Niemand wird behaupten können, "Romy und Michele" seine eine besonders tiefschürfende Komödie. Da war in der Filmkritik schon eher vom "Film zum Blondinenwitz" zu lesen.
Und tatsächlich, oberflächlich besehen ist er wirklich bedeutungslos, flach und banal. Und trotzdem ist er weder ein Flop noch ein Ärgernis.
Denn wenn auch die Geschichte so simpel wie ein 1x1 ist, kann gerade die Vorhersehbarkeit das nötige Maximum an Vergnügen aus dem dürftigen Geschehen herauspressen.
Schwierigkeiten hat der Film eh genug durch die intellektuelle Flachheit seiner beiden Hauptfiguren, die mangelnden IQ durch beständige gute Laune ausgleichen.
Da trifft es sich ausgezeichnet, daß sowohl Sorvino als auch Kudrow mit charmanter Hingabe alles geben, um nicht wie eine Zweitausgabe von Kelly Bundy zu wirken.
So gibt es dann auch relativ wenig Witze auf Kosten der gottgegebenen Dummheit der beiden, denn der Film bezieht seine Ironie eher aus dem praktischen Umgang mit dem Defizit und aus den stark überzeichneten Figuren, die allen nötigen Klischees Rechnung tragen. Da die Storyline zu dünn ist, um mehr als eine Dreiviertelstunde zu tragen (es geht eigentlich nur um die Idee, auf dem High School Treffen als erfolgreiche Geschäftsfrauen aufzutreten und dessen unausweichliches Scheitern), wurde das Script weitestmöglichst gestreckt, zunächst mit einem Haufen Rückblenden in die Schulzeit zurück, dann mit einer ziemlich langen Traumsequenz, wie es auf dem Treffen am besten laufen sollte, die so gut gemacht ist, daß man erst spät merkt, daß es eine ist.
Als geistigen Ausgleich zu den beiden bietet Erzkomödiantin Janeane Garofalo eine gute Leistung, als erfolgreiche Geschäftsfrau, die ebenfalls Underdog war, aber eben doch kein glückliches Privatleben erlangt hat, weil sie ausgerechnet in den debilen Typen verknallt war, der immer erfolglos der dummen Michele hinterhergehechelt hat.
Die aus allen Poren strömende Sympathie für die Protagonisten wird noch verstärkt durch einen rasanten 80er Jahre Soundtrack, der den von "The Wedding Singer" locker in den Schatten stellt und immer zum richtigen Zeitpunkt die nötige Stimmung vorgibt. Einen Bonuspunkt gibts außerdem für die extraschrillen Kostüme.
Wie schon erwähnt, braucht hier niemand ultimative Schenkelklopfer zu erwarten, doch haben sämtliche Figuren genug Witz, um den Film gemütlich über die Zeit zu bringen.
Seine Wirksamkeit bezieht er übrigens aus dem uralten Prinzip Laurel und Hardys, denen man sich ebenfalls in jedem Belangen überlegen fühlen konnte und die genauso ohne jeden Arg waren.
Wer jetzt natürlich glaubt, es gäbe kein Happy-End, der muß dringend ein paar Nachhilfestunden in amerikanischer Komödie nehmen.
So kommt es zu einem Film, dem man einfach nicht böse sein kann und der besonders zwischendurch ungemein erfrischend wirkt, wenn man in der richtigen Stimmung ist.
Heitere 6/10.