Review

Der glattgebügelte, gnadenlos überhypte Hochglanz-Aufguss von Wes Cravens mittelprächtiger Mutantengranate „The hills have eyes“, feuchter Traum aller Gore-Kiddies und frustrierten Mainstreamer geht in die zweite Runde. Als Hampelmann in den Mühlen der Fox fungierte dieses Mal der deutsche Videoclip-Regisseur Martin Weisz, der mit seiner hierzulande bislang unveröffentlichten, reißerischen Ausbeutung eines allseits bekannten Medienskandals, „Rohtenburg“ bereits einen zweifelhaften Ruf erlangte der den Amis sicherlich gerade gut genug war um ihm die Lizenz zum Splattern zu erteilen. Unter dem Vorschlaghammer des ungnädigen amerikanischen Produktionssystems vollbringt Weisz tatsächlich eine bodenlose „Leistung“, die Alexandre Ajas desaströses US-Debut eindrucksvoll unterbietet.

Sämtliche satirischen Heucheleien, die Aja ebenso wie Eli Roth in seinen nicht minder qualitätsfreien „Hostel“ einbrachte, wohl um der Zensur und den Kritikern Sand in die Augen zu streuen sind hier vollkommen der spekulativen Absicht gewichen. „The Hills have eyes II“ versucht gar nicht erst, sich moralisch oder psychologisch zu rechtfertigen sondern präsentiert sich als grenzenlos primitives Brachialgewitter aus Kunstblut und Einfallslosigkeit. Statt einer unbescholtenen Spießerfamilie wird „zur Abwechslung“ eine militärische Sondereinheit in die liebäugelnde Hügellandschaft abgestellt die einige dort verschwundene Forscher suchen soll. Die sind natürlich schon längst verhackstückt worden und so stehen die Fleischwölfe der knubbeligen Mutanten schon wieder für neues Futter offen.
Es wäre wünschenswert das Martin Weisz’ unfassbar stupides Machwerk das erste Remake, dem aus unerfindlichen Gründen (oder sollte die rote Suppe tatsächlich so hoch geschwappt sein?) bis zum Erbrechen gehuldigt wurde, bloßstellt bis auf seine morschen Knochen. Doch wie heißt es leider so schön? „Tausende von Lemmingen können nicht irren!“

„The hills have eyes II“ zeigt auf, wie katastrophal eine amerikanische Großproduktion aussieht die alle Elemente der blutrünstigen Exploitation zusammenwirft ohne nicht wenigstens den Versuch zu unternehmen, das ganze obligatorische Beiwerk entschuldigend drum herum zu kleistern. Wenn ein billiges Schundprodukt sich auf diese Reduktion verlässt endet das zumeist in extremem Trash den man entweder mit einer Handbewegung links liegen lässt oder spöttisch-amüsiert belächelt. Im chicen Umhang einer Mainstream-Produktion für die hechelnde Masse wirkt dies jedoch nur unendlich traurig und enervierend. „The Hills have eyes II“ ist das erbärmlichste Stück Genre-Kino das seit langem das Licht deutscher Kinoprojektoren erblicken durfte, nicht einmal Flundern wie „Hostel“, das Spielzeug des inkompetenten Eli Roth oder die stumpfsinnig auf sadistischen Kabinettstückchen mauernden „Saws“ können Weizs’ Streifen in Sachen filmischer Armut das Wasser reichen.

Durch die erste halbe Stunde rettet man sich bequem und banal durch diverse lautstarke Ambossschläge auf der Tonspur, ohne die der Film mich sicherlich spätestens zur Halbzeit in einen erlösenden Dämmerschlaf entlassen hätte. Zotige Dialoge und orchestrales Rumoren, das vermutlich so etwas wie ein Gefühl der Unsicherheit und Bedrohung signalisieren soll strecken den Rest. Die Figuren sind wieder einmal (absichtlich?!) eine Ausgeburt an Unsympathie und –glaubwürdigkeit so dass man sie schon bald herzlichst zum Teufel wünscht- der sie selbstredend schon mit Axt und Fleischerbeil erwartet. Doch unbarmherzig zwingt uns der gute Martin dazu, über 90 Minuten ihren ratlosen Aktionen zu folgen und versucht dreisterweise auch noch, sie durch einige jämmerlich simulierte Emotionen ein wenig näher an uns heranzutragen. Doch zwischen all dem Gekreisch, den schnellen Schnitten, dröhnenden Schocks, Blutfontänen und dem ständigen Gekraksel in den Felsen ist einfach kein Platz für Humanitäten. „The Hills have eyes 2“ ist so unmenschlich und kaltschnäuzig dass einem der kalte Fußschweiß ausbricht. Würde er dabei aber zumindest solide, hirnlose Unterhaltung bieten, es wäre alles halb so schlimm. Auch McKenzie ist in der Lage, sich gelegentlich vom größten und plakativsten Nonsens anspruchslos zudröhnen zu lassen. Doch wenn, dann bitte mit Stil und ehrlich.

In der Regel bin ich stets darum bemüht, jedem Übel etwas positives abzugewinnen. Doch das ist hier beinahe unmöglich. „The Hills have eyes“ versagt auf nahezu allen Ebenen, nicht einmal als Trash (den hatte ich mir eigentlich erhofft) funktioniert er. Der talentierte Jungdarsteller Michael McMillian hat nach der charmanten Coming-out-Komödie „Dorian Blues“ nunmehr den Sprung ins Mainstream-Kino geschafft. Mit einer Rolle zu der ich ihm nicht gerade gratulieren würde. Schauspielerisch unauffällig ist aber auch der restliche Cast, besonders unerquicklich sticht allerdings neben zwei pummelig-vorlauten Militärs vor allem heraus das die Amis anscheinend in einem reuigen Anfall von political correctness meinen, jeden schimpfenden Drill Sergeant mit einem anabolischen Farbigen besetzen zu müssen. Eines der interessantesten und zugleich nervigsten Klischees, das sich im Hollywood-Kino der letzten Jahre neu etabliert hat. Die musikalische Untermalung ist vollkommen farblos und löst sich immer dann besonders peinlich von den reizlosen Bildern (auf die gängige und zu erwartende Videoclip-Ästhetik wird immerhin verzichtet) wenn sie versucht, Tragik oder Angst zu vermitteln. Die reizvolle Location nutzt sich schnell ab, einige halbherzige, zynische Witze wie etwa der Mutant, der einen der Soldaten in den Abgrund stürzt und ihm mit dem eigenen abgetrennten Arm hinterher winkt stoßen eher ab und legen die faulig stinkende Rechnung der Produzenten noch weiter frei. Da man sich offenbar im Vergleich zu Teil eins in allen Belangen steigern wollte hat man der unangenehmen Vergewaltigungsszene aus selbigem noch einen draufgesetzt und darf nun sicherlich auf säuerliche Reaktionen bei der MPAA spekulieren, darüber hinaus angesichts der ausufernden Gedärm- und Hirnmatschereien die den Gorehound mit Sicherheit in den siebten Himmel katapultieren werden auch einmal mehr über die Gnade der FSK wundern, die dem Film- Korruption darf vermutet werden- in ungekürzter Fassung Keine Jugendfreigabe verliehen hat.

„The Hills have eyes II“ verkörpert alles was mich am Gros amerikanischer Mainstream-Horrorfilme abstößt: Er ist einfallslos, effekthascherisch, inhuman, ästhetisch uninteressant, pathetisch, grenzenlos dumm und frei von Atmosphäre. Im seelenlosen Gewitter platter Effekte und in der beliebigen Aneinanderreihung standardisierter Situationen geht der Zuschauer vollkommen unter. Mit gierig glänzenden Augen werden die Produzenten ein weiteres Mal die Kasse klingeln hören und sich über das primitive Publikum, das ihrer blutrünstigen, nicht minder primitiven Ausgeburt erneut auf den Leim gegangen ist, ins Fäustchen lachen. Ein Tiefpunkt ist erreicht, einer der beinahe vergessen lässt was für außergewöhnliche Perlen das Genre hervorbringen kann und was für fähige Filmemacher auf dieser Welt leben und lebten, die erkannt haben, das wahres Grauen und beinharter Terror nicht aus der Konservenbüchse entnommen werden können.

Rumms-Krach-Kreisch-Zisch-Klack-Glubsch-Schrei-Kracks-Splitter-Bumm -Ratsch-Zack-Schluck-Klick-Ratter-Quietsch-Stöhn-Kling-Matsch-Schleif-Rumms

Nanu? Hat da in der Reihe hinter mir etwa jemand gerülpst?

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