Die Aussage des Films ist sehr gut. Außerdem kann man auch sehr viel Lachen, aber die darstellerische Leistung ist etwas enttäuschend.
Doch zunächst zum Inhaltlichen. Alle Jahre wieder kommen Babyfilme auf den Markt. Die meisten sind öde. Aber manchmal zündet's. Dann hat der Regisseur ein neues Gewand für ein altes Thema gefunden, dass – soviel ist sicher – häufig noch viel mehr verändert als das Finden der Liebe.
Babys und wie die jeweilige Zeit damit umgeht.
Ein großes und wichtiges Thema. Regisseur Judd Apatow (Jungfrau (40), männlich, sucht...) hat dafür einen neuen und auch sehenswerten Zugang gefunden.
Der ist vom Ansatz her klassisch: Der Vater ist tendenziell verantwortungslos und selber noch ein Kind, wohingegen die Frau und Mutter schon sehr früh das entscheidende Gefühl hat: Ich werde nicht abtreiben. Die Art des Zusammentreffens ist jedoch neu:
Vor dem eigentlichen Kennenlernen ist das Baby entstanden (ein One-Night-Stand).
Das inhaltlich schöne am Film ist, dass die beiden – obwohl sie sehr unterschiedliche Ausgangsbasen haben (er sympathischer Tunichtgut, sie Karrierefrau beim Fernsehen), einsehen, dass eine Schwangerschaft „etwas“ bedeutet und kein Betriebsunfall ist, den man schnell wieder rückgängig macht.
Sie versuchen sich also nach dem „ersten Mal“ kennenzulernen und das ist schon recht witzig beobachtet. Vor allem, weil der junge Vater Ben (Seth Rogen) wirklich keinerlei Umgangsformen hat.
Trotzdem versucht sie (Katherine Heigl) mit ihm klarzukommen. Natürlich geht dabei nicht alles glatt. Gut beobachtet ist dann wieder, wie der Vater in spe plötzlich in die Puschen kommt und versucht seine Mitbewohner auf Linie zu trimmen (wäre ja auch zu schön, die alten Kumpels und das lustige Leben beizubehalten und gleichzeitig Vater zu sein – nicht wahr?).
Doch zu viel soll hier auch nicht erzählt werden.
Urkomisch ist auf jeden Fall die Entbindungsszene gelungen. Dass man sich dabei vor Lachen wegschmeißen kann, hätte wahrscheinlich keiner gedacht, der so was schon mal „live“ miterlebt hat. Hier klappts.
Die sicherlich interessanteste Nebengeschichte bietet allerdings die Ehe von der Schwester der schwangeren Hauptfigur. Scheinbar ist alles harmonisch. Die Eltern sehen gut aus, haben Kohle und die beiden Kinder sind wohlgeraten. Aber traurigerweise haben sich die Beiden sehr stark entfremdet.
Anfangs neigt man dazu der Frau die Schuld zu geben, die gar nicht weiß, wie cool ihr Ehemann ist (Paul Rudd, der fast schon zu gut für die Rolle aussieht) . Im späteren Verlauf wird dann klar, dass beide das Bedürfnis nach Abwechslung haben und mal ihre auf Dauer ermüdenden Rollen als Vater und Mutter ablegen möchten.
Aber man sieht, dass etwas kolossal schief läuft und der scheinbar coole Ehemann langsam aber sicher seine Ehe zerstört. Denn sämtliche Freiheiten und Ausflüchte gönnt er nur sich selber, anstatt mal seine Frau mitzunehmen und mit ihr Spaß zu haben.
Im Gegensatz dazu sieht die Verbindung zwischen den sehr unterschiedlichen Ben und Alison regelrecht zukunftssicher aus. Eben weil sich beide aufeinander einlassen.
Soviel zur inhaltlichen Stimmigkeit. Darstellerisch ist der Film dagegen nicht so überzeugend. Sehr gut sind zwar Ben (Seht Rogen) und seine Slacker-Freunde. Aber das seine Frau Alison mit diesem bisschen Ehrgeiz im Fernsehen Karriere macht, kann man sich genau sowenig vorstellen, wie dass Pete (der Ehemann von Alisons Schwester) ein Geld verdienender Familienvater ist (außerdem versucht er zu häufig Jim Carrey zu kopieren, anstatt etwas Eigenständiges zu spielen).
Im Gegensatz dazu spielt Petes Frau Debbie (Leslie Mann) in derselben Klasse wie Hauptdarsteller Seth Rogen, entsprechend gehören Dialoge zwischen diesen Beiden zum Witzigsten im Film.
Also, wie gesagt, der Film hat zwar manche Schwächen.
Ist aber ein großes Highlight und ein Hingucker für alle Menschen, die derzeit in einer ähnlichen Situation stecken.
In Bezug auf „Ankommen in der Normalität“ ist der Film zudem besser als die alte Referenz „Nine Months“ (mit Hugh Grant). „Nine Months“ ist jedoch zweifellos besser gespielt (thematisiert allerdings – anders als hier - das Ankommen eines Babys in einer bestehenden Beziehung).