Review

Ivan, der Schrecklich-Musikalische

"The Harder They Come" ist The Real Deal. Vom genuschelten Rasta-Englisch über den rauen, ungefilterten Look bis zu einem der besten und bedeutendsten Soundtracks überhaupt, weiter zu laienhaften Darstellern, einer bröseligen Story und fühlbaren Locations. Es ist nichts geschönt, nichts verharmlost, nichts angepasst. Ein raues Filmerlebnis, dessen Bedeutung kaum hoch genug geschätzt werden kann und für das das Wort Kult zu tief gestapelt ist. Die Geschichte des armen Ivan, der versucht Reggae-Star zu werden und dabei auf die kriminelle, aber (zeitweise) ruhmreiche Bahn abrutscht, ist schlicht DER Jamaika-Film überhaupt. Da geht nichts drüber. Seine vielen Makel machen ihn stärker, intensiver, unmittelbarer. Aber auch zu nicht gerade einfach konsumierbarer Kost. Es sei denn man hat etwas zu Rauchen am Start...

Eine tropische Gangsterballade gar nicht weit entfernt von "Scarface" oder "Public Enemy", nur mit ganz viel Soul, Armut und Wut im Bauch. Man ist jede Minute mittendrin statt nur dabei. Anfang der 70er war das etwas ursprünglich Neues, heute ist das kaum anders. Ein Bahnhofskino-Klassiker, dessen kulturelle Bedeutung schwer von seiner filmischen Bewertung und Klasse zu trennen ist. Kein echtes Blacksploitation, vielleicht aber sogar noch ein ganzes Stück weiter von Hollywoods Hochglanz entfernt. Einer dieser All-Time-Soundtracks, den ich ohne zu zögern jedes Mal kaufen würde, wenn ich ihn im Geschäft entdecke. Preis ist dann egal. Er ist einfach zu gut. Zudem ist Reggae-Legende Jimmy Cliff als gebeutelter "Messias" zwischen Ambition und Brutalität und enormer Musikalität perfekt besetzt und seine Figur durchläuft eine dramatische Wandlung. Einen Film wie "The Harder They Come" gibt es nur einmal. Der Granddaddy, der Märtyrer, der Master. Obwohl man danach höllisch froh ist, dass es die Inhaltsangabe bei Wikipedia gibt, da der Dialekt durchgängig extrem ist. Das Gefühl kommt dennoch mehr als eindringlich rüber und man versteht genug um zu wissen, dass man hier ein Unikat vor sich hat.

Fazit: roh, direkt, ungestreckt - Jamaikas größter Film ist eine Aufsteigerstory zwischen Slums und Verzweiflung, Drogen und Reggae, Waffen und Musik, Unterdrückung und Rebellion. Muss man zumindest einmal in seinem Leben gesehen haben! 

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