Was einen Film alles denkwürdig genug machen kann, damit man ihn nicht gleich als Fußnote der Geschichte im Archiv verstauben lassen kann!
„House on Haunted Hill“ ist sicherlich kein sonderlich denkwürdiges filmisches Ereignis, doch die Tatsache, daß Billig-Maestro William Castle diesen Film mit einem seiner historischen Kinogimmicks angereichert hat, bringt ihn immer noch auf einige Fan-Websiten. Und ist natürlich auch Garant dafür, daß irgendwann mal ein Remake anliegt, daß zufällig zu den besseren Horrorfilmen der letzten 10 Jahre und zu den einfallsreichsten Remakes gehört (und damit zum besten Film der Firma „Dark Castle“ wurde).
Mit Abstand betrachtet, hat „House“ jedoch wenig mehr zu bieten als den damaligen Joke, in ausgewählten Kinos von über oder neben der Leinwand ein beleuchtetes Plastikskelett an Drähten durchs Publikum sausen zu lassen, ein 3-D-Effekt von bemerkenswerter Effizienz.
Geht das jedoch nicht mehr, so verpufft nicht nur der Effekt, es bleibt auch ein reichlich dröger Film, der nur durch die Anwesenheit Vincent Prices ein bißchen Stil gewinnt.
Wer das Remake kennt (und in der umgekehrten Reihenfolge dürfte es heutzutage Standard sein), wird bemerken, daß der erzählerische Kern des Originals sich in die neue Fassung gerettet hat: die Gruselparty für eine Handvoll ausgesuchter Leute, die eine Nacht in besagtem Haus überleben muß, um an einen Haufen (naja: damals waren 10000 Dollar halt...) Kohle ranzukommen. Veranstaltet von einem Millionär und seiner Frau, die sich in trauter und liebevoller Höflichkeit hassen wie die Pest. Daß da einer den anderen austricksen will, ist natürlich so sicher wie das Amen in der Kirche, jedoch dauert es bei nur 75 Minuten Spielzeit doch tatsächlich eine volle Stunde, bis wir zum Kern des Pudels vordringen und dann ist der Film auch mit einer kleinen bösen Pointe auch schon zuende.
Insofern kann man sich berechtigt fragen, warum der Film einen mörderischen Aufbau betreibt, nur um diese Pointe vorzubereiten – und warum das letztendlich alles so albern wirkt.
Ist der Anfang noch recht ordentlich – für die Außenaufnahmen muß ein berühmtes Haus des Architekten Frank Lloyd Wright herhalten – bietet das Interieur dann nur noch Enttäuschungen.
Wer hier atmosphärischen Grusel in düsteren Gängen, Zimmern und Kellern erwartet, muß verblüfft feststellen, auf welch kargen Studiobühnen sich die Akteure manchmal bewegen. Der Gruselkeller ist sogar extrem leer und ändert während des Films (ungewollt) durchaus mal den Aufbau, doch auch die vereinzelt aufgestellten „alten“ Stühle und die vielen dekorativ platzierten Spinnenweben bringen es in keiner Szene.
Daß immer noch Fans disktutieren, ob die Erscheinungen nun wirklich übernatürlich oder inszeniert sind, gereicht dem Film zuviel Ehre, denn etwas einfallsreicher könnten die Geister schon vorgehen.
So gibt es den (falsch aussehenden) blutigen Deckenfleck, eine (nicht weiter erklärte) Monsterhand, einen (noch künstlicheren) blutigen Kopf im Köfferchen und die Hausangestellten machen einen auf Universal-Creepie und wirrhaarige Geisterhexe, die durch die Kellerräume gleitet (auf einem Rollbrett).
Das alles trifft fast nur die arme Carolyn Craig (die herzerfrischend loskreischt), während die übrigen Gäste (darunter die extrem ineffektive Schwester von Robert Mitchum) nur rumstehen und Elisha Cook zuhören, der ständig von bösem Unheil murmelt, obwohl gar nichts los ist.
Manche Dialoge sind ganz ordentlich, aber das liegt an Prices schleichender Bösartigkeit, aber wenn er eine Ratte in der Säuregrube binnen Sekunden in ein lustiges Plastikskelett verwandelt, darf gegrinst werden. Ansonsten wabert nur noch gruselige Standardmusik durch ein Szenario, bei dem man jeden Moment erwartet, daß 100 Leute „Überraschung“ schreien und Party machen, so künstlich wirkt das Ganze.
Inclusive des Skelettgags (das übrigens passabel im Film an Schnüren hängt, aber keinem Menschen Angst einflößen dürfte) war es 1959 wohl ein Popcornverkäufer erster Güte, aber heute hebt da kein Achtjähriger mehr eine Braue und soviel Schwachsinn, das man es durchgängig lustig finden könnte, findet leider auch nicht statt.
Schade eigentlich... (3/10)