Das beim Film nicht immer alles einwandfrei und auf "menschlich denkbaren Wege" abläuft dürfte bekannt sein. Seien es die Marotten der Stars vor und hinter der Kamera oder gewisse Tätigkeiten, die junge Schauspielerinnen angeblich mit dem Regisseur anstellen müssen, damit sie in seinem Film mitspielen dürfen, um nur einmal zwei Beispiele zu nennen. Die Welt des Films ist sumpfig und steinig und nicht gerade für jeden durchhaltbar. Mit seinem Film "The Stuntman" blickt Regisseur Richard Rush hinter diesem Tabu-Vorhang der Filmwelt und das auf eine mutige und recht gekonnte, wenn auch nicht perfekte, Art und Weise.
Die Story dazu ist gut, vielschichtig und hat viele interessante Vorkommnisse und Figuren zu bieten. Es geht um einen Verbrecher, der von einem skrupellosen Regisseur geschützt wird und im Gegenzug dafür waghalsige Stunts zu vollbringen hat. Und damit alles perfekt wirkt, schreckt der Regisseur sogar vor Mord nicht zurück. Alles wurde sauber und gekonnt ausgedacht und dabei natürlich teils überspitzt, teils aber auch mit einem wirklich realistischen Blick auf die Filmwelt bedacht.
Dabei geht es natürlich um Korruption, Skrupellosigkeit und dem dringenden Willen um 100% Perfektion, egal was es kostet, selbst wenn es ein Menschenleben wäre. Dazwischen wird aber auch mit dem bekannten Gerücht gespielt, welches selbst Alfred Hitchcock schon belasstete. Nämlich Sex zwischen Regisseur und Schauspielerin, damit sie die Rolle im Film kriegt. Ja eigentlich hat sich Richard Rush wirklich an alles was in der Filmwirtschaft nicht Niet- und Nagelfest ist gewagt, um es dem Zuschauer sichtbar zu machen, um es anzuprangern und es ohne dröge Albernheiten zu karikieren.
Den größten Teil zum Gelingen des Streifens bilden aber vor allem die beiden Hauptdarsteller Peter O'Toole und Steve Railsback, die eine Performance bringen, die fast schon als Referenz bezeichnet werden kann. Vor allem O'Toole ist als gottesgleicher, skrupelloser und machtbesessener Regisseur Elli Cross absolut brillant und glaubwürdig wie schon lange nicht mehr. Für diese Leistung hätte er eigentlich mehrere Oscars auf einmal verdient.
Ein paar Schwächen besitzt der Film aber dennoch. Zum einen sind leider auch hier wieder einzelne, recht heftige Längen zu betrachten, in denen sich der Film selbst in recht belanglosen Minuten verliert. Des weiteren ist die ganze Handlung auch etwas wirr geraten, so dass man manchmal gar nicht richtig dem Geschehen folgen kann. Vor allem für "Nicht-Cineasten", die sich in der Filmwirtschaft nicht sonderlich auskennen, stellt der Streifen manchmal ein etwas hartes Brot da. Ein paar Erklärungen an mancher Stelle wäre wünschenswert gewesen.
Und auch das Ende stellt eine Enttäuschung da. Hier hat man sich leider selbst etwas zu sehr auf das typische Hollywood konzentriert und hat ein Happy End geschaffen was aufgezwungen wirkt und so nicht zum Rest des Streifens passt. Zwar konnte man es vorhersehen, wirklich gewünscht hat man sich es aber insgeheim nicht. Hier wäre ein No-Happy-End wesentlich attraktiver gewesen.
Fazit: Mutiges und kein Blatt vor den Mund nehmendes Filmwerk, das sich traut die Welt aus der es kommt aufs heftigste an den Pranger zu stellen und all die unebenen Stellen im Filmbusiness dem Zuschauer vor Augen zu führen. Mit zwei großartigen Darstellern dürfte dieser "Blick hinter die Kulissen" für die Meisten, trotz einiger Längen und manch vermeidbarem Wirr-Warr, höchst interessant und unterhaltsam sein!
Wertung: 7,5/10