Nach drei sehr erfolgreichen Poe-Adaptionen hatte sich Roger Corman Ende 1961 bereits als Spezialist für den günstig produzierten, aber erlesen aussehenden klassischen Grusel etabliert und versuchte nach drei überaus ernsten Filmen (Die Verfluchten, Grube und Pendel, Lebendig begraben) den Ausflug in das latent Komödiantische, zumindest als Testballon. Dazu griff er bei Poes Vorlagen auf drei Geschichten zurück, die zwar sehr intensiv waren, aber für sich allein niemals für einen Langfilm ausreichen würden - also wurden sie zum Gegenstand eines dreiteiligen Episodenfilms, die von einem Erzähler zusammengehalten wurden: den "Tales of Terror".
Den komödiantische Gehalt beschränkte sich dabei auf eine der drei Geschichten, wenn auch die längste Episode und legte den Grundstein für die später folgende alberne Volldröhnung "The Raven", der Rest war der gewohnt ernste Stoff, eingerahmt von einem Erzähler, der zu animierten fließenden Blutstropfen die einzelnen Stoffe einleitete. Gemeinsam ist den Geschichten allesamt nur die Teilnahme von Vincent Price, der die Gelegenheit erhielt, sowohl düster, als auch überzogen manieriert wie total zurückgenommen zu agieren und sich so etwas darstellerische Abwechslung zu verschaffen, die auch den unterschiedlichen Stories gut tut.
Die kürzeste Episode ist "Morella", ein Konglomerat der bekannten Versatzstücke, eine kleine bösartige Geschichte über Liebe, die über den Tod hinaus dauert und zur Qual wird, ergänzt durch geisterhafte Besessenheit. Ort der Handlung (wie weilend in "House of Usher") ein abgelegenes, verdammtes Haus, in das die junge, aber todkranke Lenora reist, um wenigstens einmal in ihrem Leben ihren Vater zu treffen, der sie seit dem Tod der Mutter kurz nach der Geburt stets gut versorgt, aber auf Distanz gehalten hat. Wie sich herausstellt, hat er den Corpus der Gattin aufbewahrt und die macht ihre Tochter für ihr Ableben auch jetzt noch verantwortlich.
"Morella" fängt ruhig und atmosphärisch an, erweist sich dann aber als kurz, knackig und überaus bösartig, wenn auch nicht wirklich überraschend, hat aber mit dem durch das nächtliche Haus wehenden Rachephantom (die Bilder wurden über die normalen Filmaufnahmen gelegt, als "superimposed") einen netten optischen Gag zu bieten, sonst herrscht die dumpfe Endzeitatmosphäre der Verzweiflung am Rande des Wahnsinns.
Wesentlich breiter angelegt dann "Die Schwarze Katze", Richard Mathesons Interpretation der Kurzgeschichte "Das Faß Amontillado", in dem der Säufer Montresor einen Weinfachmann, der ihn mit seiner jungen und hübschen Frau betrügt, kurzerhand im Keller samt der Untreuen einmauert. Bis es dazu kommt, läßt Corman aber erst einmal seine Stars von der Leine. Hatte Price noch "Morella" mit seiner Ausstrahlung dominiert, gehört diese Episode eindeutig Peter Lorre, der wenige Jahre vor seinem Tod mit Genuß den dauerbesoffenen Montresor gibt, der sich zwar auf seiner steten Suche nach zu vertrinkendem Geld nicht selten daneben benimmt, dies aber irgendwie immer würdevoll abspult, ist er doch betrunken zu Höchstleistungen fähig. Das zeigt sich dann in einem Weinverkostungsduell mit dem stutzerhaften Fortunato Luchresi (Price als Gegenentwurf-Geck von edlem und übertriebenem Gehabe). Als der Dauerschlucker (Lorre trägt zumeist ein zufriedenes Grinsen kurz vor dem Einschlafen zur Schau, argumentiert aber stets fleißig weiter) dann den Ehebrechern auf die Schliche kommt, greift er ausgenüchtert zur Maurerkelle, um später wieder über seinen Suff zu Fall zu kommen.
Erfreulich verspielt ausgestattet und ergänzt durch einige wunderbare Einfälle bezüglich Lorres Halluzinationen im Delirium UND im Kater danach (er sieht ständig bösartige Tiere um sich herum, bis auf die Katze seiner Frau, die sich nicht in ein Rauchwölkchen auflösen will), macht die komplette Episode einen angenehm entspannten Eindruck, ist aber längst noch nicht so "over the top" wie später "The Raven". Daß Lorre und Price jedoch wunderbar harmonieren, ist hier schon deutlich erkennbar.
Das Finale ist dann die grimmigste Episode und in den 60ern sicherlich auch die graphischste, auch wenn man heute viel viel Schlimmeres gewohnt ist. Als Gast hält diesmal der ebenfalls schon stark angejahrte Basil Rathbone her, der als Mesmerist Carmichael den todkranken Ernst Valdemar erst von seinen Schmerzen auf hypnotischen Wege heilt und ihn dann auf Wunsch im Augenblick des Todes in Trance versetzt. Das hat aber zur Folge, daß die Seele auf lange Zeit in Valdemars Körper gefangen ist und Carmichael sich als fieser Möpp entpuppt, der die Tochter des Hauses so zu ehelichen wünscht.
Abgesehen davon, daß der Plan Rathbones nicht unbedingt prägnant durchdacht ist - denn er zieht automatisch den größten Hass und die intensivste Abscheu des Objekts seiner Begierde auf sich - hat "Der Fall Valdemar" doch die abgründigste und morbideste Atmosphäre, muß man sich das Grauen doch komplett vorstellen, nur angewiesen von Prices klagender Stimme, der nicht ins Jenseits übertreten kann. Das Finale hält dann in angemessen genuinen Terror einige witzige Verwesungseffekte des längst Verstorbenen bereit, die so manchen Ekelreflex ausgelöst haben dürften, heute aber zahm wirken. Allerdings ist hier der "Terror" des Originaltitels (die Identität des deutschen "Mr.X" und warum er so grauenvoll sein soll, wird leider nie geklärt...) am ehesten greifbar, auch wenn gewisse Schock in jeder der drei Geschichten am Ende bevorstehen.
Das Ergebnis ist abwechslungsreich, aber nicht sonderlich ausgewogen, macht aber für anderthalb Stündchen durchaus Spaß, vor allem weil man wegen der Kürze sehr nah an der Grundstory bleiben muß, die Ausstattung für das kleine Budget wieder sehr ansehnlich und ohne die in den kommenden Anthologien unvermeidlichen Durchhänger. Einigermaßen ordentlich Adaptionen von Poes Geschichten schänden den Autoren diesmal kaum, sondern fügen ihm durch die Stars eine gewisse Prise Charme hinzu. Ein zeitloser Grusel, der nicht aus der Mode kommen kann. (7/10)