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Es ist ruhig geworden um Komödienproduzent Jerry Zucker, der mit "Die Nackte Kanone" zusammen mit seinem Bruder David und Kumpel Jim Abrahams einen der lustigsten Filme aller Zeiten gedreht hatte. Anders als David und Jim wechselt Jerry jedoch in den 90er das Genre und überraschte das Publikum mit der Edelschmonzette "Ghost - Nachricht von Sam", aber leistete sich auch eine ganz persönliche Fingerübung an der Artussage. 2001 kam dann die nächste Komödie in die Kinos - "Rat Race". Der - so scheint es - wohl letzte Film von Jerry Zucker. Er wollte damit zurück zu den Anfängen - back to the roots. Es ist klar erkennbar, dass "Rat Race" von einem der "Nackte Kanone"-Macher gedreht wurde, der Humor ist unverkennbar. Trotzdem versuchte sich Zucker an einer neuen, eigen Handschrift. Die ist klar erkennbar, doch leidet der Humor darunter. Seitens der amerikanischen Zeitungen erntete der Film viel Lob ein, als lustigster Film seit "South Park" wird er sogar bezeichnet. Na, ob das nicht zu viel Ehre ist...


Ein gutes Dutzend namenhafter Stars findet sich in diesem Film wieder. Da gäbe es Rowan Atkinson, der einen Italiener spielt, welcher gerade dabei ist, die englische Sprache zu lernen; Breckin Meyer, vielen Jüngeren bekannt aus den "Garfield"-Filmen, der eine Kanzlei leitet und nur aufgrund einer Junggesellenabschiedsfeier in Las Vegas zu finden ist;  Oscar-Preisträger Cuba Gooding jr, welcher in den letzten Jahre jedoch nicht sonderlich viel Erfolg hatte, mimt einen Baseball-Schiedsrichter, welcher beim letzten Spiel jedoch viel Mist gebaut hat ("Münzwurf"); Seth Green, eine Art Steve Buscemi Kopie für Arme, der zusammen mit seinem Bruder Blaine in Las Vegas das große Glück finden will, wenn auch nicht ganz auf legalem Weg; dann gäb es noch die Familie Pear aus der Mittelschicht, deren Vater von Jon Lovitz dargestellt wird, welcher im übrigen die meisten Lacher des Films ernten wird. Und zu guter Letzt Whoopi Goldberg, die ihre Tochter schon seit 27 Jahren nicht mehr gesehen hat, doch genau heute der Tag ist, an dem sie sie endlich wieder sehen wird. 
Relativ viel Personal für eine schlichte Komödie. Wieso jedoch alle eine ganz spezifische Einleitung bekommen, hat einen simplen Grund. In dem Film geht es um ein Rennen. Ein Rennen nach 2 Millionen Dollar, "gesponsert" von dem Millionär Donald Sinclair, egozentrisch dargestellt von Ex-Monty-Python Mitglied John Cleese. Das wäre es eigentlich auch schon. Die Story handelt also im Grunde nur um das Rennen nach dem Geld. Aber ein Jerry Zucker ist ja nicht irgendwer. Er füllt die platte Story mit allerlei Gags, Geschmacklosigkeiten - und teilweise mit einem ziemlich rasanten Tempo. Langeweile ist von vorne rein ausgeschloßen, selbst wenn das etwas andere Roadmovie gegen Ende hin ziemlich lahmt. 

Bei einer Laufzeit von knapp 100 Minuten und einer Handvoll Nebenhandlungen kann man sehr leicht den Überblick verlieren. Jedoch hat Zucker das Geschehen weitgehend unter Kontrolle und gibt jedem Charakter einigermaßen gleich viel Zeit und Raum, um sich zu entfalten - und Humor aufzubauen. Das dabei nicht jeder Gag zündet und viele schon fast tragische Züge haben, verzeiht man dafür gerne. Denn es gibt immerhin einige Brüller, wie zum Beispiel der Besuch des Barbie-Museums oder das Veteranentreffen. Beide dem großartigen Jon Lovitz zu verdanken, der seinen Charakter zwar etwas überkandidelt präsentiert, sein trockener Humor jedoch fast immer ins Schwarze trifft. Geheime Stars sind jedoch die Gebrüder Cody, deren absurdes Highlight das Verhindern des Flugzeugstarts ist. Auch sorgt die Monstertruck-Aktion für einige Lacher, auch wenn spätestens da schon die Luft raus ist. 
Der Film ist zu lang und wird gen Ende in unnötig in die Länge gezogen. Besonders ärgerlich ist, das der Humor sich nicht entwickelt sondern stets im Entwicklungsstatus hängen bleibt. 

Das Drehbuch von Andy Breckman, welcher schon die geniale TV-Serie "Monk" erfand, ist etwas unentschloßen was den Verlauf der Story betrifft. Am Anfang sind alle noch feindselig miteinander, alle sind hinter dem Geld her. Doch am Ende wird dann jeder schwach. Das gesamte Finale ist grundsätzlich in die Hose gegangen und passt so gar nicht ins Grundschema des Films. Wenn auch moralisch korrekt, ist das schnulzige Ende besonders triefend, da unvorhersehbar. 
Was weiterhin etwas fehlentschieden vorkommen mag, ist die Besetzung des Italieners Enrico. Rowan Atkinson ist ein Meister der Improvisation, kein Schauspieler. Man merkt, dass er sich mehr als einmal mit den Gags abmüht und besonders sein Schauspiel sehr steif rüberkommt. Er kann sich nicht 100% von der Figur Mr. Bean befreien, sehr deutlich in der Zugszene.  

Nicht desto trotz ist Jerry Zucker ein amüsanter, rasanter Film gelungen, der zwar nicht das Niveau von "Die Nackte Kanone" erreicht, denn noch relativ erfolgreich deren Humor kopiert. Es gibt Durststrecken, dann wieder extrem witzige Passagen. Und diese Qualitätschwankungen stießen einigen besonders übel auf, für einen Sonntagnachmittag ist der Film jedoch genau das Beste. Hirn aus - und ablachen. Ganz im Sinne der Zucker-Brüder.

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