Ein psychisch kaputtes Geschwisterpaar und ihre sprechende Bauchrednerpuppe ziehen durchs Land, um in Las Vegas groß rauszukommen – und unterwegs killen sie alles, was ihnen vor die Flinte läuft. So in etwa kann man die „Story“ dieses billig produzierten Reißers auf den Spuren von „Natural Born Killers“ und „The Devil's Rejects“ zusammenfassen.
Nur dass dieses Machwerk von solch großen Vorbildern natürlich Lichtjahre entfernt bleibt. Schon das Nichts von Handlung, das hier verfolgt wird, stört gewaltig: Die Geschichte entbehrt sämtlicher stringenter Ziele, auf die sie hinauslaufen könnte, und auch die Hintergründe bleiben trotz der anfangs eilig aufgereihten Backgroundstory der gestörten Geschwister hauchdünn und völlig belanglos. Zentrale Wendungen wie etwa die Entscheidung, eine Frau zu entführen, um sie als Brutkasten für den Nachwuchs zu missbrauchen, werden so beiläufig gefällt, dass man gar nicht glaubt, dass sich daraus ein wichtiger Handlungsstrang ergeben könnte – bis man merkt, dass da sonst nichts mehr kommt. Auch die endlose Reihe an Nebenfiguren, die nur eingeführt werden, um innerhalb kürzester Zeit ermordet zu werden, nervt bald nur noch, zumal dieses repetitive Moment jegliche echte Dramaturgie im Keim erstickt.
Dazu kommen ebenso uninteressante wie unsympathische Charaktere. Dass die Serienkiller-Schwester als Mädchen vom Onkel missbraucht wurde, macht sie noch lange nicht zur Antiheldin, und die Puppe mit ihrem grausigen Eigenleben und ihren permanenten misogynen und völlig niveaulosen Sprüchen eignet sich ebenfalls kaum zur Identifikation. Einzig Rocky Marquette als stummer Bruder kann mitunter unterhalten, überzeugt er doch mit übertriebener, aber intensiver und skurriler Mimik und herrlich bescheuerten Tanzbewegungen. Ihm nimmt man sein Außenseitertum in jedem Moment ab, während seine Schwester einfach nur vulgär und psychopathisch veranlagt ist. Selbst die junge Frau, die sie entführen, bekommt nicht einen einzigen Satz Hintergrundgeschichte, wodurch sie völlig austauschbar und belanglos bleibt – ein Todesstoß für jedes Final Girl.
Überhaupt scheitert „Triloquist“ an jedem Versuch, seinen Vorbildern nachzueifern. Wo Rob Zombie seine mordende Family mit garstigem Humor ins Groteske verdrehte, bleiben hier die Sprüche und Handlungen nur zynisch, menschenverachtend und geschmacklos. Und wo Oliver Stone seine Story für einen bitterbösen Kommentar zu gesellschaftlicher Doppelmoral nutzte, geht hier keinerlei Interesse über plumpeste Gewaltexzesse hinaus – die dann auch noch aufgrund fehlenden Budgets gar nicht richtig gezeigt werden. Weder Horror- noch Splatterfans kommen hier irgendwie auf ihre Kosten, und das, obwohl die Figuren sich wirklich alle Mühe geben, geschmacklos-gewalttätig und sadistisch zu sein. Da hilft nicht einmal mehr das nette Detail, dass diesmal die Puppe gar nicht das Zentrum der dämonischen Mächte ist, sondern selbst Angst vor der völlig durchgeknallten Schwester hat.
Neben der billigen Inszenierung, die immer wieder mit peinlich miesen Kulissen (die teilweise sogar mehrfach verwendet werden!) und schlechter Ausstattung auffällt, hapert es auch vor allem im Schlussteil an absurd großen Logiklücken – vom Auftauchen der Figuren an Orten, an die sie unmöglich gekommen sein können, bis zum Platzieren einer Leiche, die meilenweit hinter ihnen zurückgelassen wurde. Und das melodramatisch-kitschige Finale kann dann vor lauter Dümmlichkeit wirklich gar nichts mehr reißen.
„Triloquist“ wäre gern ein böse-brutaler Gewaltschocker, ist aber nur ein zynisches, krudes, billiges Machwerk, obendrein misogyn und nah an der Grenze zur Gewaltverherrlichung. Nicht einmal hartgesottene Genre-Fans dürften hier irgendetwas wirklich Nennenswertes entdecken.