„Shrek“ war ein Überraschungshit und in aller Munde, beim Sequel „Shrek 2“ wurde weiter eifrig diskutiert – „Shrek 3“ bekam deutlich weniger Aufmerksamkeit. Eine Folge nachlassender Qualität?
Der grobschlächtige Oger Shrek und seine Frau Fiona haben viel zu tun, denn Fionas Vater, der König von Far Far Away ist schwer krank. Nur leider kommt Shrek mit der Königswürde schwer zurecht und will sie schnell loswerden. Derweil sammelt Prinz Charming Anhänger unter den Märchenbösewichten, um das Königreich zurückzuerobern. Damit hat „Shrek 3“ einen sehr witzigen, furiosen Einstieg, u.a. die misslungene Schiffstaufe, Charmings Bühnenauftritt oder den erwähnten Besuch in der Kneipe.
Doch dann verstirbt Fionas Vater und Shrek hat keine Lust auf Dauer zu regieren. Allerdings gibt es noch einen Erben, den jungen Arthur, der allerdings auf einer Privatschule in fernen Landen weilt. Shrek bricht auf, um ihn zu holen, während Charming den Umsturz plant...
Was die Animationen angeht, hat sich „Shrek 3“ tatsächlich noch ein kleines Stück weiterentwickelt. Die Figuren sind immer noch rundlich comichaft wie in den Vorgängern, da bleibt man sich treu, doch Details sind aufwändiger, z.B. Charmings Haare oder trickreich animierte Kamerafahrten, u.a. beim Angriff der Märchenbösewichte auf Far Far Away. Auch das Sprecherteam hält die Qualität der Vorgänger, im O-Ton quaseln erneut Mike Myers (Shrek), Cameron Diaz (Fiona), Eddie Murphy (Esel) und Antonio Banderas (der gestiefelte Kater), hier unterstützt u.a. von Rupert Everett (Prinz Charming), Eric Idle (Merlin) und Julie Andrews (Königin Lilian). Selbst Justin Timberlake als pubertärer Thronerbe schlägt sich erfreulich wacker.
Die Geschichte dient erneut nur als grober Aufhänger für viele Gags, jedoch besitzt „Shrek 3“ leider nicht ganz den Drive der Vorgänger. Nachdem die knapp 80 Minuten Film (garniert mit weiteren 10 Minuten Abspann, die das Teil auf 90 bringen) vorbei sind, ist auch wirklich jede Idee genutzt, während man bei den Vorgänger das Gefühl hatte, dass man dort noch länger hätte blödeln können. Doch immerhin überzieht „Shrek 3“ nicht, man dann Schluss, wenn man sich noch amüsiert fühlt.
Leider sind auch im Bereich der Gags kleine Abnutzungserscheinungen zu merken. Schlug Anarcho-Oger Shrek im ersten Teil noch eine Schneise durch die scheinbar heile Welt der Märchen, so ist das Konzept nun hinreichend bekannt und „Shrek 3“ kommt nicht mehr so frech herüber. Der Humor ist eh etwas kindgerechter geworden, Anarchokomik mündet teilweise nur in platte Ekelgags (z.B. die Kotzszene in Shreks Alptraum), sodass sich „Shrek 3“ leider nicht mehr ganz so erfrischend wie die ersten beiden Teil anfühlt. Einige Gags sind auch nur Kopien, wenn hier alle Prinzessinnen kämpferische Fähigkeiten beweisen, dann ist das nur eine Potenzierung der prügelnden Fiona aus Teil eins.
Misslungen ist das dritte Kapitel der Oger-Saga jedoch nicht, erneut kann herzlich gelacht werden, wenngleich nicht soviel wie in den Vorgängern. Herrliche Momente gibt es jedoch immer noch, u.a. die Idee, den Froschchor bei der Beerdigung „Live and let die“ singen zu lassen oder die Verarschung amerikanischer Colleges und Highschools (sowie deren filmischer Repräsentation) beim Abholen Arthurs aus seiner Schule. Slapstick und Wortwitz geben sich dabei die Klinke in die Hand, amüsant ist die Chose fast durchweg, wenngleich der Showdown wie eine Variante des Finales von Teil zwei anmutet.
Für die erwachsenen Zuschauer ist der Film mal wieder mit reichlich Anspielungen gespickt. Die Sage um König Arthur wird verbraten, wenn Thronerbe und Klassenkameraden jeweils einem Charakter aus der Sage entsprechen, Merlin bekommt einen Auftritt als geschasster Zauberlehrer mit Harmoniebedürfnis. Unter den Bösewichten befinden sich Gestalten wie der kopflose Reiter, Captain Hook oder Rumpelstilzchen, bei dem Besuch von Arthurs Schule werden gar ohne direkte Anspielung Erinnerungen an Harry Potter wach.
Schlussendlich kann „Shrek 3“ das Niveau der Vorgänger nicht halten, es ein wenig an frischen Ideen und man verliert etwas den Biss, wird kinderfreundlicher. Witzig ist der Film trotzdem noch, erneut wird man mit Anspielungen und amüsanten Details bombardiert, doch die Animationsfilmkrone, die sich die Vorgänger aufsetzen durften, bleibt „Shrek 3“ verwehrt.