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Der Journalist Masafumi Kobayashi (Jin Muraki) ist Reporter beim japanischen Fernsehen und ist im ganzen Land mit seinem Kameramann unterwegs, um rätselhafte und paranormale Vorkommnisse zu enthüllen. Sein erster Fall, der, wie er im Laufe der Geschichte feststellt, mit anderen schlimmen Fällen zusammenhängt, führt ihn zu einer jungen Frau mit einer Tochter, aus deren Nachbarhaus seltsame Schreie kommen. Als Kobayashi an der fraglichen Haustür klingeln, macht eine wütende Frau auf und verjagt ihn. 5 Tage später ist sie samt ihrem Sohn ausgezogen und die Nachbarin und ihre Tochter tot. Sein nächster Fall führt ihn zu einem offensichtlich übersinnlich begabten Mädchen, welches wenige Tage später wie vom Erdboden verschwunden ist. Langsam kommt Kobayashi eine düsteren Legende auf die Spur, in der es um ein Teufelsritual in einem inzwischen in einem Stausee versunkenen Dorf geht, das beim letzten Mal offensichtlich komplett aus dem Ruder lief...

Koji Shiraishi 2005 gedrehter Horrorfilm ging für mich ein bisschen in der ganzen Asia-Horrorfilmtsunami der letzten Jahre unter. Aber besser spät als nie entdeckt: sein konsequent im Dokumentarfilmstil a la "Blair Witch Project" gedrehter Film ist in meinen Augen einer der spannendsten und gelungensten Horrorstreifen aus Asien, die ich je gesehen habe.
Den Film durchzieht das Gefühl einer permanenten Beunruhigung und zeigt erneut, wie nah in einem äußerlich modernen Land wie dem hochtechnisierten Japan Moderne und alter Geisterglauben liegen. Der Noroi-Fluch lebt in dem abgelegenen Landstrich der Nagano-Präfektur, den der Journalist am Ende besucht, noch mitten unter den Leuten und überall sind z. B. Sensen an den Türen aufgehängt, um eben den Teufel abzuschrecken.
Und bevor man befürchtet "OK, schon wieder ein Film mit bleichen, langhaarigen Frauen, die als Geister Leute terrorisieren": "Noroi" macht eben dies nicht und ist damit eine durchaus wohltuende Ausnahme von der Regel. Es fließt kaum Blut, es gibt nur einige wohlplatzierte Schockelemente und niemals weiß man wirklich, wohin die Geschichte sich entwickeln wird. Shiraishi hat den Gebrauch der subjektiven Kamera sinnvoll in die Geschichte integriert und liefert gerade am Ende, als das Grauen immer mehr auch in das Leben Kobayashis eindringt, einige wirklich verstörende Sequenzen. Dabei bedient sich "Noroi" eines schon seit "Cannibal Holocaust" beliebten Stilmittels, nämlich die "letzte" Dokumentation des Journalisten als Erklärungsversuch für etwas Unbegreifliches.
Einziger Protagonist ist der durchaus sympathische Journalist, der wie ein seriöser Fels in der Brandung einer recht debilen TV-Landschaft in Japan wirkt. Besonders bei der effektheischenden TV-Show mit dem übersinnlich begabten Schulmädchen ist es auffällig, wie vergleichsweise ernsthaft Kobayashi versucht, den Rätseln auf die Spur zu kommen.
Also eine empfehlenswerte Reise in die paranormalen Abgründe der japanischen Provinz, die einem mit einem Gefühl ziemlicher Beunruhigung zurücklässt.

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