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BLOODSUCKING FREAKS
Bei Filmen von Troma muss man zwischen zwei Kategorien unterscheiden: 1. Die Filme die tatsächlich von der Firma in Tromaville, New Jersey gedreht wurden und trotz Low Budget und trashiger Gangart professionell gemacht sind und 2. die Filme, die von Troma lediglich aufgekauft wurden, z.B. MUTTERTAG oder REDNECK ZOMBIES, wo die Machart eben von professionellen Werken bis hin zu Amateurbeiträgen variieren kann.
BF gehört zur zweiten Sorte und steht in der Tradition des bewusst Tabu brechenden Exploitationskinos der 70er Jahre, wo gezielt mit Themen wie Kannibalismus, Konzentrationslager, Snuff, Hexenverbrennung und Vergewaltigung die Grenzen des Darstellbaren und Erträglichen ausgelotet wurden. Und BF ist mit seinem Overkill an nackten Tatsachen und bizarren Foltermethoden an hilflosen Frauen quasi die Quintessenz dieser Epoche, denn neben ILSA – SHE-WOLF OF THE SS oder CANNIBAL HOLOCAUST ist mir kaum ein Film von damals bekannt, der dermaßen ungeniert auf die Tube drückt und von einer extremen Szene zur nächsten hetzt. Berüchtigt wurde BF ja vor allem auch, weil eine strenge amerikanische Frauenrechtlergruppe den Film aus dem Verkehr ziehen wollte. Er soll wohl auch eine Zeit lang tatsächlich drüben verboten gewesen sein, war also der einzige Filmtitel auf der US-Verbotsliste, ist aber heute nahezu überall unrated erhältlich. Bei einer differenzierten Betrachtung hingegen entpuppt sich BF nicht bloß als krasser Folterexzess, viel mehr als brachiale und pechschwarze Satire über die Schaulust der Menschen, bei der die Frauenverachtung und die sadistische Grausamkeit nun mal ein notwendiger Bestandteil sein müssen, aber keine ernst gemeinte Einstellung der Macher widerspiegeln. Und auch wenn die Bilder buchstäblich schmierig und die Makeup Effekte leicht zu durchschauen sind, so ist das dargebotene Feuerwerk an originellen Foltervarianten und geschmacklosen Einlagen nicht zu verachten. Darts werfen auf einen nackten und als Zielscheibe angepinselten Frauenhintern, Backgammon mit abgehackten Fingern, der Penis-Hotdog und die brutzelnde Bratpfanne voller Augäpfel, die Menschen fressenden Nackedeis im Käfig, das sind krude Abartigkeiten, die so wunderlich und überzogen sind, dass sie schon wieder Spaß machen. Und ohne die zusätzlich eingestreuten augenzwinkernden Auflockerungen wäre dieser Foltermarathon im Stile des alten Grand Guignol auch kaum zu ertragen, was aber nicht heißen soll, dass der Bogen nicht auch gelegentlich überspannt wird, etwa beim Auftritt des „Arztes“. Mir imponiert dieser Mut zur frechen und einfallsreichen Abartigkeit aber, die nackten Darstellerinnen sind teils auch ganz ansehnlich und der fiese Zwerg Ralphus mit seinem unmöglichen Afro hat eh das Zeug zu einer echten Kultfigur. Und dann erst die göttlichen Sprüche: „The secret is to cook the whole chicken… alive!“ Wenn die Foltermeister hier aufdrehen, dann kann ein H.G. Lewis mit seinen paar Goreszenen einpacken. Ein Meilenstein des schlechten Geschmacks! Aber so etwas würde heutzutage nie im Leben mehr so funktionieren. Und auch in diesem Fall kann ich absolut nachvollziehen, dass der durchschnittliche Mainstream-Horrorfreund das kalte Grausen kriegt.
In Amerika gibt es eine DVD-Veröffentlichung, bei der Eli Roth den Audiokommentar spricht.
9 von 10.

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