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Damals, Anfang der 90er, war Teja Schriftsteller und Professor an der Belgrader Universität. Er bekämpfte und haßte das Milosevic-Regime. Heute ist er Direktor eines Verlags und setzt sein eigenes Regime unter den Angestellten durch. Plötzlich betritt ein Freund aus vergangenen Tagen sein Büro, Luka Laban. Ein Freund? Teja kann sich nicht an ihn erinnern... doch Luka hilft seinem Gedächtnis auf die Sprünge...

"Der Profi" erzählt die allgegenwärtige Geschichte von Rebellen und Tyrannen, die je nach eigener Situation ihren eigenen Standpunkt ändern. Es ist mit Abstand der beste Film, den Dusan Kovacevic je geschrieben und gedreht hat. Teja und Luka haben "die Plätze getauscht". Luka, der pensionierte Polizist, der unter Milosevic die öffentliche Ordnung unter der Milosevic-Regierung aufrecht erhalten hat, ist heute nur noch ein kranker, alter Mann. Teja, der ehemalige Revolutionär ist heute Direktor eines Verlags und muss "Wegrationalisieren". Sie kennen sich nicht, doch irgendwie schon. Sie hassen sich, aber auch nicht.

Zunächst beginnt der Film mit Archiv-Ausschnitten vom 5.10.2000 von der Revolution in Belgrad. Solches Archivmaterial erscheint im Laufe des Films immer wieder und gliedert die Filmgeschichte in die historische Begebenheit ein. Dies ist nicht nur informativ, sondern auch ein gelungener Schachzug zum Aufbau der Atmosphäre. Sowohl die realen Ereignisse, als auch die Schicksale der Charaktere bringen, zum Teil auf witzige Weise, die Dramatik der 90er Jahre hervor. Gut und Böse verschwimmen und die Musik untermalt die Bilder eindrucksvoll. Es ist die Geschichte zweier Männer über eine ganze Dekade.

Der Film hinterfragt sowohl den Kommunismus als auch die Demokratie und Diktatur. Er zeigt das nichts ewig ist und das sich Menschen ändern, ob zum Guten oder Schlechten UND dass sich im Endeffekt NICHTS ändert. Dabei legt Kovacevic vor allem Wert auf tiefgründige Charakterbeleuchtung, den Bezug zur Realität und auf Spannung durch ständige Rückblicke. Die Darsteller sind einfach superb. Ihre Rollen verkörpern sie mit viel Hingabe, ohne dabei einen großen Schuss Humor vermissen zu lassen.

Wer also auf Action steht, sollte die Finger von "Profesionalac" lassen. Wer hingegen auf eine dramatische Geschichte Wert legt, die von schwarzen Humor nur so überquillt und 104 Min. an den Sessel fesselt, sollte sich den Film unbedingt ansehen. Einziger Nachteil, der Film läuft in Originalsprache und es muss viel gelesen werden, wobei durch die Übersetzung viel verloren geht.

FAZIT: Europäisches, anspruchsvolles Filmerlebnis. Einer meiner persönlichen Lieblingsfilme!

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