Review

In den vergangenen Jahren ergossen sich schier unendliche Mengen von Horrorfilmen über den interessierten Filmfan, darunter Massen von Remakes und Heerscharen von Filmen, die durch den verstärkten Einsatz von Blut und Grausamkeiten aus der Masse hervor stechen wollten.
Wenn dann endlich mal wieder jemand einen psychologischen Gruselfilm über ein legendäres Spukzimmer entwirft, darf sich der klassisch geschulte Horrorfan mal wohlig wieder aus der Gruft erheben – vor allem wenn sich die professionellen Kritiker mit Lob geradezu überschlagen.

So geschehen bei „Zimmer 1408“, basierend auf einer Kurzgeschichte von Horroraltmeister Stephen King und prominent besetzt mit den Talenten von John Cusack und Samuel Jackson. Der schwedische Regisseur Mikael Hafström, der vorher sein Hollywooddebut „Derailed“ nach allgemeiner Ansicht schön an die Wand gefahren hatte, wurde gleich mit rehabilitiert und weil in den USA allein 70 Millionen Dollar in die Kassen wanderten, gabs den Stempel „modern classic“ gleich mit drauf.

Dumm nur, dass an all dem wenig dran ist, bzw. wenig dahinter.
Bei genauer Ansicht entpuppt sich das ambitionierte Gruselwerk zwar nicht als totaler Rohrkrepierer, fällt aber deutlich schwächer aus, als man es erwarten konnte.

Zunächst wurde der Ablauf der Geschichte einhellig gelobt, bei der die ersten 30 Minuten darauf verwendet werden, kontinuierlich die Erwartungshaltung des Zuschauers zu schüren, indem Mike Enslin (Cusack) als zynischer Geistertourismusautor ausführlich vorgestellt wird, um ihn dann im ehrwürdigen Dolphinhotel auf den vorwarnenden Hotelmanager (Jackson) treffen zu lassen, der ihn auf jede erdenkliche Weise von seinem Vorhaben abhalten will.
Anschließend folgt die Stunde, die bisher niemand im Raum 1408 überlebt hat, praktisch in Realzeit, um dem Terror die Zügel schießen zu lassen.

Das kann man schon mal nur bedingt unterschreiben. Schon im Aufbau der Geschichte holpert der Film durch so viele scheinbar beliebige Szenen, das sie am Ende des Films einfach noch einmal von Bedeutung sein müssen. Durch Cusacks sperrigen Charakter holpert die Geschichte mehr voran, als sie langsam Geschwindigkeit aufnimmt und erst die Präsenz von Jackson kann dem Film die Qualität verleihen, die er verdient.
Im verfluchten Hotelzimmer erst einmal angekommen, vergeht noch eine ganze Weile, bis die scheinbar beliebig beginnbare Stunde per Radiowecker anfängt zu laufen. Aber auch das noch akzeptabel.

Viel schlimmer wiegt da, dass Hafström sich leider qualitativ keinen Deut gebessert hat. Das liegt zu einem nicht zu unterschätzenden Teil auch an dem Drehbuch des Trios „Greenberg, Alexander und Karaszewski“, wobei letztere beide vorher Themen wie „So ein Satansbraten“ und „Agent Cody Banks“ verbrochen haben und ersterer die Gurke „Die Herrschaft des Feuers“ verbraten hat.
Offenbar hat dieses unheilige Trio nur eins im Sinn gehabt: Hauptsache, es ist ständig was los.
Ergo prasselt es auf den armen Enslin hernieder wie aus dem auch im Film benannten siebten Kreis der Hölle. Im Minutentakt schießt der Terror aus allen Zimmerecken, Geister wandeln durchs Zimmer, Leichen kriechen durch die Schächte, Dinge verändern sich, Bilder entwickeln ein Eigenleben, das Klima ändert sich.
Das ist zwar recht abwechslungsreich, aber nur in den seltensten Fällen eines, nämlich unheimlich.
Wenn es im Zimmer plötzlich wie in der Arktis ist, das ist das zwar witzig, aber sonst auch nichts. Und zahlreiche Ideen wirken entweder woanders bei King geklaut (der Versuch, auf dem Mauervorsprung ins nächste Zimmer zu gelangen, die Ausstattung des Hotels a la „Shining“) oder anderswo abgeschaut, ohne das es in der Story Sinn machen würde (die blutende Wand etwa).

Noch entscheidender ist es, dass der Aufenthalt eigentlich kein passendes Motiv bzw. keine Motivation findet. Daß die Absicht des Zimmers oder die Herkunft der Vorgänge nicht geklärt wird („…einfach ein mieses Zimmer…“), ist nicht so schlimm, dann aber muß die Beeinflussung eine Entsprechung bei der Hauptfigur finden, normalerweise eine Art Läuterung oder Selbstfindung bzw. Selbstzerstörung. Die wirkt im Fall der Figur Mike Enslin schwer beliebig. Die Hintergründe rund um den nicht verarbeiteten Tod der Tochter wirken beliebig und spannungsschwächend eingebaut in die Terrorszenen, anstatt sie der Story voran zu stellen, das angedeutete Problemverhältnis zu Mikes Vater ist sogar im Zusammenhang komplett redundant.

Und leider wissen die Autoren auch nicht, wie sie den Spuk beenden können, nach einer Stunde scheints von vorne los zu gehen und da greifen sie zum abgegriffensten Joke in der Geschichte des Horrorfilms (Feuer legen!). Getoppt wird das alles noch von einem Schlußgag, der nun so gar nicht zur Struktur des Restfilms passt, um Jenseitsbezüge in bis dato entfesselten Psychoterror einzuflechten.

Hafström tut natürlich so einiges, um zu punkten: die Kamera kreiselt, ändert ständig den Blickwinkel, nah, fern, Halbdistanz – nur Atmosphäre will nicht aufkommen. Ständig kracht, donnert und kreischt es, die Ruhephasen wirken störend (weil sie Rückblicke sind), die Twists vorhersehbar (Surfen) und am Ende ersäuft der Film beinahe in einer unerträglich sentimentalen und total überspielten Vater-Tochter-Szene, bei der man erstmals „Aufhören!“ schreien möchte.
So mancher schicke Witz (der Raumplan mit dem einen Zimmer) oder gelungene Schrecken (das Kriechen durch die Rohre, das Fehlen anderer Fenster) machen einiges wett, aber das Bild bleibt uneinheitlich und vor allem unruhig. Wenn es die Absicht war, den Zuschauer in Enslins Zustand zu versetzen, dann ist das gelungen, aber es macht den Eindruck nicht positiver, überwältigt nur, überzeugt aber nicht.

Das Unglücklichste für den Film ist allerdings die Wahl des Hauptdarstellers.
Cusack heimste reichlich Lob dafür ein, den Film fast allein tragen zu können, dabei hat er das schon öfters bewiesen. Und er spielt gut wie gewohnt, wenn man die typischen, leicht sperrigen, leicht spöttischen Cusack-Charaktere mag.
Nur eines: in „High Fidelity“ und „Grosse Pointe Blank“ mögen die beiden stimmig gewesen sein, hier verbinden sie sich nicht mit dem Rest.
Cusack-Figuren und atmosphärischer Grusel arbeiten hier diametral entgegengesetzt, die Monologe wirken forciert, die Wortwitze unpassend – dazu bietet das Skript ihm kaum Entwicklungsfläche – der zynisch-abgebrühte Zweifler muß innerhalb von „Raum 1408“ binnen weniger Minuten komplett ausflippen, obwohl eigentlich noch überhaupt nichts passiert ist (bzw. nichts Nennenswertes) und auch später reagiert er nicht selten total übertrieben auf das hier aufgeführte Theater.
Die besten Szenen hat der Film mit Jackson, der zentimetergenau den Ton trifft, wie man das erwarten konnte, aber sobald die Zeichen auf Spuk stehen, gibt’s auf der Stelle Krawall, wo man eher leises Grauen gewünscht hätte. Immerhin, es gibt so gut wie kein Blut – das ist erfreulich.

Insgesamt ist „Zimmer 1408“ kein schlechter Film, allerdings mehr Psychoterror und Solotheater als ein in sich geschlossenes Stück Gruselkino und schon gar kein atmosphärisch gelungener Film. In den anfangs erwähnten mäßigen Vielgruselzeiten ist er dennoch ein kleines Highlight und sicher für das Publikum eine gewisse Abwechslung, geht es um das Pantheon der Spuk- und Geisterfilme, muß er aber noch eine ganze Weile vor dem Hotel den wahren Stars aus dem Auto helfen. (5/10)

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