Normalerweise ist es nicht mein Ding, meinen Senf zu Filmen zu geben, bei denen schon mehr wie eine Rezension steht. Aufgrund eines inneren Drangs, den ich verspüre, möchte ich jedoch einpaar Zeilen zu "Bloodsucking Freaks" schreiben - auch wenn die Impulse keine guten sind...
1970 drehte Splatter-Urgestein Herschell Gordon Lewis den relativ lustigen Horror-Trasher "Wizard of Gore" um einen Zauberer, der arglose Mädels in seinen Shows zerteilt, zersägt, zerhackstückselt. Sechs Jahre später legte der wenig talentierte und kaum bekannte Regisseur Joel M. Reed ein Pseudo-Remake, eine Quasi-Hommage, aber auf jeden Fall einen ziemlich unmotivierten Gewaltporno nach: "Bloodsucking Freaks". Ursprünglich drehte sich die Story um eine Rockstar, der Jagd auf ein Groupie macht, doch dann kam nur dieser miese Nachklapp dabei raus.
Denn "Bloodsucking Freaks" schafft es auf eigenartige Weise sadistisch, aber auch öde zugleich zu sein. Die Szene mit dem Drillbohrer und dem ausgesaugten Gehirn ist Legende, ansonsten lässt Reed seinen frauenfeindlichen Phantasien freien Lauf und vespert eine Folterszene nach der anderen ab. Vollkommen bescheuert und doch ermüdend auf Dauer, weil jeglicher Anflug von Spannung, Dramaturgie etc. bereits im Keim erstickt wird. Die Rahmenhandlung um eine entführte Ballerina ist völlig Peanuts. Auch schauspielerisch kann "Bloodsucking Freaks" keinen Blumentopf gewinnen: Bis auf Vincent Price-Lookalike Seamus O´Brien als Meister Sardu ist die ganze Baggage eine Ansammlung an echten Rohrkrepierern: der Football-Star agiert wie ein Stück Holz, der depperte Kommissar könnte aus einer italienischen Militär-Klamotte entsprungen sein und Luis DeJesus - meines Wissens nach der erste Zwergen-Pornodarsteller überhaupt - nervt als nervös herumhopsender Hiwi. (Ein Teil der BSF-Besetzung ist übrigens in dem weitaus amüsanteren Puppen-Porno "Let My Puppets Come" zu sehen).
Aufgrund einer Verkettung mehrerer Umstände wurde dieses Machwerk dennoch zur Legende: unter anderem zündeten diverse Frauenverbände Leinwände von Kinos an, in denen "Bloodsucking Freaks" gezeigt wurde - und vergaßen dabei die Filmrollen. Regisseur Oliver Stone (u.a. "Platoon", "JFK") soll beim Casting mitgewirkt haben. Dann verschwand der Streifen für einige Jahre ganz in der Versenkung, bevor die Trash-Schmiede Troma ihn wieder ausgrub - und dafür herbe Kritik einstecken musste. Angeblich wird BSF sogar von Larry Flynt, Herausgeber des Herrenmagazins "Hustler", verabscheut. In Deutschland ist der Film seit einpaar Jahren ein 131er...
Fazit: So genannter "Klassiker", der seinen Kult in erster Linie durch eine Handvoll von Begleiterscheinungen begründet. Ansonsten gilt: Frauenverachtend, langweilig, schlecht gespielt. Gute Exploitation ist eine Sache, cineastische Niederungen eine andere... 2 von 10 Punkten.