Nun kann man auch nachvollziehen, warum seinerzeit zahlreiche Frauenverbände zum Boykott dieses Streifens aufriefen und auch aktiv gegen Präsentationen auf der Leinwand vorgingen.
„Bloodsucking Freaks“ bietet menschenverachtende Frauenfeindlichkeit pur und ist eigentlich nur zu ertragen, wenn man sich müht, in dem Ganzen eine schwarze Komödie zu sehen.
Wenn man die äußeren Gegebenheiten betrachtet, kommt bereits bei der Figurenkonstellation ein leichtes Schmunzeln auf: Da gibt es den Theaterregisseur Sardu, der wie eine Vincent Price Kopie eine Sado-Maso-Bühnenshow veranstaltet, indem er die Pein seiner Darstellerinnen als Fake ausgibt, während seine Opfer jedoch reale Qualen erleiden.
Unterstützt wird der Meister von einem kleinwüchsigen Gehilfen, einem dunkelhäutigen Lockenkopf, der bei Ausübung jeglicher Gewalt ständig wie ein Dullhermken in der Gegend herum hüpft.
Im Verlauf gibt es noch einen bestechlichen Cop mit italienischen Wurzeln, einen sadistischen Arzt, ebenfalls bestechlich und zugleich sozial zurückgebliebenes Muttersöhnchen und natürlich das Heldenpaar: Sie ist Ballett-Tänzerin und wird von Sardu entführt, er ist Football-Star und merkt erst nach einer Weile, dass sein Love Interest verschwunden ist, um sich letztlich an die Polizei zu wenden.
Ach, und ein hartnäckiger Theaterkritiker wird auch entführt, um während einer finalen Bühnenshow der mittlerweile hörigen Ballett-Tänzerin geopfert zu werden.
Soweit die Rahmenbedingungen – und tatsächlich – eine Menge durchgeknallter Freaks.
Im Kern gestaltet sich das allerdings weniger flockig, wie es zunächst klingt.
Denn kaum eine Frau trägt hier Kleidung und/oder bleibt vor Folter und Demütigung bewahrt.
Auf der Bühne, vor kleinem Publikum, erlebt man lediglich Anfang und Finale, doch alles dazwischen besteht aus zusammenhanglosen Erniedrigungen, die ohne roten Faden wahllos aneinandergereiht sind und im Domizil des Meisters stattfinden.
Da werden nackte Frauen im Käfig gehalten und sind von blutrünstigen Hunden nicht mehr zu unterscheiden, was sich zeigt, als zwei Personen in ihre Fänge geraten. An anderer Stelle dient der Rücken einer Gefügigen als Tisch, einer weiteren wird der Hintern als Dartscheibe missbraucht und wieder eine andere verliert ihre Finger als Einsatz einer Partie Backgammon zwischen Meister und Zwerg.
Tatsächlich spart man nicht mit Einbinden nackter Haut und diverser Gräueltaten. Bezeichnend hierfür ist eine Szene, in der ein Opfer das Seil eines Fallbeils mit dem Mund halten muss, während sie Stockhiebe auf den nackten Arsch erhält, - nur eine Frage der Zeit, bis sie den Mund öffnet, um daraufhin geköpft zu werden.
Frauenfeindlicher Schwachsinn und Exploitation pur also, nur, kann ich diese Chose zu keiner Zeit ernst nehmen.
Denn zu häufig wird die im Allgemeinen angespannte Situation durch freiwillige und unfreiwillig komische Momente durchbrochen. Etwa, wenn Meister und Zwerg einmal mehr infantil losprusten, was im Kontext zweier völlig überzogen spielender Darsteller nur noch anarchischer rüberkommt. Auch die übrigen Darsteller sorgen mit ihren oft unpassenden Gesichtsausdrücken für Erheiterung, zumal ihre Dialoge größtenteils aufgesetzt wirken und hölzern vorgetragen werden.
Letztlich bleiben noch ein paar Splattereffekte, aber auch diese sind für die Zeit von 1976 vergleichsweise schwach ausgefallen. Viele Szenen finden im Off statt, wieder andere liefern lediglich das Resultat einer Gewalttat. Da werden Zähne gezogen, ein Schädel (das könnte alles Mögliche sein) aufgebohrt, Augäpfel für eine Suppe gesammelt und Füße abgetrennt.
Allerdings sind abgetrennte Körperteile durchweg als Nachbildungen zu erkennen und auch das Blut fließt an einigen Stellen etwas zu hell und dickflüssig.
So kann ich unterm Strich nicht das Potential eines Kultfilms entdecken, dessen Status er in Fankreisen gerne einnimmt.
Im Gegenteil. Recht früh stellt sich Langeweile ein, zu eintönig verläuft das Geschehen, wenn diverse Erniedrigungen ohne Mitfiebern und Sympathie für die Opfer ablaufen.
Im Gesamtbild gewichten die skurrilen Figuren mit ihrem überzogenen Getue wesentlich stärker und der Eindruck einer tiefschwarzen Komödie überwiegt.
Was sich jedoch nicht auf den Unterhaltungswert auswirkt, denn der nimmt im Verlauf immer weiter ab.
4 von 10