Der Abschluss von Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Zyklus, veröffentlicht 1964, macht es mir nicht leicht. Einerseits Cormans erklärter Lieblingsfilm der Reihe und erstmals gedreht in und an einer originalen englischen Ruine, verspricht „Das Grab der Lygeia“, sich qualitativ noch einmal von den vorausgegangen Poe-Verfilmungen positiv abzuheben. Andererseits wurde ich als Freund der Reihe von diesem Beitrag nicht gänzlich überzeugt. Das mag an der wesentlich helleren Optik, bedingt durch zahlreiche Außenaufnahmen bei Tageslicht, gelegen haben, aber auch an der meinem subjektiven Empfinden nach noch stärkeren Dialoglastigkeit als bei meinen persönlichen Glanzlichtern „Die Verfluchten“ und „Die Folterkammer des Hexenjägers“, bei der dennoch vieles unausgesprochen bleibt. Vielleicht wurde durch die authentische Kulisse auch einfach ein wenig von der speziellen Atmosphäre eingebüßt, die die künstlich auf düster getrimmten Vorgänger ausgemacht haben. Hinzu kommt das nach dem zumindest für mich als Nichtkenner der Literaturvorlage überraschenden Plottwist hinzukonstruiert wirkende Finale, das ich als verwirrend und zuviel des Guten empfunden habe. Nichtsdestotrotz hat auch „Das Grab der Lygeia“ unabstreitbare Qualitäten, die es deutlich über den Gothic-Horror-Durchschnitt hinausheben. Da wären zum Einen natürlich die Hauptdarsteller Vincent Price, der Fell mitleidserregend und ambivalent mimt, und Elizabeth Shepherd, die in gleich zwei Rollen ihm natürlich nicht die Schau stiehlt, aber als allen Gefahren und Ängsten zum Trotz unbeeindruckt zu ihrem Mann stehende Ehefrau Rowena überzeugt. Eben jene Szenen, in denen das bösartig erscheinende Wesen in Katzengestalt die Arme durch die Abtei hetzt, sind es, die für mich persönlich die Höhepunkte des Films ausmachen. Kamera und die punktgenaue, dramatische orchestrale Musikuntermalung kreieren hier mit Rowenas Leiden eine wundervolle Ästhetik des Schreckens. In Kombination mit einer ausgefeilteren, weniger langatmigen Erzählweise und einem besser nachvollziehbaren Finale wäre auch der Schlusspunkt der erfolgreichen Reihe ein kleines Meisterwerk geworden. Gothic-Horror-Fans sehen das aber vielleicht auch ganz anders und sind daher unbedingt angehalten, sich auch diesen Beitrag nicht entgehen zu lassen und sich ihr eigenes Urteil zu bilden.