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Die Handlung dürfte jedem bekannt sein. Oostende, Belgien - eine Band, bestehend aus den 3 "Behinderten" Koen, Jan und Ivan will an einem Musikwettbewerb teilnehmen und wendet sich Hilfe suchend an den Schriftsteller Dries, der mit seinen Drumkünsten das Quartett vervollständigen soll.

Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich vor möglichen Spoilern hüten.

Zu erst einmal zu den Charakteren. Die 4 Hauptcharaktere, die Bandmitglieder, werden allesamt wunderbar von (mir) unbekannten Schauspielern verkörpert, jeder hat seinen Stein zu tragen, offenbar jeder, bis auf Dries. Dieser wird vom gleichnamigen Dries van Hegen gespielt und seine arrogante, interessierte und der Welt der Armen gegenüber kalte und verächtliche, sogar hasserfüllte Art und Weise spürt man in jeder Szene, außer wenn er sich in "seiner Welt" befindet. Jeder Charakter hat seine Story in der Story, jedem sieht man an, dass er an Einsamkeit zu ersticken droht, was auch immer er tut, jeder von ihnen ist nur einer von vielen. Es ist, als würden sie nur für den Moment leben, für die wenigen Minuten, die sie auf der Bühne stehen.

Was mich gleich zum nächsten Punkt bringt, der Atmosphäre. Diese ist schon recht früh sehr passend, steigert sich bis zum bitteren Ende und ist stets dicht und melancholisch. Mit den Fragmenten eines grauen, dunklen und leeren Oostende (was in Wirklichkeit eine für belgische Verhältnisse recht große und bunte Stadt ist) und dessen scheinbar in den 60er-Jahren stehen gebliebenem Industriestadtrand hat Koen Mortier eine perfekte Kulisse geschaffen. Auch der geniale Soundtrack tut seinen Teil dazu, die Musik bewegt sich weitgehend im Ambient- oder Instrumental-Stil, tönt meistens recht langsam und hoffnungslos. Jedes Lied passt zu der Situation, die es begleitet.

Die Story kann man getrost als innovativ und gut ausgebaut bezeichnen, keine der Handlungsstränge ist in irgendeiner Art langweilig oder gar überflüssig. Im Gegenteil, von Strang zu Strang wird man tiefer in den Sog aus Verzweiflung, Dreck, sozialtechnischer Unfähigkeit, Hass, Ignoranz und Ekel hinein gezogen; man entwickelt die Faszination gleich dem Touristen Dries van Hegen.
Manch einer mag den Inhalt stellenweise als abstoßend, verwirrt und/oder geschmacklos bezeichnen, doch das ist das wahre Leben; ob nun die drastische Schilderung des (fiktiven?) Alltags in einer belgischen Irrenanstalt, das Leben des Gitarristen Ivan, die kaputten Familienverhältnisse des Bassisten Jan, dessen fette Mutter mit Gitarrist Koen vögelt oder "Dikke Lul", der seinen letzten Fick erlebt.

Alles in allem ist Ex Drummer ein exzentrischer, von Ironie durchsetzter, melancholischer, stellenweise lustiger und kranker Independent-Film. Sicher nicht für jeden was, doch für Surrealitäts-Affine genau das Richtige

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