Review

Ich möchte hier keine negative Kritik üben, aber ich muss meinen Vorschreibern zuallererst einmal widersprechen. Vielleicht bin ich zu abgestumpft, vielleicht auch zu unsensibel für solch eine Thematik, aber bedrückend fand ich den Film nicht.
Was nicht heisst, dass ich den Film für ein großartiges Meisterwerk halte.
Persönlich habe ich mich lang zurückgehalten, Ex Drummer anzuschauen, weil ich davon ausgegangen bin, es handle sich um einen Film in der Art von Irreversible (um diese Filmperle auch noch für meine Kritik zu bemühen).
Im Endeffekt geht es bei Ex Drummer aber hundert mal exzessiver und in der Darstellung expliziter zur Sache, als bei dem davor genannten Film.
Bei Ex Drummer erzeugt die dargestellte Gewalt aber ein ganz andere Wirkung. Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass alles so unwirklich, überzogen und surreal dargestellt wird. Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass der Drehbuchautor beabsichtigt hat, real existierende Figuren abzubilden.
Dies wird noch unterstützt durch Einstellungen, die mich eher an Performance Kunst erinnert haben, wie z.B. der ständig an der Decke seiner Wohnung wandelnde Sänger der Feminists oder der Besuch in einer gigantisch gedehnten Vagina.

Aber es gibt einfach so viel an diesem Film, was gut ist, und weswegen es sich lohnt, ihn anzuschauen. Die Figuren, von den behinderten Mitgliedern der Gruppe bis zum idiotischen Sohn des Bürgermeisters, der am Ende des Films als Festivalveranstalter auftritt, die alle so überzogen sind, dass sich trotz bedrückender Thematik eine gigantische Komik entwickelt. Die genialen Einfälle des Kameramanns/Regisseurs, wie z.B. der rückwärts laufende Vorspann mit den kreativ eingeblendeten Credits. Die Dialoge, die zum größten Teil an primitivität nicht zu überbieten, gelegentlich jedoch total aberwitzig sind. Die Ausstattung, die so grandios ist, dass, wären die Figuren lebensnäher, vielleicht doch dafür gesorgt hätte, dass der Film als unangenehmer Kloß im Halse stecken geblieben wäre. Und zu guter letzt natürlich in wirklich passender, unheimlich eingängiger Soundtrack.

Ich persönlich habe nicht auf die Altersfreigabe geachtet, aber die 16er finde ich auch unverständlich. Auch wenn in Sachen Gewalt die Toleranz bei den zuständigen Behörden immer größer zu werden scheint, sind hier doch sexuelle Handlungen sehr explizit dargestellt, was meiner Meinung nach noch immer zu der roten 18 geführt hat. Naja, da ich das Problem seit einigen Jahren sowieso nicht mehr habe, das nur am Rande.

Dieser Film ist bestimmt keine seichte Abendunterhaltung, aber er bietet mehr komödiantischen Unterhaltungswert, als die Vergleiche mit Irreversible vermuten lassen würden. Damit würde ich ihn persönlich auch nicht vergleichen, eher vll mit "Accion Mutante", einem Film, der ebenfalls körperlich beeinträchtigte Leute, die etwas bewegen wollen, zum Thema hat. Bildästhetisch kann man getrost "Trainspotting" heranziehen, von der Gewalt/Erotik Thematik vll noch "Baise moi", wobeis hier schon expliziter wird.

Wie auch immer, lasst den Film für sich stehen, schaut ihn euch an und bildet euch ein eigenes Urteil.

Ich fühlte mich prächtig unterhalten, deswegen eine 10.

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