Nach Ethan Hunts filmischem Erfolgseinsatz auf der Leinwand holte man sich für die Fortsetzung Regisseur John Woo ans Set. Dieser schickt den Agenten vom IMF auf die Jagd nach seinem Kollegen Sean Ambrose, der in den Besitz eines tödlichen Virus' sowie Gegenmittels gekommen ist. Unterstützung bekommt Hunt dabei von der Diebin Nyah, dem aus dem Vorgänger bekannten Luther und einem generischen Australier.
Gerüchteweise entstand der Film ohne fertiges Drehbuch, wobei man die Geschichte irgendwie um die Actionszenen herum strickte. Das Ergebnis betrachtend bin ich geneigt, dies zu glauben. Denn „Mission: Impossible II“ legt sichtlich mehr Wert auf seinen Stil denn auf alles andere. Leider funktioniert dieser mich nicht, was ultimo dazu führt, dass der Streifen in seiner Gesamtheit keinen großen Spaß macht. Und das liegt nicht nur an dem Grinsen von Tom Cruise.
Der Plot selbst ist wenig ausgeklügelt und ziemlich Schema F, die Romanze zwischen Ethan und Nyah nehme ich den Figuren nicht ab. Die Action ist oftmals drüber und zugleich wenig eindrücklich. Dazu findet sich der Streifen in diesen Szenen selbst einfach viel zu geil, ergeht sich in bedeutungsschwangeren Zeitlupen und den immer gleichsam eingefangenen Gesichtsausdrücken der Figuren. Mit fortschreitender Spielzeit kann ich das nicht mehr ernst nehmen, zu verkitscht und pathetisch präsentiert sich das. Hunt selbst wirkt hier übermächtig, hat immer das richtige Timing, ist auch im Salto ein Meisterschütze und meistert den Nahkampf akrobatisch. Dazu muss seit dem Ende des Vorgängers irgendwas passiert sein, das ihn zu diesem herumbalzenden Alleskönner gemacht hat.
Schnell verlässt diese Fortsetzung den geerdeten Ton eines Spionagethrillers, der nach manchem Röhren auf zwei Rädern in ein ödes Finale mit Gerangel im Sand mündet. Irgendwo flattern die Tauben des Woo, Kodak ist auch dabei.
Der Streifen wurde auch merklich um Cruise (nicht Hunt) herum inszeniert, seine Figur ist hier aber zu glatt und die emotionalen Ausbrüche gegenüber Nyah unglaubwürdig. Thandie Newton als die erwähnte Dame hat eine undankbare Rolle, dient sie doch allen Seiten nur als Werkzeug und wird für diverse Zwecke gebraucht. Der Rest darf um die zentrale Figur herumarbeiten, als Schurke dient Dougray Scott und ihn trifft das Gleiche Schicksal wie eigentlich alle Charaktere hier – der Film weiß mit ihnen nicht viel anzufangen und ist immer froh, wenn er sie in irgendwelche Actionszenen packen darf. Immerhin visuell sieht das überwiegend kompetent aus, wirklich im Gedächtnis bleibt dennoch nicht viel.
„Grinning like an idiot every fifteen minutes.“
Und ewig rauschen die Wellen. Das Pathos in mancher Bildsprache tut schon weh und wenn man glaubt, der Film sei um die Actionsequenzen herum entstanden, dann sieht man das auch. „Mission: Impossible II“ legt wert auf seinen Stil, nur spricht mich dieser nicht sonderlich an. Ansonsten bietet dieser aufgeblasene Blockbuster nicht viel, ist weder spannend noch emotional mitreißend. Kein Highlight der Reihe.