"Schiffe raus, Schiffe rein, sonst nichts." Schiffsmeldungen, das sind kleine unbedeutende Zeilen in einer lokalen Tageszeitung auf Neufundland. Verantwortlich hierfür ist Quoyle, ein vom Leben gebeutelter Aussteiger und Berufsversager, zumindest sieht er sich selbst gerne so in der Leidensrolle. Mit seiner Tochter Bunny und der resoluten Tante Agnes zog er nach dem Tod seiner Frau zurück in die sehr eigene Gegend, zurück zu seinen Wurzeln.
Er versucht sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, ebenso wie viele andere dort. Insbesondere Agnes Schicksal und Vergangenheit bleibt zunächst unergründlich, aber bereits zu Beginn läßt die Asche-vertausch-Aktion erahnen daß hier etwas bedeutenderes dahinter steckt als es zunächst den Anschein hat.
Zum Stimmungsbild des Filmes trägt enorm viel die malerische Landschaft, die unendliche Weite und die schier erdrückende Einsamkeit Neufundlands bei. Die atemberaubende Romantik trotz eiserner Kälte paßt wunderbar zur Geschichte, so wird die Verfilmung in jeder Szene der Romanvorlage gerecht, auch wenn Regisseur Lasse Hallström teilweise ganz bewußt Veränderungen vornahm, um das Buch besser visualisieren zu können. Man spürt förmlich die schneidende Kälte, zu der nicht nur das eigene Wetter sondern auch die Art der Einheimischen maßgeblich beiträgt.
Kevin Spacey erleben wir in neuer Form, weg vom verschmitzten Gauner-Image, hin zu einer sehr ernsthaften und bewegenden Rolle, die nicht nur zartbesaitete Frauenherzen bewegt. Auch Julianne Moore kann überzeugen und paßt perfekt zu dieser feinfühligen und eigenbrötlerischen Rolle, denn trotz eiserner Maske erkennt man das zarte Innenleben und die starke Persönlichkeit die eher durch die leisen Töne Charakterstärke zeigen darf - passend besetzt! Lichtblicke auch in Nebenrollen, insbesondere Pete Postlethwaite beweist, daß seine Zusammenarbeit mit Spacey wie zuvor schon in "die üblichen Verdächtigen" funktioniert.
Judi Dench zeigt sich im übrigen ähnlich wie Spacey von einer gänzlich anderen Seite, weg vom harten Image der "M"-Nachfolgerin in der Bond-Reihe, hin zu einer zerbrechlichen, vom Leben enttäuschten Frau, die nur noch durch äußerliche Stärke zu überleben vermag, praktisch vom Leben dazu gezwungen wurde hart zu sein. Eine aufgebürdete Rolle, die sie nie wollte, viel zu früh wurde ihr Leben durch den Bruder (Quoyles Vater) zerstört - Dench transportiert die Gefühlswelt der Agnes auf hervorragende und authentische Weise wie es keine zweite könnte.
"Schiffsmeldungen" ist ein nachdenklich stimmender Film, der Aufmerksamkeit und Feinfühligkeit des Zuschauers verlangt. Kein Film, den man nebenbei zur Unterhaltung anschauen kann - anspruchsvolles Gefühlskino.
(9/10)