Paris hat auch seine dunklen Seiten und diesmal ist ausnahmsweise nicht die Hilton gemeint. Denn unter der Hauptstadt Frankreichs werden seit Ende des 18. Jahrhunderts die Gebeine von fast sieben Millionen Bürgern aufgebahrt, heute ist nur ein kleiner Teil des riesigen Tunnelsystems für Touristen zugänglich.
Also ein außergewöhnliches Setting für einen Horrorstreifen, der auf packende Atmosphäre schließen lässt, - hätte man nicht einfach mal in Rumänien gedreht und die wirkungslose Kulisse zumindest ein wenig mit Scheinwerfern ausgestattet.
Was sich da überwiegend ereignet, erinnert schon stark an „Creep“ mit Franka Potente: Eine Amerikanerin unter Paris. Spontan nimmt Victoria (Shannyn Sossamon) die Einladung ihrer Schwester Carolyn (Sängerin Pink) an und wird am selben Abend ihrer Ankunft auf eine illegale Party in den Katakomben geschleift. Doch nach kurzer Zeit findet sich Victoria völlig allein in den verzweigten Gängen wieder und sucht verzweifelt einen Ausgang, während ihr eine Satansmutation mit Ziegenmaske auf den Versen ist.
Klingt nach einer spannenden Hatz, entfaltet sich im Endeffekt jedoch als lahmes Umherkraucheln einer Frau mit Taschenlampe.
Bereits der Einsteig packt überhaupt nicht, die Figuren bieten keinerlei Substanz und man erfährt fast nichts über die Beziehung der ungleichen Schwestern, außer, dass sich Victoria regelmäßig Beruhigungspillen einwirft, weil sie unter Panikattacken leidet, - eine Eigenschaft, die dem einen oder anderen Betrachter im Verlauf mächtig auf den Zeiger gehen wird.
Zudem finden sich nur selten spannende Szenen, wie etwa die Flucht zurück zur Party, während der Schlächter hinter Victoria her ist und sie verzweifelt versucht, über einen Knochenhaufen zurück ins Getümmel zu gelangen.
Nachdem die Party von den Cops geräumt wurde und die junge Frau mutterseelenallein erwacht, folgen zahlreiche Leerlaufszenen, die ausschließlich aus dem Erkunden von schlecht ausgeleuchteten Wegen bestehen. Eine beklemmende Atmosphäre wird hierbei kaum transportiert, zudem wackelt die Kamera in entscheidenden Momenten zu stark, teilweise ist nur eine schwammige Suppe im Halbdunkel zu sehen.
Etwas mehr Abwechslung kommt mit der Begegnung Henrys ins Spiel, der sich offenbar ebenfalls unfreiwillig dort unten befindet. Das Ziegenmaskenmonster bleibt indes lange Zeit außen vor und die Amerikanerin zickt den Franzosen an, weil er sich zu zügig durch die Gänge bewegt. Zwischenzeitlich kann man einige Orte sogar mehr als nur schemenhaft wahrnehmen und per Unfall fließt immerhin ein wenig Blut.
Nach ziemlich eintönigem Ablauf kommt während der letzten Minuten doch noch ein wenig Dramatik ins Spiel, Victoria findet eine Spitzhacke, durchkreuzt einen Tümpel und erliegt einer bösen Überraschung, die in dieser Form zumindest nicht unmittelbar vorauszusehen war und einen kleinen Pluspunkt einfährt.
Doch über all dem liegt eine ermüdende Eintönigkeit, die mit einigen Logiklöchern angereichert wird (Eine Riesenparty mit dröhnenden Bässen wird verdammt spät wahrgenommen, in den Katakomben gibt es einen Tümpel, der offenbar warm genug zum Nacktbaden ist und Rumänen will man uns als Franzosen verkaufen).
Ist alles zu verkraften, doch auch der an sich knuffigen Hauptdarstellerin macht es das Drehbuch nicht leicht, aufgrund des ständigen Herumgekreisches findet ein vermindertes Mitfiebern statt und so richtige Konfrontationsmomente kann man an einer Hand abzählen.
So klingt das Sujet einmal mehr verlockend, doch die Umsetzung setzt einiges an Potential in den Sand, oder vielmehr ins Dunkel.
Da ist es allemal packender, die Katakomben von Paris einmal in Natura zu erleben.
Knapp
4 von 10