Für ein wenig Atmosphäre sollte man dankbar sein, bei all dem Schrott, der unsere Videotheken heutzutage überflutet. "Kolobos" beweist, daß ein wenig Sorgfalt mehr bringen kann, als superteure oder obereklige Schauwerte.
Hierbei muß allerdings gleich eingeschränkt werden, daß die Story dieses kleinen Geheimtips auch nicht das Wahre ist. Wieder einmal muß das 10-kleine-Negerlein-Prinzip herhalten, daß schon beträchtlich in den Angeln quietscht, um diese mörderische Variante von Big Brother in Gang zu bringen, eingefaßt durch eine Rahmenhandlung, die uns wieder mal zu Rückblicken verurteilt.
Dafür haben wir hier auch nur fünf bzw. sechs potentielle Opfer, die sich auf ein dubioses Angebot hin für ein Videoexperiment in einem weiträumigen Haus einrichten. Die Auswahl ist schön representativ quer durch den Garten, so mit Quietschgirlie, Spaßmacher, gewillter Actrice, Supertheoretiker und einer jungen Zeichnerin, die sich ihr Handgelenkt schon öfter mal mit Rasierklingen verziert hat.
Dann wird ordentlich auf mysteriös gemacht, die liebe Zeichnerin packt gar beunruhigende Bildchen mit ein, das Haus ist supermodern, auf Fernsehern erscheint ein ausgeflippter Selbstverstümmler, der das Wörtchen "Kolobos" murmelt und dann gibt's auch noch Visionen vom Mann ohne Gesicht.
So weit, so schön. Bis dato funktioniert das alles auch noch, doch dann schließen sich im Big Brotherhaus Türen und Fenster, nachdem Teilnehmer Nr.1 anstandslos in der Küche zersäbelt wird. Und so hackt man sich durch...
Auch weiterhin läuft die Manipulationspalette mit den verwirrenden Visionen, Videoeinblendungen, dem wechselnden Licht und der ausweglosen Situation wunderbar, wofür man dankbar ist, denn inhaltlich wird das Listenabschlachten jetzt nämlich eintönig und wenig originell, da man schon weiß, wer hier letztendlich rauskommt. Das ist geschickt eingefädelt, nur läßt es einen ansonsten intellektuell verhungern. Keiner der Eingeschlossenen gönnt sich mal eine Minute, um vielleicht zu analysieren, was hier vorgehen könnte. Stattdessen Breitwandhektik mit ein paar schönen Effekten, zusätzlich heruntergezogen durch eine extrem schwache Synchro, die schon bald furchtbar nervt.
Springen wir doch gleich zum Ende, daß uns einen flotten Anti-Höhepunkt der Güteklasse eins liefert, denn so still ist wohl selten ein Slasher aus dem Leben geschieden. Der Schlußgag ist nett, jedoch ist er schon lange vorher klar, falls man ein wenig mitdenkt, anstatt sich vom Terror mitreißen zu lassen. Die Erklärung für die Vorgänge und das Wörtchen "Kolobos" wird dann noch mitgeliefert und bietet ein wenig Gedankenfutter, was hier wirklich abgeht, beläßt es jedoch bei dieser Andeutung. Gleichzeitig stellt sie die Theorie auf, daß das alles nur ein Traum einer Wahnsinnigen sein könnte.
Was definitiv nicht geklärt wird, sind Sinn und Zweck der ganzen Veranstaltung und die Umsetzung durch eine Person, die dazu nicht imstande sein dürfte. Falls die Traumidee richtig sein sollte, wären auch diverse Ungereimtheiten in punkto der Morde besser deutbar, denn so hüllt sich der Film über alle Details sehr in Schweigen. Als Schlußgag geht der ganze Rummel von vorne los, was die Stimmung nicht gerade hebt, da die Idee arg abgenudelt ist.
Trotzdem ein recht ordentlicher kleiner Thriller, der zum Blut auch noch ein Rätselspielchen bietet, wenn er auch nicht ausreichend auflöst, was in diesem Zusammenhang die Qualität bedeutend abschwächt. (5/10)