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„Ran“ ist Akira Kurosawas Adaption der berühmten Tragödie „King Lear“ von William Shakespeares und gleichzeitig einer seiner letzten Filme.
Die Geschichte Shakespeares dient Kurosawa dabei allerdings nur als Vorlage und erfährt einige Veränderungen. So werden aus den drei Töchtern drei Söhne und auch viele weitere kleine Einzelheiten sind anders. Wer also „King Lear“ schon kennt sollte nicht glauben deswegen auch die Geschichte von „Ran“ schon zu kennen, auch wenn sie sich in ihren Grundzügen natürlich an die Vorlage hält. Kurosawa schafft es wirklich das ganze zwar im Sinne der eigentlichen Geschichte, aber doch ganz anders zu erzählen und das dazu noch überaus interessant und spannend. So verfliegen die zweieinhalb Stunden des Films geradezu, was bei einer solchen Lauflänge ja schon an sich ein kleines Kunststück ist. Das liegt einerseits natürlich daran das die Geschichte einfach mächtig viel Stoff hergibt, der wohl locker auch für zwei Filme a la zwei Stunden gereicht hätte, aber es sind auch im besonderen die hervorragenden Charaktere die den Film entscheidend mit tragen. Ob nun der vorlaute Saburo, der erst als Flegel und am Ende dann doch als einzig wirklich liebender Sohn erscheint, die wunderbar intrigante Kaede und vor allem der immer treue und auf seine eigene Art auch weiseste Charakter des Film, der Hofnarr Kyoami. Eigentlich kann man so gut wie jeden Hauptcharakter hier lobend herwähnen. Mein besondere Liebling ist aber ohne Zweifel Kyoami, der von der ersten Sekunde in der er auftritt einfach sympathisch ist und das im Verlaufe des Films immer weiter ausbauen kann. Wie auch Saburo riecht er von Anfang an den Braten und versucht den Fürsten auf seine eigene spöttische Weise davor zu warnen, hat aber keinen Erfolg und muss der Tragödie am Ende hilflos zusehen. Dennoch bleibt er, trotz Zweifeln, seinem Herrn bis zum Ende ergeben und ist ein wahres Leuchtfeuer in der ganzen vergifteten Gesellschaft. Für mich ist er der wahre Held des Films.
Dem Gegenüber steht als tragischste Figur der Vater, der doch eigentlich nur einen ruhigen Lebensabend wollte. Doch er kann seiner eigenen Vergangenheit nicht entkommen. Er selbst hat seine Herrschaft und seine Familie mit Gewalt und Krieg aufgebaut und deshalb kann es für sie kein Happy End geben. So wie sie aus dem Blut ihrer Feinde emporgekommen ist versinkt sie am Ende auch wieder im Blut und es überlebt, ganz wie in Shakespeares Vorlage, keiner.
Bis es denn aber soweit ist, erlebt der Zuschauer ein Meer von fantastischen Bildern, mal kräftig, mal eher blass, je nach Situation. Denn Kurosawa beschränkt sich hier nicht einfach auf ein „abfilmen“ der Geschichte. Auch wenn die Kamera meist recht starr an einer Stelle verharrt, höchsten mal schwenkt, aber eher selten selbst in Bewegung gerät, gelingt es ihm dennoch den Zuschauer allein schon mit den Bildern zu fesseln. Ich kann auch nicht wirklich erklären woran das nun liegt. Normalerweise wird so etwas, wenn das gezeigte nicht die nötige Spannung bringt, auch mal schnell recht langweilig. Als Vergleich würde mir jetzt spontan Kitano dazu einfallen, in dessen Filmen man das genauso erleben kann. Ruhe ohne Langweile halt. Ein im typischen, heutigen Kinofilm eher selten anzutreffendes Phänomen.
Aber auch wenn dann mal richtig Action ist, dann kann die sich absolut sehen lassen. Die Schlachten, besonders die in der dritten Burg, sind packend inszeniert und wissen einen mitzureißen. Besonders schön ist auch der Musikeinsatz bei der Burgschlacht und vor allem dessen abruptes Ende. Aber auch später gibt’s noch einige Sachen die für erhöhten Puls sorgen sollten, allen voran die tollen „vom Pferd stürz“-Stunts.
„Ran“ ist halt einfach ein Film an dem alles stimmt. Angefangen vom ruhigen Anfang, über die actiongeladenen Kämpfe bis zum tragischen Ende. Alles perfekt inszeniert und zu einem einzigen Gesamtkunstwerk zusammengeschmiedet. Da wird klar warum Akira Kurosawa den Ruf inne hat einer der ganz großen Meister seines Fachs gewesen zu sein.
Zwar ist „Ran“ nicht unbedingt der erste Film an den man bei seinem Namen denkt, diese Ehre gebührt wohl eher „Yojimbo“ oder „Die sieben Samurai“, aber er ist auf jeden Fall einer seiner besten Filme. Manche sagen sogar sein bester.
Ich glaube jeder der auch nur halbwegs Liebe für den Film an sich übrig hat muss diesen hier einfach gut finden und es genießen können ihn anzusehen. Ein echtes Meisterwerk!

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