Review

Moritz Bleibtreu verkauft als Pizzabäcker Cannabis frei Haus.

Story:
Stefan (Lukas Gregorowicz) und Kai (Moritz Bleibtreu) betreiben den Pizzaladen Lammbock. Durch den Laden verkaufen sie ihr selbst angebautes Dope in der Stadt. Dumm, dass die Polizei Wund von der Sache bekommt. Als sie mit einem Bekannten die Hanfplantage abernten wollen, werden sie überrascht. Eine Kurzschlussreaktion führt zu einem Tod. Aber das ist bei weitem noch nicht alles was die Jungs so erleben. Party, Kiffen, Eltern und Freunde sind halt doch das wahre Leben.
Hier ist nun der erste ernstzunehmende deutsche Beitrag zum Genre der Kifferkomödie. Erzählt wird von 2 Dealern, die gern selber mal einen Zug nehmen. Der Film ist in einzelne Episoden unterteilt, in denen Stefan und Kai in die irrsten Situationen geraten. Das alles läuft auf eine Katastrophe aus, die man dank einflussreichem Vater doch noch umbiegen kann. Keine Story, die mich vom Hocker gehauen hat, aber zumindest auch ein ausgemachter Schwachsinn. Der Film erzählt das ganz normale (???) Leben...

Musik:
Hier hat man sich zumindest Mühe gegeben, nicht einfach die Standartkiffermucke zu benutzen. Statt dessen bekommt man in chaotischen Momenten schon mal Rockmusik um die Ohren geknallt, während in romantischen Situationen auch mal ruhige Töne angeschlagen werden. Mir fehlt aber das eine oder andere knallige Stück, das in „Bang Boom Bang“ zB die H-Blockx präsentierten. Nicht mehr als grundsolide...

Atmosphäre:
Nach „Homegrown“ und vor allem „Half Baked“ war ich froh, dass dieser Film nicht in dämliche, hirnlose Blödeleien ausartet. Die Dialoge erinnern so teilweise stark an Pulp Fiction. Allein der Anfangsdialog um Silikonbusen im Flugzeug sind ein Hammer. Zufällig hängen da auch gerade Poster von „Pulp Fiction“ und „From Dusk Till Dawn“ im Hintergrund. Doch nicht nur die Dialoge gefallen mir, sondern auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Die beiden Hauptakteure haben nämlich ein echtes Problem: Blattläuse. Die bösen Viecher hängen nämlich an der Ernte. So macht man sich auf die Suche nach einem Gegenmittel, man endet in einem Kifferladen. ;-) (Wo sonst?) Dumm, dass da schon ein Undercoverbulle wartet.
Zwischendurch gibt es amüsante Szenen, in denen Polizisten geschult werden, wie man mit Dope umzugehen hat. Zum Schreien....
Lustig weiter geht es auf einer Geburtstagsfeier, wo der Gefeierte überrascht wird, während er mit dem Staubsauger onaniert. Megapeinlich, aber für den Zuschauer ein Leckerbissen, den er gierig verzehrt. Es kommt aber noch schlimmer....
Als Stefan nämlich nachts im Dunkeln, zu der Falschen ins Bett steigt und am nächsten Morgen aufwacht kommt echte Gröhlstimmung auf. Tja, und da guckt dann die Ex ins Zimmer. Autsch!
Problematisch ist auch Dope, dessen Wirkungen erst später auftreten. So kann es schon mal sein, dass man beim Abendessen mit den Eltern und deren Freunden Halluzinationen bekommt. Stefan, lässt sich einen schütteln, schüttelt selber und glaubt das sich ein kleines Göre an ihm zu schaffen macht. Während dessen versucht er sich krampfhaft zu unterhalten. Nach dieser Szene muss man sich schon mal die Tränen aus den Augen wischen.
Recht fies wird es dann zum Ende hin. Den Undercoverpolizisten lässt man aus Versehen die falschen Pilze fressen und ein Förster muss Gehirnzellen-Massaker inhalieren. Man will ja in Ruhe sein Dope abbauen. Nur wie lässt man die Leichen verschwinden. Genau, man trichtert dem Förster literweise Alkohol ein und schiebt ihn inklusive Auto in den Graben. Ist übrigens nicht ganz einfach eine Leiche abzufüllen.
Während man Mehmet Scholl Weisheiten über seinen Schwanz austauscht beschließt man dem einflussreichen Herrn Papa alles zu beichten.
Der macht dann Gott sei Dank nicht stundenlang auf Moralpostel sondert lässt seine Verbindungen spielen. Fluchs hat sich das Problem gelöst und Kai schmeißt sein Studium hin. Endlich frei.... das war es auch schon.
Der Film hat ohne Zweifel Qualität, aber im Ganzen haut er mich nicht vom Hocker. Das liegt teilweise an der Kapitelunterteilung. Die Atmosphäre verschwindet oft schlagartig, wenn ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Außerdem ist die Inszenierung nicht das „Allergelbste vom Ei“. Klar, der Film hat einen Haufen echt witziger Ideen, aber über die volle Distanz war mir das zu wenig. Statt auf Emotionen und Probleme mit den Frauen hätte ich mir mehr Konzentration auf die Kifferei gewünscht. In dem Werk steckt viel Potential, dass einfach verschenkt wurde. Schade drum....

Schauspieler:
So richtig schmackhaft war nur Moritz Bleibtreu, der mit seiner „Erst handeln und dann denken“ Art hier prima zu Recht kommt. Die Figur des Kai, passt zu ihm wie die Faust aufs Auge. Seine recht offene Art und die dazugehörenden Sprüche animieren oft zum Lachen. Ganz zu schweigen von seiner Art Dialoge zu führen ;) Bleibtreu at it’s best.
Vom Rest bleibt nicht viel. Nur den ewig fluchenden Heini werde ich wohl nie vergessen. Fritz Wepper ist als Papa ganz nett, obwohl man als Staatsanwalt wohl besser rasiert sein sollte. Die anderen Schauspieler sind zum größten Teil (zumindest mir) unbekannt.

Fazit:
Nette Kifferkomödie mit einigen gelungenen Gags und klasse Dialogen. Über die volle Spielzeit offenbaren sich aber immer wieder "atmosphärische Störungen" und Längen. Vielleicht was für Fans des Genres, für mich nur guter Durchschnitt.

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