Der Klump beweist Durchhaltevermögen, denn 1992 war das Jahr, in dem er es zum dritten Mal an die Öffentlichkeit schaffte. Und nun ist die Trilogie komplett. Aber leider ist der dritte Teil nur ein hässliches Anhängsel, nicht anders als Belial selbst.
Und wieder gilt, dass Regisseur Frank Henenlotter keine Fortschritte gemacht hat, denn “The Progeny” krankt an denselben Stellen, die schon zuvor zu bemängeln waren. Nur werden diesmal die Mängel nicht durch einen vielversprechenden psychologischen oder soziologischen Ansatz wettgemacht, denn ein solcher fehlt diesmal leider. Mögen dem guten Frank wohl die Ideen ausgegangen sein?
Das ist schon erstaunlich, denn im ersten “Basket Case” haben sich die Ideen noch gegenseitig behindert. Nun beschränkt sich das Skript sowohl oberflächlich als auch botschaftlich auf eine simple Geschichte, in der Belial mit seiner Monster-Familie raus aufs Land fährt, weil seine Monster-Frau monstermäßig schwanger ist und nur ein Doc helfen kann, der eben auf dem Land lebt. Und wie es dann so kommt, macht Belials inzwischen bescheuert gewordener “normaler” Bruder Duane (Kevin VanHentenryck) Ärger und lenkt die Aufmerksamkeit des ganzen Städtchens auf die Freak-Familie.
Irgendwann beim Ansehen wird einem als Zuschauer bewußt, dass mit dem dritten Teil wohl eine Art Kleinstadtatmosphäre aufgebaut werden sollte, wie man sie eindrucksvoll in Filmen wie “Der Blob” zu Gesicht bekam. Das erzeugt allerdings einen empfindlichen Schnitt gegenüber den ersten beiden Teilen der Trilogie und ist darüber hinaus derart mißlungen, dass man wirklich gerade mal mitten im Film darüber nachdenkt, ob die Macher so etwas eventuell intendiert hatten. Wie auch immer, in Kenntnis der Vorgänger ist man zunächst stets auf der Suche nach irgendwelchen gesellschaftskritischen Ansätzen oder sonstigem Tiefgang, bis man irgendwann merkt, das wurde komplett aufgegeben.
Beibehalten wurde dagegen die unverträgliche Mischung aus Kindergeburtstag und Horrorfilm, die durch weitere Extreme noch verstärkt wurde. Die alten Freak-Masken wurden wieder ausgegraben und durch neue Freak-Figuren erweitert, die das Ganze noch weiter ins Lächerliche ziehen (man denke nur an die unsägliche Transvestiten-Krankenschwester). Der Zusammenhalt der Monsterfamilie ist stärker denn je, und deshalb müssen wir Zuschauer ertragen, wie aus dem Reisebus auf dem Weg zum Landarzt ein grässlich kitschiges Lied über Persönlichkeiten ertönt (erfahren Sie ihre persönliche Glücksmelodie!), während die (Sekten-)Führerin Ruth singt und einige der Freakazoids Instrumente spielen. Da darf man schon mal vor Übelkeit aufstoßen. Seht ihr, Kinder, das geht auch ohne Blut.
“Basket Case” ohne Blut, das geht jedoch nicht. Und wenn die Splatterszenen (allesamt schön auf eine Szene gebündelt) auch hier wieder unpassend wirken, sind sie doch so ziemlich das einzige, was den Film erträglich macht. Da mag man den Belial ob seines Polizeirevier- Massakers gleich mal am liebsten die Hand schütteln, denn die Attacken auf die Cops, die sind fein.
Ganz anders verhält es sich da mit dem Monster-Mash. Im Mittelpunkt steht die Geburt der Belial-Kinder, die sich als absolut langweilig entpuppt, gerade weil irgendwie nie so richtig ein Ziel zu erkennen ist. Die inzwischen todesnervigen Freaks feiern mal wieder ne Party, während Belials Frau oben brütet, so dass man sich ständig fragt, was das soll. Hatte die Sozialkritik in “Basket Case 2" noch den entscheidenden Ausschlag dafür gegeben, dass man dem Geschehen halbwegs interessiert folgte, ist davon hier leider nicht mehr viel übrig. Ein paar Cops schnüffeln herum, aber die reine Neugierde der Landeier macht den Kohl auch nicht so richtig fett.
Dabei hätte das Finale durchaus spannend werden können in Anbetracht der vorhergehenden Geschehnisse. Schließlich hatte Belial allen Grund dazu, den Sheriff zu meucheln und umgekehrt. Ein Brian Yuzna hätte daraus sicherlich ein aller Logik entbehrendes, aber dafür sauspannendes Splatterfinale im Versus-Style gemacht (wenn einmal damit angefangen, kann man ja beim Splatter bleiben; außerdem hätte Yuzna auch die lustischen Kinderpartymonsterszenen zu verhindern gewusst). Henenlotter fehlt aber leider so ein bisschen das Gespür für Spannung und Dramatik, weshalb zwar ein Finale stattfindet, dieses aber so ziemlich das spannungsärmste ist, das unter den gegebenen Umständen drin war. Dabei war er mit dem Maschinen-Untersatz für Belial doch auf dem richtigen Weg: Film- bzw. Comicparodie (Krang von den Turtles dürfte dunkelrosa vor Neid werden) und cooles Fortbewegungsvehikel in einem. Wenn die Transformers noch “in” wären, dann wär das voll der Hammer. Im übrigen ist dieses Maschinending die einzige Sache im Film, der man so etwas wie philosophische Ansätze abgewinnen könnte (Ghost in the Machine, Medium vs. Mittel etc.); allerdings bezweifle ich, dass solche Ansätze hier wie sonstwo im Film überhaupt beabsichtigt wurden.
Was den Film vor dem absoluten Untergang bewahrt, ist der immer wieder eingestreute Humor, der gerade von Kevin VanHentenryck ausgeht. Der muss immerhin einen mental abgekackten Schwachsinnspatienten spielen, der am Ende des zweiten Teils noch versucht hatte, sich seinen Bruder wieder an die Seite zu nähen. In vollem Bewusstsein, einen Psycho nicht überzeugend und realistisch spielen zu können, mischt VanHentenryck eine gehörige Portion Selbstironie und Übertreibung in sein Schauspiel, die es zum Genuß macht, zu erraten, welchen Schwachsinn sein Charakter Duane als nächstes baut. Leider ist Duane inzwischen zum absoluten Nebencharakter degradiert worden und kann nicht den kompletten Film mit seinem Humor füllen. Der restliche Humor ist ziemliche Geschmackssache (die Reime des Geburtshelfers bei der Geburt der Belial-Kinder) und wird nicht jeden überzeugen können.
Wie auch immer, der Humor alleine hätte den total verkorksten Rest sowieso nicht retten können. “Basket Case 3” ist überflüssig wie eine fünfundzwanzigste Nase (fragt das mal den Nasen-Freak, als er bei der Beerdigung heulen muss) und entbehrt leider jeglicher gesellschaftskritischen Ansätze, welche die beiden Vorgänger vor einem ähnlichen Absturz gerettet hatte, wie ich ihn hier leider attestieren muss. Die Splatterszenen sind ganz hübsch gemacht, aber im wesentlichen auf eine Szene konzentriert, während sich der Rest-Film mit dem fröhlichen Herumgehampel der lustigen Monster-Gemeinde herumschlagen muss. Die Nachzeichnung einer stimmungsvollen Dorfatmosphäre funktioniert ebenso wenig wie der Rest des Films.
Hopp, zurück in den Baskenkorb!
2/10