Review

Gerade mal 8 Jahre ist das her, da waren die Cops in den USA - zusammen mit Firefightern und anderen - die Helden der Nation, doch in Hollywood hat sich das kaum niedergeschlagen. Abgesehen vom allzu ungetrübten Loblied in "We own the night" dominieren auf der Leinwand immer noch die Herren Korruptoren oder schlimmere wie in "Departed", "Street Kings" oder jüngst "Righteous Kill". Die Spitze des Eisbergs dürfte aber dieser hier sein,  der mit einem eher unpassenden Titel (ich habe da wenig Ehre und gar kein Gesetz gesehen) hierzulande trotz Top-Besetzung weitgehend untergegangen ist und nun auf einige (hoffentlich wenige) DVD-Zuschauer wartet. Aber auch im Herkunftsland war das Einspielergebnis ein ziemliches Desaster - verständlich, allzu tief zielt der Film unter die Gürtellinie des Vertrauens in die Ordnungshüter und präsentiert uns Cops, die vielfach schlimmer sind als alle Verbrecher, die sie jagen. Da sich auch Spannung und Action nahe am Nullpunkt befinden, greife ich dann auch zu einer für mich ungewohnten Tiefstnote, trotz ordentlicher technischer Qualitäten.

"Helden" sind gleich drei miteinander verwandte Cops: Der mehr oder weniger Aufrechte Ray Tierney (Norton), sein Bruder, der unentschlossene Vorgesetze (Emmerich) und der Schwager als der abgrundtief Böse (Farrell). Als vier Kollegen tot aufgefunden werden, ermittelt Ray in einer Soko und sticht in ein Wespennest aus Korruption, Folter und Mord.

Das ist schon etwas schwer zu erklären, warum mich der Film derart verärgert hat. Beginnen wir mal mit dem, was man objektiv begründen kann: In über zwei Stunden Laufzeit baut der Film nicht mal ansatzweise so etwas wie Spannung auf. Völlig überfrachtet mit Nebenhandlungen, Figuren und deren Problemen (Scheidung, Krankheit, Alkohol, Traumata) tritt das Werk über ganz weite Strecken komplett auf der Stelle, die Geschichte entfaltet sich nicht in Bildern, sondern in endlosen Dialogen zwischen den allesamt irgendwie verwandten Protagonisten. Richtig übel dabei: Trotz der immensen Lauflänge wird der zentrale "Krimiplot", wenn ich das mal so nennen darf, nicht mal ansatzweise entwickelt oder erklärt. Warum die 4 Superbadcops die anderen 4 Badcops in eine Falle gelockt haben, selbst nicht am Tatort waren, danach aber verzweifelt diesen Drogendealer jagen, für wen sie arbeiten, was sie davon haben - für nichts davon gibt es eine vernünftige "Auflösung", das ist schon ein besonderes Kunststück bei einem Zweistundenfilm. Die Ermittlungen des Goodcop sind dabei ebenfalls ein Witz - die ganze Polizei sucht verzweifelt einen Typen, aber er muss nur einen Informanten (war das Buscemi in einem Cameo ?) etwas zwicken und hat schon eine korrekte Adresse.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass es dabei auch keinerlei Action zwecks Verhinderung des drohenden Tiefschlafs gibt. Mir tun da echt die "Trailer-Macher" des Streifens leid, die es ja sonst schaffen, auch aus der übelsten Schlaftablette den Eindruck eines actiongeladenen Highspeedthrillers zu kreieren. Nichts gibt es hier, was man dem gutgläubigen Zuschauer vorab als Highlight verkaufen könnte; das sich quasi aufdrängende Eröffnungsmassaker findet aus unerfindlichen Gründen offscreen statt, und auch später wird peinlichst alles vermieden, was in Richtung Action gehen könnte. Die verschiedenen Gewaltakte (meist brutale Zeugen/Informantenverhöre) sind da für mich keinerlei Ersatz, sie hinterlassen eigentlich nur ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend.

Und das führt nahtlos zum letzten, allerdings streng subjektiven Kritikpunkt: Mir geht der Film in Sachen Polizeikritik, wenn man eine Darstellung der Polizei auf Charakterhöhe des "Saw"-Bösewichts noch so nennen will, einfach viel zu weit. Die Farrell-Rolle ist dermaßen überzeichnet, ein eindimensionales, brutales Monster, das auch vor (angedrohten) Bügeleisenmisshandlungen von Säuglingen nicht zurückschreckt, da bleibt einem zeitweise wirklich das Pils im Hals stecken. Der Film baut gefühlsmäßig eine unglaubliche Antipathie gegen Ordnungshüter auf, so dass man die Lynchjustiz / Aufruhrszenen gegen Ende schon fast als Erlösung ansieht, und das ist manipulatorisch und unangemessen.

Dass der Film optisch, technisch und sogar schauspielerisch (ich erwähne Emmerich mal positiv, obwohl mir dessen Synchro nicht so gefallen hat; Farrell hat übrigens trotz Nr. 1-Listung relativ wenig Screentime) weitgehend in Ordnung ist, macht die Sache in diesem Fall nicht besser, sondern nur eigentlich noch ärgerlicher.

Daher von mir nur stark angesäuerte 2 Punkte, schließlich ist das kein "Für-5-Millionen-in-Osteuropa-gedrehtes-B-Picture" dem man so manches durchgehen lassen könnte, wenn man denn nur passabel unterhalten wird (und selbst das funktionierte bei mir nicht). Hier wollte wohl jemand ein irgendwie anspruchsvolles, kritisches Cop-Drama mit A-Cast machen, und hat dramaturgisch, spannungsseitig und von der Aussage doch nur höchst ärgerliche C-Ware produziert.

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