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Einen amüsanten Film zu drehen, der per se schon mal nicht die Intelligenz seines Publikums beleidigt oder zumindest unterläuft, ist eine Aufgabe, der ein moderner Regisseur und das dazugehörige Drehbuch erst einmal bewältigen müssen.
Doch diese wesentliche Aufgabe hat John Dahl – der mit „Joyride“ einen sehr atmosphärischen Reißer gedreht hat, jedoch zuletzt das Kriegsdrama „The Great Raid aufwändig versenkte – bezwungen und schon allein dafür sollte man ihm dankbar sein.

Die Geschichte von dem alkoholsüchtigen Killer der polnischen Mafia im schneeverwehten Buffalo, der zwecks Kurierung und Therapie nach San Francisco zu den Anonymen Alkoholikern abgeordnet wird und sich als Bestatter und Leichenschminker bewähren muß, um die Liebe seines Lebens zu finden, ist eine funkelnde kleine Idee, geboren aus dem staubtrockensten Humor, den man sich wünschen kann.

Eine halbwegs realistische Idee und ein paar absurde Seitenpfade, das genügt offenbar, um namhafte Darsteller für so eine kleine Produktion zu begeistern, denn „You kill me“ ist außergewöhnlich prominent besetzt. Mit „sicheren Banken“ wie Dennis Farina oder Philip Baker Hall in Nebenrollen, der praktischen Projektionsfläche Luke Wilson in einem Nebenpart und Tea Leoni in einer endlich mal auffälligeren Rolle, bietet dieses Projekt ausgerechnet dem zuletzt so vielgescholtenen und auf B-Niveau abgesunkenen Sir Ben Kingsley endlich die Gelegenheit, mal wieder zu brillieren.
Kingley, dem Titel und Oscar sichtlich zu Kopf gestiegen waren, scheint sich wieder zu fangen (was nach Filmen wie „Thunderbirds“, „Bloodrayne“, „A Sound of Thunder“, „Suspect Zero“ und „Die letzte Legion“ auch dringend notwendig war) und beweist sich nicht nur darin, daß mit kompletter Zurückhaltung und eiserner Miene den Humor aus dem Todernst seiner Figur destililiert, sondern konterkariert die Figur immer so behutsam, daß er sein Image damit nie persifliert.
Der unzugängliche Frank wird ohne wirkliches Zutun zur Sympathiefigur, weil er nie versucht, sich seine Existenz zu vergeben und sein Selbst zu entschuldigen, maximal arbeitet er an seinem Suchtverhalten, an dem aber richtig.

Viel weiter als die Exposition einer eher fernsehverdächtigen Idee (allerdings hochklassiges modernes US-TV) geht Dahl dann aber auch nicht. Sein Film ruht praktisch in sich und führt seinen Gedanken zuende, weist aber nicht darüber hinaus oder führt irgendwelche weiterführenden Botschaften mit sich. Man ist im Wesentlichen damit beschäftigt, die originelle Idee (etwa wenn der Killer im AA-Meeting zugibt, ein Killer zu sein – und die Anwesenden das in einer Mischung aus Aktzeptanz und Ignoranz einfach so hinnehmen) über die 90 Minuten aufblühen zu lassen.
So wirkt „You kill me“ dann am Ende auch eher wie ein Pilotfilm oder eine spezielle Episode aus einer größeren Serie und gibt dem Zuschauer halbwegs die Gelegenheit zu Identifikation, bleibt aber stets nur dem Unterhaltungsanspruch verpflichtet und nicht mehr. Skuril, schräg, liebevoll – das alles gilt unbesehen und ist am Ende dann doch nur ein Konglomerat aus guten Ideen derer von „Sopranos six feet under“.
Das muß nicht schlecht sein und ist es auch nicht – bedingt dem Publikum allerdings den reinen Erlebnisfaktor ab, der (immerhin) einmal nicht auf Blutbädern oder spektakulärer Action samt FX basiert, sondern einfach aus einem kleinen Film, den man simpelst mögen kann. Nicht mehr und nicht weniger – Genießen und Schluß! (7/10)

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