Wer "Four Rooms" bei uns als "Sylvester in fremden Betten" (ich erwarte irgendwie ein Fernsehspiel mit Herbert Herrmann bei der Erwähnung) eingedeutscht hat, gehört erschossen, obwohl dieses episodische Werk ein zwiespältiges Vergnügen ist. Der Film lebt im Nachhinein von zweien seiner Regisseure, nämlich Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, aber obwohl das Gesamtkonzept seinen Reiz hat und einiges wirklich amüsant ist, kann man das Unternehmen unter dem Strich wohl als fehlgeschlagen bezeichnen.
Der Plan war einfach: ein Hotelpage als Bindeglied für vier Episoden, die in der Sylvesternacht in ein und demselben Hotel (ehemals edel, jetzt leicht heruntergekommen) stattfinden. Dargestellt wird dieses Bindeglied von Tim Roth, der offensichtlich von allen Beteiligten Carte Blanche bekommen hat und per Overacting vom Leder zieht, als gäbe es kein Morgen. Etwas Chaplin, etwas Laurel und Hardy, eine Prise Looney Tunes und viel Benny Hill kommen zusammen, wenn diese Grimassenparade Roth Wellen von Slapstick hervorruft.
Reizvoll ist auch noch der Auflauf an bekannten (oder relativ bekannten) Gesichtern, die sich hier ein mehr oder weniger kurzes Stelldichein geben. Die Qualität der erzählten Geschichten jedenfalls fällt stark ab.
Zum Ablauf: Allison Anders Story über einen Hexenzirkel, der seine versteinerte Göttin wieder zum Leben erwecken will und denen eine Zutat (Sperma!) fehlt, welche natürlich Ted, der Page erbringen muß, lebt zunächst noch vom skurilen Spiel der Hexen (darunter eine launige Madonna in Latex, Lili Taylor und Ione Skye), doch als der Gag heraus ist, endet die Episode im Nichts auf dem Weg zum Höhepunkt. Ein herber Schnitt und das wars, es bleiben Fragezeichen.
Alexandre Rockwells "Der falsche Mann" ist nicht viel besser, eher noch schlechter, denn Ted gerät ins falsche Zimmer, in dem ein bewaffneter Gangster und seine an den Stuhl gefesselte Freundin (Jennifer Beals) eine Art durchgeknalltes Machtspiel runterreißen. Die Episode hat so ihre kurzen Momente, wirkt aber zerdehnt, trotz ihrer Kürze und zerfasert am Ende, indem sie wieder von vorn beginnt.
Das Highlight ist sicher Rodriguez Blaupause für seine Spy Kids, jedoch mit noch wesentlich mehr Subversivität dabei. Antonio Banderas samt Gattin lassen für eine Party ihre beiden Kinder im Hotelzimmer zurück, mit Ted als Aufpasser. Die kleinen Racker gestalten jedoch nach und nach das Zimmer um, um sich halbwegs zu amüsieren und finden dabei einige unschöne Überraschungen. Flott, bissig, mit guten Leistungen aller Beteiligten (Banderas zieht das Overacting des feurigen Patriarchen ohne Wimperzucken durch) und einer Menge Witz (samt feurigem Ende) eine schöne Überraschung.
Um so platter fällt das Ende Tarantinos aus, dem offenbar im Schreibwahn nichts anderes eingefallen ist, als die alte Hitchcock-TV-Episode, mit dem nie versagenden Feuerzeug und der Daumenwette neu zu inszenieren, wenn auch mit leiser Pointe. So ziemlich alles ist hier mißlungen: zunächst mal ist der dünne Witz unerträglich auf 20 Minuten gedehnt, dann begeht Tarantino den Fehler die bleidialogschwere Episode auch noch selbst zu spielen und labert sich um Kopf und Kragen. Ein total unwichtiger Bruce Willis hält die Story dann noch mit Faseleien auf und schwupps sind 10 Minuten um, ohne das auch nur ein Hauch passiert wäre. Wie Ted möchte sich der Zuschauer entfernen, als es dann endlich doch noch zur Sache, aber die ursprüngliche Geschichte wird hier auf das Kürzeste parodiert. Der finale Knalleffekt genügt, um den Film mit einem Schmunzeln zu beenden, aber die gut 18 Minuten davor hätte man sich auch komplett sparen können, denn sie ist zäh wie Schuhleder und keinesfalls von der pointierten Klasse eines Pulp-Fiction-Dialogs.
Insgesamt ein unstetes Werk, daß man der Vollständigkeit halber gesehen haben sollte, um zu wissen, zu welchen Auswüchsen das Kino in der Lage war, als Tarantino und sein Stil Mitte der 90er die Kinowelt beherrschten. (5/10)