Review

Sehr gespannt war ich auf Ex Drummer, den aktuellen Spielfilm des belgischen Regisseurs Koen Mortier. Aufgrund der Informationen, welche ich im Vorfeld über den Film bekommen hatte, stellte ich mich schon auf ein derbes, unkonventionelles und auch experimentelles Stück Kino ein.
Im Großen und Ganzen, habe ich das auch bekommen.
Hauptperson ist Dries, ein kontroverser Autor, der zufällig gut Schlagzeug spielt. Eines Tages tauchen wie aus dem Nichts ein paar abgewrackte Punkmusiker auf, und möchten Dries in ihre Band holen. Um Material für sein nächstes Buch zu sammeln, steigt Dries nach kurzem Zögern ein. Er begiebt sich auf das Terrain von Alkoholismus, Gewalt, Drogen und asozialem Gesindel mit dem IQ von Kakerlaken. Alles läuft auf ein unausweichliches, nihilistisches Finale zu.

Die sogenannten Punkmusiker (übrigens alle behindert) sind total fertig, aber immer noch in einem "normalen" Rahmen. Bis auf den lispelnden, frauenmisshandelnden Sänger tickt eigentlich keiner regelmäßig aus und gibt den richtigen Psycho. Es sind mehr Loser und Asis als Terrorfreaks. Dries nimmt die Rolle des Beobachters ein, gleicht sich im Verlauf des Films aber den gewalttätigen Verhaltensweisen der Band an.

Meine Erwartungen wurden insgesamt schon erfüllt, auch wenn ich sagen muß, daß ich mir den Film doch noch etwas gemeiner, brutaler und einfach heftiger vorgestellt hatte!
Der Film entbehrt nicht einer gewissen schalen Komik, schlägt aber zum Ende hin immer mehr in ein trostloses Portrait gescheiterter Existenzen und sicker Zwischenmenschlichkeit um. Gerade hier hätte ich mir persönlich aber noch mehr Kompromisslosigkeit und Schonungslosigkeit gewünscht. Alles wird von einem leicht surrealem Schleier umgeben. Die Gewaltszenen sind zwar keine leichte Kost, meiner Meinung nach aber noch zu inkonsequent und spielerisch.
Mann könnte sagen, mir fehlte der wirklich bittere Beigeschmack, das Lachen, welches mir im Halse steckenbleibt, die Ratlosigkeit nach Sichtung des Streifens, einfach dieser "Schock", etwas wirklich Abgefucktes gesehen zu haben, das auch die Denkmurmel richtig anstrengt.
Ich denke, Ihr wißt, was ich meine.
Die fremdartige Wirkung des Films generiert sich vor allem aus ungewöhnlichen Kamerawinkeln und dem Aufbrechen der realen Erzählstruktur. Es gibt direkte Anrede seitens der Schauspieler und Zeitverschiebungen (rückwärts laufender Anfang). Einige Szenen erinnern auch an Traumsequenzen (Muschi).
Noch ein Wort zu den "Punks" im Film: Bevor da jetzt Jemand mit falschen Erwartungen rangeht, hier wird nicht wirklich eine realexistierende Punkszene geschildert, sei es im Sinne des alten Schmuddelpunks, des Amipunks oder Kiddiepunks. Die Band besteht einfach nur aus beschmierten Loser-Spasten (vielleicht deshalb mehr Punk als die ganze Kommerzscheiße?) Es gibt aber keine Szene-insignien; Klamotten, Frisuren usw.

Insgesamt ergibt das einen sehr interessanten, eigenwilligen Film, der dokumentarisch die soziale Entgleisung einiger überzeichneter "Loser-Rolemodels" aufzeigt. Das böse Wort "Kunstfilm" möchte ich hier nicht verwenden, auch, wenn Stil, Aussage und die Überzeichnung der Protagonisten schon in diese Richtung gehen.
Wer mit sehr strangen, abgedrehten und auch provokanten Filmen seine Freude hat, sollte sich Ex Drummer nicht entgehen lassen.
Für mich ein insgesamt gelungener Streifen mit den richtigen Ecken und Kanten. Vor allem fürs "anders sein", den skurrilen Figuren und den grandiosen Soundtrack: 8/10

MovieMadness

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