Es ist wirklich nicht einfach, eine Schublade für „The Shipping News" zu finden. Aber man kann schon sagen, dass massenkompatibel anders aussieht, das zeigten zumindest die schmalen Einkünfte an den Kinokassen. Dabei ist Lasse Hallströms Film von einem Mann auf der Suche nach Selbstfindung und einer neuen Liebe durchaus einen Blick wert, wenngleich ich auch mit Abstand von ein paar Tagen sagen muss, dass die Nachwirkungen doch etwas verblasst sind. Eigentlich ein schlechtes Zeichen und Grund für eine Ursachenforschung.
Kevin Spacey ist in der Rolle des Druckers Quoyle kaum wieder zu erkennen, dafür schon mal meinen Respekt. Mit einigem Pfunden mehr auf den Rippen, dazu der schleppende Gang und die zittrigen Worte. Fast kann er einem leid tun. Quoyle hat einen langweiligen Beruf und eine ebensolche Ehe. Seine Frau betrügt ihn reichlich dreist - hier Cate Blanchett in einer Nebenrolle - und die Erziehung seiner Tochter Bunny überfordert ihn zusehends. Als seine Frau mal wieder auf Pirsch geht und bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, ist das Gefühlschaos perfekt.
Ich habe vorher nicht gewusst, auf welche Art von Film ich mich einstellen sollte, doch bis hier war das Ganze ein ganz solides Drama, ja eigentlich auch Tragödie, ergreifend verkörpert von den Darstellern, wenngleich eine Bewertung von Cate Blanchett aufgrund ihres schnellen Abgangs schwer fallen dürfte, einen bleibenden Eindruck hat man wohl kaum bekommen (außer, dass man dachte: „So ein Miststück"). Alles fokussiert sich erst mal auf Quoyle und seine Tochter und der Wegzug ins urige und maritime Neufundland, in das Land seiner Vorfahren.
Ab hier spielt Hallström seinen wohl stärksten Trumpf aus. Das Einfangen der landschaftlichen Kulisse - die Berge und das Meer - ist zum Dahinschmelzen schön gelungen. Die neue Behausung der Familie Quoyle - ein wackliges Haus auf einer kahlen Klippe -, umspült von den peitschenden Wellen und so anfällig, dass Seile es sichern müssen.
Quoyle fühlt sich nicht so recht wohl in seiner neuen Umgebung. Ein Job bei der lokalen Presse - die Verfassung von Schiffsmeldungen und Berichte über Verkehrsunfälle - sagt ihm nicht sonderlich zu, zumal seine neuen Kollegen allesamt ziemlich schräge Vögel sind, Peter Postlethwaite ist hier in einer schrulligen Nebenrolle famos aufgehoben. Und Quoyle offenbart dem überraschenden Zuschauer, dass er schreibtalentiert ist und eine eigene Kolumne bekommt.
Hallström braucht so seine Zeit, um einigermaßen in Fahrt zu kommen und richtig schnell wird es dann leider auch nicht beim weiteren Ausbau der Handlung. Nachdem der dramatische Anteil etwas zurückgefahren wird und mit der Kindergärtnerin Wavey - etwas farblos wirkend, aber trotzdem sympathisch: Julianne Moore - bahnt sich so was wie eine Liebesromanze an. Doch auch hier kommt es nicht zu einer vertiefenden Darstellung.
An dieser Stelle muss ich mal einschieben, dass ich die - wie ich las sogar preisgekrönte - Romanvorlage nicht kenne. Ob Hallström nahe am Original blieb, ich weiß es nicht. Jedenfalls wird die immer mehr auszumachende Richtungslosigkeit des Filmes zu einem kleinen Ärgernis. Es werden immer mehr Fäden gesponnen und einfach wieder fallen gelassen, so wirkt vieles einfach zu unfertig, um fesseln zu können. Wenn nachts die kleine Bunny einen dünnen Mann mit Hund am Fenster sieht und Quoyle ihr nicht glaubt, denkt man, dass es jetzt vielleicht in Richtung Mystery geht. Passt ja auch ganz gut zu dem geheimnisvollen Haus, genauso wie die mittelalterliche Mär der Quoylschen Vorfahren, ihre düstere Vergangenheit als Piraten. Aber auch diese Spur verliert sich bald ziemlich schnell ins Nichts.
Als Quoyle mit einer Nussschale durch die Bucht schippert und eine kopflose Leiche findet, anschließend kentert und sich an einer Kühlbox bis zur Rettung festhält, konnte man fast glauben, dass der Film vielleicht sogar noch Krimi-Züge offenbart. Passend dazu, das Quoyle das Opfer - ein Yachtbesitzer - zuvor noch für die Zeitung interviewt hatte.
Doch auch hier versandet eine anfangs interessante Handlung und so hofft der Zuschauer mit jeder Minute mehr, er findet irgendwas Substanzielles, an das man sich mal richtig festhalten kann, aber der Film kann einfach keine Richtung einschlagen und will zu vieles auf einmal sein. Ich habe nichts gegen ein mutiges Durcheinander von verschiedenen Stilrichtungen, aber es hätte dem Film gut gestanden, wenn die Handlungsstränge besser miteinander verwoben gewesen wären. So gerät der Film fast zu einer dokumentarartigen Skizze von Neufundland und seinen Menschen, ihrem Lebensraum. Es ist eine Abhandlung von kleinen Episoden.
Fazit: Ich mag durchaus Filme abseits der eingefahrenen Gleise. Doch „Schiffsmeldungen" wirkt auf mich zu halbherzig, trotz überzeugender Schauspieler und herrlichen Bilderbögen. Hallström will irgendwie in alle Richtungen gehen und tritt doch größtenteils nur auf der Stelle. Wobei, irgendwie auch alles ganz nett hier.