"Gimme a signaaal !!!" Komischer Weise muß ich jedesmal, wenn ich das Wort Signal höre an Hans Söllner denken, der diesen Spruch in ausuferndem Maße und ragga-mäßig betont jedes Jahr auf's neue bei Chiemsee-Reggae intoniert hat. Da ich ein virtuoser Überleitungsschreiber bin, schaffe ich es sogar eine Verbindung zwischen diesem lustigen Männchen und "The Signal" herzustellen. Beide sind nett, aber auf Dauer ermüdend und zu inhaltsleer.
Versteht mich nicht falsch, aus Hans Söllner wächst man raus, "The Signal" hingegen wird immer ein netter Film bleiben. Ihn auf dem FFF 2007 in Nürnberg zu sehen war definitiv keine verlorene zeit, zumal das versammelte Publikum die große Ehre hatte, als vermutlich letztes, die Originalversion zu sehen, da der offizieller Kinostart in den Staaten um zwei Monate verschoben wurde, um Ton und Musik nochmal zu ändern. Die Story ist ebenso so einfach, wie das Storykonzept nett ist: Die Geschichte ist eine Mischung aus "Pulse" von Stephen King, bzw. "Pulse" von Kyoshi Kurosawa (je nachdem, wer da von wem geklaut hat) und "28 Days later". Ein Störsignal sorgt dafür, daß die Bevölkerung Amok läuft und sich gegenseitig schnetzelt. Innerhalb von einer Nacht ist das gesamte New-York City (ich glaube, da spielt das Teil) nahezu komplett entvölkert. Die Umsetzung dieser Idee ist interessanter: 3 Episoden, die von 3 Regisseuren gedreht werden, um dann ein (überraschender Weise relativ geschlossnes ) Gesamtwerk zu ergeben. Die erste Episode ist definitiv die Stimmigste und eigentlich auch Beste (Einführung der Charakter, erstes Auftreten des Chaos), die Zweite ist die Witzigste ( Kammerspielartiges in einem Mittelstandshaus mit Hausherr, Psychopath, Hund und toter Ehefrau), allerdings auch irgendwie Unpassendste und der finale Schlußteil ist der Gorigste. Wobei man "goreig" wirklich kleinschreiben sollte, da man lediglich zwei Szenen vorgesetzt bekommt, die als Splatter durchgehen würden. Roter Faden der durch den Film führt ist die Dreiecksbeziehung einer Frau. Zu Beginn ist sie bei ihrem Liebhaber mit dem sie ein neues Leben beginnen möchte, kehrt allerdings gerade in dem Moment ein letztes Mal zu ihrem Ehemann zurück, als dieser beginnt Amok zu laufen. Konsequenz daraus: Frau flieht, zunächst noch mit Begleitung, durch menschenleere Straßen, Ehemann im Blutrausch verfolgt sie, Liebhaber versucht verzweifelt sie zu finden. Atmosphärisch ist das durchaus gelungen, handwerklich erreicht die Independent-Produktion erfreulich-solides B-Film-Niveau und die Darsteller, obwohl ich keinen davon jemals gesehen habe, sind absolut brauchbar und überzeugend. An den Schluß kann ich mich irgendwie nicht mehr erinnern, was allerdings auch eher positiv zu bewerten ist, da ich mir im Normalfall nur haarsträubende Schwachsinnsenden (da ich ihn vor kurzem wieder gesehen habe: Hallo "High Tension") oder Geniestreiche merken kann. Beides trifft auf "The Signal" Gott sei Dank/leider nicht zu und das ist auch gut/verzeihbar so.
Wie gesagt: ein netter Film; keine verlorene Zeit wenn man ihn gesehen hat, aber auch kein verlorenes Wissen, wenn man ihn nicht gesehen hat. 6,5 Punkte