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Nach „Jungfrau (40), männlich, sucht...“ kommt von Regisseur Judd Apatow und seinen Kumpanen mit „Knocked Up“ alias „Beim ersten Mal“ der nächste Komödienstreich, nur ohne Hauptdarsteller Steve Carell.
Ben Stone (Seth Rogen) und Alison Scott (Kathereine Heigl) kennen sich nicht, führen auch total unterschiedliche Leben. Er hängt mit seinen vier Mitbewohnern rum, kifft andauernd und verbringt den größten Teil des Tages mit Blödsinn, als Idee für die Zukunft wird an einer Internetseite gebastelt. Sie arbeitet bei einem hippen Sender, wird gerade befördert und wohnt mit ihrer Schwester Debbie (Leslie Mann) sowie deren Mann Pete (Paul Rudd) zusammen. Also zwei Figuren wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, fast wie im Buddymovie.
Doch zur Feier ihrer Beförderung geht Alison feiern, lernt Ben kennen und im betrunkenen Zustand haben sie einen One Night Stand – danach keinen Kontakt. Acht Wochen später dann die Überraschung: Alison ist schwanger...

Neu ist die Prämisse des Ganzen nicht wirklich, Filme wie „Fools Rush In“ hatten ähnliche Plots, doch in den Händen der Crew gelingt „Beim ersten Mal“ wirklich sehr gut. Trotz Lauflänge von über zwei Stunden hat die Chose nur wenige Hänger zu verzeichnen und der Plot wirkt nie altbacken oder unoriginell. Natürlich werden gewisse Standards bedient, die ungleichen Partner müssen beim Zusammenwachsen natürlich ihre jeweiligen Schwächen ausbügeln und das Happy End ist nie in Gefahr, aber zu moralinsauer gibt sich der Film nie. So hat das Web-Projekt der fünf Kiffer keinen unerwarteten Erfolg, derartig märchenhaftes bleibt aus.
Was den Humor angeht, ist Judd Apatows Film genauso spritzig wie das vorherige Projekt: Ein wenig Slapstick, vor allem Wortgefechte und pointierte Dialoge sorgen für großen Spaß. Brüller wie der Dialog über Steven Spielbergs „München“ oder die Szenen bei verschiedenen sehr schrägen Gynäkologen gibt es en masse, Fehlzündungen sind so gut wie keine vorhanden. Auch auf Fäkalhumor wird verzichtet und trotz vieler Freizügigkeiten gibt es auch nur wenige billige Sex-Witzchen.
Nebenher erzählt „Beim ersten Mal“ dann auch die Lovestory der beiden, die ansonsten nie zusammen geblieben wären. Inmitten der Ganzen wird die Annäherung behutsam beschrieben, inklusive Krisen, die selten forciert werden. Apatow verzichtet auf Kitsch, degradiert das Paar aber auch nie zu reinen Witzfiguren, wenngleich der eine oder andere dumme Spruch weniger Ben noch etwas glaubwürdiger machen würden.

Doch leider ist das Endergebnis nicht ganz so gelungen wie der Quasi-Vorläufer um die 40jährige Jungfrau. Zum einen besitzt „Beim ersten Mal“ nicht ganz dessen Drive, die bereits erwähnten Hänger sind zwar von geringer Zahl, stören aber im letzten Drittel doch etwas. Gerade die Las Vegas Szenen sind nett, aber merklich unnötig, ebenso der eine oder andere Familienmoment, der auf Gags verzichtet. Zum anderen sind die Nebencharaktere hier nicht ganz so gut ausgearbeitet: Die vier Mitbewohner sind als Comedic Sidekicks brauchbar, besitzen aber leider kaum eigenes Profil.
Seth Rogen darf nun in einer Hauptrolle zeigen, dass er ein begabter Komiker ist und zeigt mal einen etwas anderen Typus im Komödienbereich. Kein Fratzenschneider und keiner, der von allen niedergemacht wird, aber auch kein Schönling: Seine Figur ist mäßig attraktiv, das sagt der Film sogar selbst, aber trotzdem klappt die Beziehung ohne dass es sich um eine klassische Story vom Loser, der das tolle Mädchen erobert, handelt. Kathereine Heigl ist ein charmanter Gegenpart, Paul Rudd und Leslie Mann toller Support. Steve Carell gönnt sich zudem einen Gastauftritt, wenn er schon keine Hauptrolle spielt.

„Beim ersten Mal“ ist ein spritziges Comedy-Vergnügen, dessen Gags stets sitzen und das sehr charmant daherkommt. Leider fehlt im letzten Drittel ein wenig der Drive durch einige überlange Familienmomente und einige Nebenfiguren könnten etwas mehr Profil vertragen, doch insgesamt ist hier wirklich lustige Unterhaltung geglückt.

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