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Nach Spuren im Schnee das zweite und letzte Serienspecial der Rosenheim Cops, einer seit 2002 beständig produzierten und ebenso beständig mit Erfolg beim Publikum ausgestrahlten Krimiserie des ZDF, die sich über die Jahre hinweg beinahe familiärer Verlässlichkeit erfreut hat. Noch besetzt mit Darstellern der ersten Stunde, aber auch angereichert und ausgetauscht in weiteren Haupt- und Nebenrollen wird ein permanentes Szenario zwischen Heimatfilm, Lokalpatriotismus und humoristischer Kriminalhandlung erreicht, welches im Grunde auch im Nebenher zu verfolgen, aber auch durchaus mit Interesse zu begleiten ist. Jeweils 45min wie im Fluge, die theoretisch keinerlei Überraschungen, sondern eher die üblichen Befragungen und Ermittlungen plus kleinere Schwierigkeiten und Missverständnisse, am Ende natürlich zu aller Zufriedenheit aufgelöst bieten. In derlei Hinsicht sind die Langfilme ebenso gehalten, auch wenn so mancherlei winzige Veränderungen hinsichtlich Aufwand und Inszenierung schon zu vermelden sind. Erstausstrahlung September 2005:

Bei einem gemeinsamen Skiausflug mit der Sekretärin Miriam Stockl [ Marisa Burger ] entdeckt der Polizist Michael 'Michi' Mohr [ Max Müller ] zufällig die Leiche des Biathleten Bruno Kiesel. Die anschliessend informierten Kommissare Ulrich Satori [ Markus Böker ] und Korbinian Hofer [ Josef Hannesschläger ] erkundigen sich erst in der näheren Umgebung des Toten, speziell dessen Freundin sowie deren Stiefmutter Theresia Schumann [ Elisabeth Lanz ] und ihrem Vater Dr. Marius Schumann [ Walter Kreye ], der auch eng mit dem Verein des toten Sportlers und speziell deren Chefin Anka Ritter [ Lucia Gailová ] zusammengearbeitet hat.

Abermals gedreht von Regisseur Wilhelm Engelhardt – der bspw. auch für die bisherige einzige Spielfilmfassung von Hubert und Staller, der Episode Die ins Gras beißen (2013) verantwortlich ist – und abermals geschrieben vom Autorenpaar Andreas Föhr und Thomas Letocha, die zu der Zeit auch jeweils für die aktuellen Staffeln verantwortlich waren und später einzeln zu jeweils auch belletristischen Ehren gekommen sind, ist nun natürlich auch schon die Routine und das Bewusstsein darum eingekehrt. Experimente werden schon lange nicht mehr veranstaltet, was auch die Unterschiede zur 'normalen' Serie, die klein bis nichtig sind, erklärt. Fehlen tut die übliche Titelmelodie, die irgendwann später, kurz vor dem dritten Akt erst intoniert wird; ergänzt wird mit mancherlei Außenaufnahmen und auch vergleichsweise größeren Inszenierungen, für die im gewohnten Vorabendprogramm sonst weder das Geld noch die Zeit und auch gar nicht die Muße für ist.

So wird auch hier sich in zwei Verfolgungsjagden duelliert, einmal per Ski den Abhang hinunter gerast und ein Flüchtiger gestellt, und einmal umsonst der Schneeschlitten in gleichsam widrigen und gefährlich scheinenden Gelände ausprobiert. Aktionismus in einer Form, die etwas angestrengt in seiner plötzlichen Konsequenz und Hektik und so irgendwie fehl am Platze, nicht unbedingt verkehrt formuliert, nur verkehrt installiert wirkt. Im Gegensatz zum ersten Fernsehfilm, der teilweise mit Attentaten und Show und Stunts nur um so wirft, wird hier dennoch Maß in der Zurückhaltung gewonnen und sich auf das Element der Dialoge und Verwicklungen und dem Lösen der Probleme im Gespräch konzentriert. Zudem ist der familiäre Hintergrund etwas zurückgenommen, was den gesamten Fall etwas leichter und nicht so bemüht dramatisch in seiner Zuspitzung macht; die privaten Abenteuer der tätigen Kommissare Hofer und Satori interessieren hier nur am Rande und sind so ohne unnötigen Ballast und anderes schweres Gewicht.

Natürlich wird sich weiterhin gekabbelt bis feindlich gesinnt angegangen, herrscht ab und zu die dicke Luft zwischen den unterschiedlichen Gesellen, obwohl man nun schon den Anderen und dessen Marotten kennen müsste und die Spitzfindigkeiten so etwas forciert bis verkrampft geschrieben und gespielt sind. Weiterer Schneid kommt aus der zweiten Reihe, den im Dienstrang  Niederen, die auch gerne mal die Luft da oben spüren und die Anerkennung wissen wollen, aber immer wieder gebremst und gegängelt werden: ein altbewährtes Rezept von Zuckerbrot und Peitsche, die die Serie auch heute noch aus dem Effeff kennt und beinahe wöchentlich praktiziert. Was man noch weniger braucht, aber die Gegensätzlichkeit der Polizisten noch unterstreichen soll, sind die beschriebenen Fähigkeiten des Zugereisten Satori, der irgendwo zwischen "Cabrioletfahrer", "Flachlandtiroler" und Playboy mit mächtig Schlag bei Frauen tituliert wird und auch hier eine verhängnisvolle Affäre in den Text spendiert bekommt. Bezug nehmen tut man in dieser Leidenschaft, die so nicht sein darf und die man in dieser Form von bemüht romantischen und bemüht gefühlskitschigen Schmalz man eigentlich auch gar nicht sehen mag, auf ein vorheriges Geschehen, nämlich dem "Eine Leiche verschwindet" aus der Staffel Zwei. Random fact und ohne Belang.

Interessanterweise ist da schon die prekäre Situation der Verdächtigen, die zahlreich addiert und auch zahlreich miteinander, da natürlich über das leidige Geld, den leidigen Erfolg, die leidigen Gefühle und Zu- und Abneigungen zwischen Mann und Frau gleichgültig der Herkunft, des Alters oder des Familienstandes – ledig, verheiratet, geschieden usw. – miteinander verbunden und auch wieder kontrahierend sind. Intrigen im scheinbar ehrbaren Hause, dazu etwas Korruption und Betrug im sportlichen Umfeld, wobei der Wintersportort Rosenheim hier mit vielerlei Ausflügen in die schneebedeckten Weiten fleißig Material für die heimische Touristeninformation und Anreiz für die Urlaubsprospekte erhält. Dazu noch ein Mysteriöses aus dem Halbschatten und eine mehrfach die Beobachtung einnehmende Kamera, die sich schleichend an das nächste Opfer oder doch den Mitwisser oder doch den Auftraggeber heranpirscht; eine Mitraterei im provinziellen Milieu wird also geboten, und die doppelte Laufzeit so auch spielend, erfahrenerweise und ohne größere Schmerzen und Belastungen gefüllt.

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