Von den Umständen her ist es natürlich reichlich einfallslos, einem Remake noch ein Sequel hinterher zu schieben. Jedoch gönnt man dieser Tage einem Terrorfilm erhöhte Aufmerksamkeit, immerhin konnte auch Alexandre Aja beim Remake des Wes Craven Stoffes mit den wesentlichen Genrezutaten punkten.
Wie ideenlos Martin Weisz hingegen seinen Nachschlag gestaltet, zeigt sich vor allem dadurch, dass man sich etwa zwei Stunden nach Abspann kaum noch an Einzelheiten seines Werkes erinnern kann.
Allenfalls die erste Einstellung, die im Folgenden nicht ansatzweise dieses Gefühl von Beklemmung und intensiver Grobschlächtigkeit fortführen kann, bleibt im Gedächtnis.
Ein Mutant hilft auf eine recht unkonventionelle und wenig einfühlsame Weise bei der Entbindung seines Mutantenbabys und erschlägt anschließend die Mutter.
Kurz darauf fallen den Unholden in der Wüste einige Wissenschaftler zum Opfer. Genau hierher verschlägt es wenig später eine Truppe der Nationalgarde, - weitere potentielle Opfer.
Nach der amerikanischen Durchschnittsfamilie folgt also das Militär. Nur leider hat man der Truppe eine oberflächliche Soldatenschablone aufgedrückt, es findet sich absolut kein Sympathieträger und auch niemand, mit dem man ansatzweise warm werden könnte.
Als Survivor fungiert ausgerechnet ein pazifistisch eingestelltes Weichei, das auf den Namen Private Napoleon hört. An seiner Seite noch eine Frau ohne jegliche Persönlichkeit und eine weitere, von der man lediglich erfährt, dass sie daheim ein Kind hat. Dazu gesellen sich der schwarze Sergeant, ein Querulant und ein paar Gesichtslose. Ein Mitfiebern mit den Figuren wird einem von Beginn an unmöglich gemacht.
Zumal lange Zeit kaum etwas Abwechslungsreiches geschieht: Soldaten krakseln durch die Felslandschaft, während zwei das Funkgerät (und das Klo) hüten. Von den Mutanten ist kaum etwas zu sehen, nur ein Überlebender zeigt sich auf unappetitliche Weise. Dazwischen immer wieder Versuche, mit dem Funkgerät vernünftigen Empfang zu erhalten.
Nachdem man festgestellt hat, dass von den Deformierten eine tödliche Bedrohung ausgeht, seilt man sich ab, klettert auch mal ohne Seil, betritt eine Mine, rutscht durch Schächte und es bietet sich ein ähnliches Geschehen wie in „The Cave“, nur nicht so unterhaltsam.
Später trifft man noch auf einen Überlebenden, der die Truppe darüber aufklärt, dass Frauen den Mutanten lediglich als Gebärmaschinen dienen und prompt wird auch eine entführt.
Im letzten Drittel folgen dann noch ein paar Ballereinen im unterirdischen Terrain, eine Explosion und letztendlich auch einige direkte Konfrontationen mit den Monstertypen, doch das kommt alles ein wenig zu spät.
Zwar zieht hier das Tempo deutlich an, aber ein Mitfiebern bleibt wegen fehlender Charaktere fast völlig aus.
Zudem wirken die Mutanten kaum Furcht erregend. Dafür gebärden sie sich zu übertrieben, grunzen viel und stammeln lediglich dummes Zeug. Die Gestaltung ihrer Masken ist zwar okay, würde im Zusammenhang mit ihren Aktionen okayer wirken, wenn man auf billige CGI verzichtet hätte. Immerhin sorgen sie für ein paar gelungene Gewalteffekte, vom abgetrennten Arm bis zum Pulen am offenen Schädel, Draufschlagen mit Stange und Zunge abbeißen.
Aber die blutigen Szenen lassen völlig kalt, selbst eine Vergewaltigung verschafft nicht das notwendige Entsetzen beim Betrachter. Oberflächlichkeit und Distanz stehen über allem.
Nicht genug, dass einem die Soldaten so austauschbar präsentiert werden, die Mutanten folgen auch keiner weiteren Motivation, als sich zu vermehren und alle anderen auszuschalten. Also das herkömmliche Prinzip eines Teenie Slashers, hier ist es halt ein ideenloser Soldaten Slasher.
Vielmehr beschleicht einen der Eindruck, als wolle man mit dem Höhlentreiben ein wenig an den Erfolg von „Descent“ anknüpfen, was leider ziemlich daneben gerät.
Von den unbekannten Darstellern weiß niemand zu beeindrucken, atmosphärisch geht die Ausstattung der Kulissen gegen Null und vor allem wird einem inhaltlich kaum Abwechslung geboten, was eben dazu führt, diesen Film recht schnell komplett zu vergessen.
Intensives Terrorkino wird einem zumindest nicht geboten, sondern eher ein austauschbarer Actioner mit brauchbaren Gewalteinlagen.
Insgesamt aber zu wenig, um den Genrefreund nachhaltig zu beeindrucken.
Knapp
4 von 10