Als Kriminalfilm beginnend, Depardieu als Verbrecher, eingesperrt hinter Mauern, verriegelt hinter unzähligen eisernen Toren, die gesiebte Luft schwedischer Gitter. Mit frischem, freien Spiritus sind die beiden anderen Filme gestartet, mit Urlaub im Tourismusparadies, mit der ungezwungenen Jugend, mit der ersten unbeschwerten Liebe; hier gehen zwar auch die Tore auf, ist der Gang aber bleiern und die Schultern sichtbar schwer. Die Schritte sind kurz, die Wege sind lang, viele Hindernisse, viele Steine im Weg, die Haare einen Tick zu ungepflegt, der Anzug sitzt nicht gut, die Statur von Depardieu hat etliche Kilos mehr und deutlich zugelegt:
Jean Lucas [ Gérard Depardieu ] ist nach mehreren Jahren Gefängnis frisch entlassen, aber immer noch unter der ständigen Aufsicht des Commissaire Etienne Duroc [ Maurice Barrier ] und seines Assistenten [ Philippe Lelièvre ]. Als beide den eigentlich nur ein Konto in der Bank eröffnen wollenden Lucas beim Bankraub des tatsächlichen Täters François Pignon [ Pierre Richard ] 'erwischen', halten sie Pignon für die Geisel und Lucas für den Geiselnehmer. Die Jagd beginnt. Zwei irre Typen auf der Flucht.
Als Kriminalfilm beginnend geht es auch als Kriminalfilm weiter, die Verhinderung der geplanten Resozialisierung, dafür seitens der Gesetzeshüter offene Belästigung bis hin zur Drangsalierung, der Kommissar als Nötiger, im Visier der Verbrecher. Die Handlung und den Film dazugehörig gibt es auch in Ernst, der Hongkong-Thriller People's Hero (1987), das Verweigern einer Änderung des bisher eingeschlagenen Lebens, das Ignorieren von Tatsachen, das Verdrehen oder Verdrängen von Ereignissen, das Negieren einer Unschuldsvermutung. Dort ein Banküberfall plus Geiselnahme und im Mittelpunkt die anschließende Belagerung, hier für die anstehende Komödie und die humoristische Bearbeitung ein Banküberfall mit Geiselnahme als erster Anhaltspunkt, mit dem Anfänger und dem Profi als unfreiwillige Paarung, als Aufhänger für das Buddy Picture, mit Situationskomik vor allem als narrative Nahrung. Der Überfall geht schief, Die Flüchtigen stehen an, bald wird scharf geschossen.
“Die knallen uns ab wie die Karnickel!“
Dabei legt der Film ein ordentliches Tempo und auch Aufwand vor, ein größeres Polizeiaufgebot inmitten der Innenstadt, ganze Viertel werden eingekreist und abgesperrt, es wird geflohen und gerauft, außerdem Kugelhagel auf ein parkendes und auf ein fahrendes Auto. Der Zweck heiligt die Mittel, ein Lieferwagen rast in eine Kneipe, “nichts passt in dieser faulen Geschicht'“, Depardieu und Richard dabei als erneut willkommene und erneut anders situierte Paarung, wobei der Letztere hier deutlich agiler als üblich ist und sich auch als aktiv präsentiert; auch körperlich aggressiver. (Depardieu, der im selben Jahr mit der in Jean Florette und Manons Rache unterteilten Pagnol-Verfilmung von “Die Wasser der Hügel“ durch Regietitan Claude Berri wesentlich mehr Zuschauer als hier in die Kinos zog – durch die Gründung der ersten Privatsender La Cinq und M6 hat auch der französischen Einbußen erlitten, gerade die heimische Komödie –, ist dabei trotzdem eher die treibende Kraft.)
Hervorzuheben sind dabei auch wieder die gleichzeitig unauffällige, aber präzise Regie, die trockene Humorsetzung, selbst die Szenen beim Tierarzt A.D. funktionieren nach einigen ersten lautmalerischen Einheiten wesentlich besser, aber auch die Einbindung der städtischen Umgebung, ein eher kaltes urbanes Milieu mit grauen Häusern teilweise kurz vor dem Verfall, mit Anklagen auch an das Erziehungs- und das Heimsystem, “Es gibt nirgendwo Jobs.“, innen drinnen dann zuweilen antik gehalten und wie in Konservierung edler. Das letzte Drittel ist dann eher Drama, der Film eigentlich schon zu Ende und das Missverhältnis aufgeklärt, die besten Gags kommen dennoch hinten raus und das befreiende Lachen zuletzt.