabel arbeitet, aber im Endeffekt doch nur imitiert, was Oliver Stone mit seiner Crew bereits vorgemacht hat.
Wenn da eben nicht die Puppe an Bord wäre, die für einige Schmunzler sorgt.
Die Bewegungen sind flüssig, Augenbrauen, rollende Augäpfel und ein Mund, der auch mal eine Zunge offen legt, sorgen für eine Mimik, die Dummy durchaus einen Charakter verleit, zumal seine Synchro hervorragend arbeitet.
Dummy ist gewissermaßen das ausführende Organ der Intrigen, denn einerseits will er sich von der dominanten Angelina lösen und mit Norbert allein weiter reisen, andererseits unterliegt er stets Angelinas Wachsamkeit und riskiert somit Kontakt mit Streichhölzern.
Meistens jedoch endet der Versuch einer Flucht für Dummy mit einem hohen Bogen im Dreck, während Norbert beharrlich schweigsam zu keiner eigenständigen Tat fähig scheint.
Und so killt man sich von einem Fahrzeug-Besitzer zum nächsten, muss auch mal einen kontrollierenden Cop beseitigen und wenn der Zimmer-Service der Absteige ungelegen aufkreuzt, während sich die Entführte in der Abstellkammer bemerkbar macht…, nun ja.
Wirklich spannend gerät das Treiben nicht, denn es wird schnell deutlich, dass wirklich jeder, der Angelinas Weg kreuzt, in nur wenigen Momenten ins Gras beißen wird. Oder eben Dummy übernimmt diesen Job, was in entsprechenden Szenen für wesentlich mehr Zynismus sorgt, etwa als ihn der Rückstoß eines Gewehrschusses förmlich aus dem Sichtfeld der Kamera schleudert.
Angelina hingegen, sauber verkörpert von Paydin LoPachin, setzt sich mit ihrer verruchten Art immer wieder durch, lässt einen Blowjob mal eben so von Dummy übernehmen (wobei man sogleich ahnt, wie der endet) und ist auch inzestuösen Kontakten zu Norbert nicht abgeneigt. Zuweilen übertreibt die Dialogregie es ein wenig mit den obszönen Auswüchsen der an sich unauffälligen Blondine. Aber da Norbert nicht spricht und man bis zuletzt nicht genau weiß, ob Dummy nun ein eigenständiges Wesen ist oder ihm doch jemand seine Stimme verleit, dominiert sie die meisten Interaktionen.
Ein kleiner Plot Twist vermag dieses gegen Finale noch aufzulösen, inklusive eines deutlich vorhersehbaren Abschlussgags.
Ein etwas zwiespältiges Bild liefert letztlich der Gesamteindruck: Inszenatorisch und darstellerisch absolut brauchbar, jedoch lässt die Anzahl der expliziten Gewaltszenen arg zu wünschen übrig (lediglich zwei leicht verstümmelte Opfer), als auch die Eigenständigkeit des Plots, der trotz intrigierender Puppe zwischen den Fronten, unter dem Eindruck einer deutlichen Kopie leidet.
Wer „Natural Born Killers“ noch nicht gesehen hat, auf Tiefgang während eines mörderischen Road-Movies verzichten kann und an Chucky und seinen Nachfolgern Gefallen findet, könnte einen zurückhaltenden Blick riskieren.
5,5 von 10