POEtischer Partnerrausch
Corman macht uns Poe, ein Mann will sich nicht von seiner verstorbenen Liebe trennen,
muss diese knallige Poe-Verfilmung jeder Horrorfan kennen?
Muss vielleicht nicht, aber schaden tut's sicher nicht,
sei's nur weil mal wieder Herr Price spektakulär mitmischt.
„Tomb of Ligeia“ ist dick aufgetragener Gothicgrusel mit Bravur und bunten Farben,
doch ihn zu verpassen hinterlässt natürlich jetzt auch keine riesigen Narben.
Dennoch sind Kostüme, Kerzen, Frauen, Katzen und Sets jeden Blick wert,
selbst wenn man sich nur sehr träge um den Story-Fortgang schert.
Aber allein der gute Vincent holt etliche Briketts aus dem Feuer,
was dieser Typ für eine Legende ist, ist fast schon ungeheuer.
Corman produzierte viel Müll, aber auf dem Regiestuhl gibt er hier alles,
herausgekommen ist zumindest audiovisuell etwas ziemlich Pralles.
Und auch emotional und atmosphärisch kann das Stück satt punkten,
selbst wenn bei mir persönlich jetzt nicht sprühten sämtliche Funken.
Dennoch ist dieses Grab moosig, hübsch und gänsehautreif,
selten wurden Poe-Stoffe flüssiger vermischt und umgesetzt alles andere als steif.
Fazit: üppig ausgestattet, mit einem in jeder Beziehung brennenden Price und ziemlich gut Poes Atmosphäre, Flair treffend. „Tomb of Ligeia“ ist ein Erfolg für Corman und meilenweit entfernt von dem (auch oft sympathischen) B-Trash, den er sonst eher produziert hat. Allerdings auch nicht die allerbeste E.A.P.-Verfilmung seines Jahres, die geht deutlich an die Maske des roten Todes.