"Wir haben Drogen von Toten gestohlen, Beweise vernichtet, Verdächtige zusammengeschlagen, waren an Überfällen beteiligt..."
"Das Gesetz der Ehre" lässt seine Figuren auf dem schmalen Grat zwischen Tradition und Gerechtigkeit wandeln und beschreibt ein rechtschaffendes Milieu als wenig vertrauenswürdig.
Eine angeblich harmlose Drogenrazzia versetzt das New Yorker Polizeipräsidium in helle Aufregung. Vier Cops starben bei dieser Razzia, die wie eine Hinrichtung inszeniert wurde. Polizeichef Francis Tierney Sr. (Jon Voight) beauftragt seinen Sohn Ray (Edward Norton) mit den Ermittlungen. Dieser ließ sich bereits vor Jahren in die Vermisstenabteilung versetzen und wollte mit dem Morddezernat eigentlich nichts mehr zu tun haben. Zögerlich nimmt er den Auftrag an, da die vier Getöteten unter dem Befehl seines Bruders Francis Jr. (Noah Emmerich) sowie seines Schwagers Jimmy (Colin Farrell) standen. Schon bald stellt Ray fest, dass es bei dem Fall nicht mit rechten Dingen zugeht und seine Familie in einen Korruptionsskandal zu geraten droht.
Bemüht ist das Wort, das Gavin O´Connors ("Miracle“) Cop-Thriller am besten umschreibt. Zwischen spannenden Genrefilmen wie beispielsweise "Training Day" finden sich auch weniger überzeugende wie zuletzt David Ayers "Street Kings". "Das Gesetz der Ehre" reiht sich eindeutig in letztere Art ein.
Zu trivial ist die Story gezeichnet. Zwar ist die Thematik nicht ganz konventionell, als Ganzes überzeugt der Film aber trotzdem nicht. Das gefühlsmäßige Zerwürfnis, in dem jede Figur aufgrund der Verwicklung zwischen Loyalität, Wahrheit, Korruption und Familie drinsteckt, erweist sich als recht langwierig und linear. Während sich die Zeit für den Figurenaufbau stapelt, sinkt die Spannungskure proportional Richtung Keller.
Viel zu schnell sind die Verhältnisse geklärt. Die Auflösung zu früher Stunde nimmt der Handlung sichtbar das Tempo. Und auch im weiteren Verlauf der Erzählung finden sich weder dramatische Wendungen noch sichtbare Überaschungen.
Erst gegen Ende kommt ein wenig Schwung in die einschläfernde Geschichte, die schlussendlich in einem nicht zufriedenstellenden Finale mündet.
Dass Polizisten auch nur Menschen mit alltäglichen Problemen sind, ist eine Sache. Wirklich interessant wird es aber, wenn Arbeit und Familie miteinander kollidieren und der eigene Hals in der Schlinge hängt. Letztlich wirkt "Das Gesetz der Ehre" aber eher belehrend als kritisch. Zu viele Antworten werden geliefert, zu wenig Spielraum bleibt für eigene Gedanken und Interpretationen. Zum Schluss bekommt jeder, was er verdient, was die anfänglich differenzierte Herangehensweise an das Thema wieder zunichte macht.
Der Inhalt bietet keine Überraschungen. Dafür der visuelle Teil um so mehr. Die beispielhafte Arbeit des Kamerateams präsentiert New Yorks Straßen als äußerst glaubhaften, düsteren Schauplatz krimineller Verwicklungen.
Während diverse Perspektiven reichlich Übersicht bieten, kommen hektische Passagen mit gewohnter Wackeloptik daher, ohne den Zuseher zu überfordern.
Ebenso wenig scheitert der Film an der hochkarätigen Besetzung, die ohne Zweifel von einem überragenden Edward Norton ("Der Unglaubliche Hulk", "Fight Club") angeführt wird. Neben dem gewohnt standhaften Jon Voight ("Das Vermächtnis der Tempelritter", "Mission: Impossible") und Colin Farrell ("Daredevil", "Nicht auflegen!"), überrascht vor allem Noah Emmerich ("Windtalkers", "Die Truman Show") mit seiner Darstellung der Zerbrechlichkeit des starken Mannes.
Ohne jegliche Neuerungen versinkt "Das Gesetz der Ehre" in der Masse seines Genres. Dies verdankt er seiner überaschungsarmen Präsentation und dem kaum vorhandenen Spannungsbogen. In den Durchschnitt retten kann sich der Film nur durch seine herausragende Besetzung sowie der soliden technischen Umsetzung.
4 / 10