Jetzt wirds grün! Wer kennt sie nicht, diese grünen Schildkröten, die Ende der 80er, Anfang der 90er bravourös die Welt vor allerlei Schurken gerettet haben. Die Turtles, bestehend aus Leonardo, Raphael, Michelangelo und Donatello, waren quasi die Vorgänger der späteren "Power Rangers"-Welle und somit mitunter DIE Helden eines jeden Kindes (bzw. Jungen), zwischen 8 und 14 Jahren. Nun, im Jahre 2007 unternimmt Regisseur Kevin Munroe den Versuch, die schon fast vergessenen Figuren einem modernen Publikum wieder zugängig zu machen, in dem er die Turtles nun nicht mehr gezeichnet oder als Puppen auf die Leinwand bringt, sondern mit modernster Animationstechnik. Ob ihm das dabei wirklich gelingen mag ist schwierig zu sagen, denn im Grunde kann die heutige Jugend wohl kaum noch einen Bezug zu den Viechern aufstellen. Aber auch für alte Turtles-Fans ist der Streifen nicht so ganz das Gelbe vom Ei, wenn auch durchaus ein nostalgischer Flashback an die Kindheit.
Und dabei ist im Grunde bei den Turtles so gut wie alles beim alten geblieben. Das fängt schon bei der "Story" an. Unsere Turtel-Jungs gehen hier zu Anfang getrennte Wege, bzw. Raphael sondert sich von seinen drei Brüdern ab, doch schon bald soll sie ein Auftrag wieder zusammenführen. Denn ein unsterblicher General will, zusammen mit 4 versteinerten Generälen, sowie 13 abscheulichen Monstern, die Weltherrschaft an sich reisen. Und nur zusammen schaffen es die T.M.N.T, die Welt vor diesem Unheil zu retten. Wesentlich mehr Story gibt es dann schon gar nicht mehr und es kommt einem bald so vor, dass hier der Inhalt für 20 Serienminuten auf gut 90 Filmminuten aufgeblasen wurde. Alles geht soweit harmlos zu, eine gute Message ist auch vorhanden und natürlich Action, Action, Action.
Denn was wäre ein Turtles-Film ohne Action? Und in diesem Punkt sind die T.M.N.T. auch voll und ganz in ihrem Element. Es kracht knallt und bumst nur so an allen Ecken und ein Fight wechselt sich mit dem Nächsten ab. Flotte Schnitte verhindern dabei zwar das es allzu brutal vorangeht, doch für die ganz Kleinen ist das Action-Spektakel definitiv nicht geeignet. Unsere Schildkröten haben es nach all den Jahren immer noch drauf, sich wie Grazien der Ninjas durch die Gegend zu bewegen und somit muss natürlich wirklich ein Bösewicht nach dem anderen dran glauben, wenn er der kampflustigen Truppe begegnet. Denn wie schon gesagt, am Ende wird natürlich alles gut.
Ein weiterer recht positiver Punkt ist zudem die Charakterzeichnung der Schildkröten und damit meine ich dies im Vergleich zu den Vorgängern. Denn egal wenn man von den Vieren auch nimmt, alle verhalten sich wirklich so, wie man es schon aus den Real- und Zeichentrickfilmen von ihnen kennt. Kenner werden sich sofort in ihre Helden der Kindheit zurückversetzen können und mitunter einen nostalgischen Flashback nach dem Anderen haben. Alle anderen Figuren verpuffen daneben allerdings zu Staub, sieht man vielleicht noch von Master Splinter ab, der ebenfalls noch so agiert, wie man es von früher her kennt, auch wenn er sich in seinem Aussehen leicht verändert hat. Ansonsten ist aber leider wirklich Ebbe geboten, sprich die Bösewichte sind allesamt nicht der Rede wert (auch wenn einer von ihnen eine schön bedrohliche Stimme hat;)), Reporterin April bleibt ebenfalls absolut blass und der gute Casey wird irgendwie endgültig zur Witzfigur. Da hätte man dann, selbst für einen Turtle-Film, doch etwas mehr Feingefühl bringen können.
Zumal das ganze Treiben auch leider ne ganze Spur zur Ernst geblieben ist. Wer die Turtle-Filme kennt der weiß, dass Spaß und Action eigentlich die zwei wesentlichen Faktoren der Turtle-Film sind, die unbedingt gebraucht werden, doch hier ist es eigentlich nur die Action, die wirklich überzeugen kann. In Sachen Humor muss man schon ein wenig mit der Lupe suchen, um die wirklichen Brüller ausmachen zu können. Zwar sind diese durchaus vorhanden, man denke nur an die herrliche "Gilmore Girls"-Verarsche (sowieso können Filmfreaks hier mitunter ein Filmzitat nach dem Anderen entdecken) oder auch die clevere Selbstverarsche mit dem dezenten Hinweis auf eine mögliche Fortsetzung, doch meist geht es hier bierernst zu und das passt dann einfach doch nicht so ganz, zu den sonst so amüsanten Vorgängern.
Und auch sonst hat man manchmal das Gefühl, dass die Macher mit Absicht den Film auf diese stocksteife, ernste Schiene gedrückt haben, denn auch die Animationen lassen kaum Platz für wirklichen Spaß. Von Anfang bis Ende spielt der Film im Dunkeln, keine Tageslicht erhält die 90 Minuten Film. Das mag größeren Zuschauern durchaus zusagen, auch mir persönlich hat dieser Umstand recht gut gefallen, aber die Kleineren dürften hier und da dann doch ein wenig überfordert sein. Zumal ständige Düsternis ja auch noch keinen Grund darstellt, warum man den bitter nötigen Witz so stark weggelassen hat. Ansonsten sei zu den Animationen aber zu sagen, dass sie durch die Bank weg richtig edel ausgefallen sind und sich vor allem beim Design der Kulissen mitunter auf exzellentem Niveau befinden. Die Figuren selbst sind dagegen, mit Ausnahme der Schildkröten, etwas plump ausgefallen, was aber wohl gewollt sein dürfte. Von daher ist zumindest in der technischen Umsetzung kaum Kritik zu finden.
Ebenfalls gelungen ist zudem die Synchronisation, die mit spürbarer Raffinesse und exzellenten Sprechern umgesetzt wurde. Im Deutschen gibt es dabei kaum bekannte Namen, zumindest dürften Simon Jäger, Frank Schaff oder Michael Iwannek nur den Wenigsten ein Begriff sein. Im Originalton geht es dann schon etwas bekannter zu mit Namen wie Patrick Stewart, Sarah Michelle Gellar, Patrick Smith oder Laurence Fishburn, die ihren Job sicherlich ebenfalls gut meistern. Somit ist dann auch auf akustischer Strecke weitgehendst für Wohlwollen gesorgt.
Fazit: T.M.N.T. entpuppt sich unterm Strich als ein nostalgischer Trip in die Kindheit, nicht mehr und nicht weniger. Die Story ist höchstdürftig, doch die Action kann alle Fünfe gerade sein lassen und bietet Turtles-Action, sowie man sie kennt und manch einer vielleicht auch immer noch liebt. Schade nur, dass das Ganze dabei etwas zu ernst ausgefallen ist, wenn auch so mancher Brüller vorhanden war, so das das Auge zwar mit leckeren Animationen und guten Fights bei Laune gehalten wird, sich der Unterhaltungsfaktor aber dennoch nur unzureichend einstellt. Wer im Kindesalter schon immer gerne mit den grünen und gepanzerten Viechern mit gefiebert hat, der darf sich als Nostalgiker gerne auf den Filmtrip begeben. Für alle anderen, vor allem für kleinere Kinder, dürfte dieser neue Turtles-Streifen aber sicher nicht das Richtige sein!
Wertung: 5,5/10 Punkte