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Der Zauberer Craven (Vincent Price) bekommt Besuch von einem Raben, der sprechen kann. Als er ihn in einen Menschen zurückverwandelt, erscheint der Magierkollege Bedlo (Peter Lorre), der vom Großmeister Scarabus (Boris Karloff) während eines Wettstreits zum Federvieh wurde. Unter dem Vorwand, Cravens tote Frau Lenore, der er noch immer hinterhertrauert, gesehen zu haben, lockt der trinkfreudige, tölpelhafte Bedlo den gutgläubigen Craven in das Schloss vom dubiosen Großmeister der Magierloge. Nachdem die Intrige auffliegt, gibt es das unvermeidliche Duell der beiden Zauberer, die mit bloßen Händen Menschen verwandeln können (z.B. in Himbeermarmelade). Roger Corman produzierte diese erheiternde Gothicparodie mit Glanzbesetzung, so gibt ganz neben den Ikonen des klassischen Horrors der noch unbekannte Jack Nicholson als nichtsnutziger Sohn des vorlauten Zauberers Bedlo sein Stelldichein. Corman, der auch Regie führte, kennt sich im Genre des Studioschlossgruslers bestens aus und so packt er ein ganzes Bündel voll Standards in „Der Rabe“, die jeden Gothicstreifen ausmachen. Der Zaubertrank besteht natürlich aus Fledermausblut, gelierten Spinnen und nicht zu vergessen, den Haaren des toten Vaters aus der Gruft. Eine obligatorische Folterkellerszene darf ebenfalls nicht fehlen, doch ist auch die familienfreundlich gehalten. Die Vorlage von Edgar Ellen Poe wird hier frei und mit viel Humor umgesetzt, Vincent Price scheint darin regelrecht aufzugehen, seine sonst nur angedeuteten komödiantischen Fähigkeiten auszuleben. Peter Lorre ist ebenfalls in seinem Element, wenn der kleine Wicht größenwahnsinnig und hinterhältig verschlagen agiert, dass der Zuschauer nicht immer weiß, auf welcher Seite er sich befindet. Boris Karloff ist selbstredend der zwielichtige Magier, doch auch er hat eine Mimik mit Lachergarantie. So kann man diesen Gruselkomödienmix nur jedem Fan von alten Corman/Price Filmen empfehlen, wenn hier allerlei obskure Zaubereien zum Besten gegeben werden. Natürlich ist alles auf einfachem Niveau gehalten, was die Effekte angeht, doch scheint Corman dies geradezu als Hommage an billige B-Movies zu zelebrieren, um daraus einen für ihn typischen Charme zu entwickeln.

Fazit: Netter Gothicspass, in dem einige Größen des Genres zur Höchstform auflaufen. Eher amüsant, als gruselig. 6/10 Punkten

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